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Interaktiv auf den richtigen Weg kommen

Traunreut. Mit erhobenem Zeigefinger und klugen Belehrungen ist beim Thema Alkohol- und Tabakkonsum niemandem geholfen. Es mache wenig Sinn, mit Verboten zu arbeiten, vielmehr sollte den Jugendlichen der Umgang mit Alkohol vernünftig vermittelt werden, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Franz Heigenhauser, anlässlich des Mitmach-Parcours »KlarSicht« der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Traunreuter Gymnasium. Zwei Tage informierte die BZgA im Rahmen ihrer Jugendkampagne zur Tabak- und Alkoholprävention mit Fakten und Spielen die Gymnasiasten, und Schüler der Walter-Mohr-Realschule sowie der Mittelschule Traunreut.

»Rauschende Feste ohne Rausch feiern«, lautet die Devise des Gesundheitsamtsleiters, der vor allem vor dem sogenannten Komasaufen und Kampftrinken warnte. Ein exzessiver Rausch könne vor allem bei Jugendlichen weitreichende Folgen haben. Alkohol in dieser Lebensphase könne die Entwicklung von bestimmten essenziellen Nervenzellen im Gehirn erheblich bremsen, betonte Dr. Heigenhauser in einer Pressekonferenz mit Vertretern der Schule, der Polizei, der Stadt Traunreut und des Landkreises. Auch die Schüler fanden das sogenannte mobile Präventionsangebot »interessant und informativ«. In Rollenspielen, Diskussionen und mit eigenen Fragen konnten sich die Schüler in der Landkreisturnhalle mit den Themen Alkohol und Tabak auseinandersetzen.

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»Wir vermitteln den Jugendlichen damit Entscheidungshilfen für einen gesundheitsfördernden Umgang, und die Jugendlichen reflektieren gleichzeitig ihr eigenes Konsumverhalten«, erklärte Projektleiter Turgut Tollu. »KlarSicht« wurde primär für Jugendliche ab der achten Schulklasse konzipiert und setzt spielerische Aktionen ein. Bei der interaktiven Auseinandersetzung mit den Themen Tabak- und Alkoholkonsum kommen unterschiedliche Fähigkeiten zum Einsatz. Bei Quiz- und Wissensfragen aller Art ist neben Wissen auch Teamarbeit gefragt. Tollu: »Es kommt nicht nur darauf an, wie viele Kenntnisse schon vorhanden sind, sondern wie schnell das Team praxistaugliche Lösungen entwickeln kann.« Die Jugendlichen treffen an den einzelnen Stationen immer auf zwei professionelle Ansprechpartner, die ihnen die Spiele erklären und somit mit ihnen ins Gespräch kommen. Unterstützt werden die Moderatoren von Mitarbeitern der jeweiligen Kooperationspartner vor Ort, die im Vorfeld extra für die Mitmach-Aktion geschult wurden.

Vom Traunreuter Gymnasium wurden die Moderatoren u.a. von den Neuntklässlern Sebastian und Patrick unterstützt. Die beiden 15-jährigen begrüßten die Aktion, die ihren Aussagen zufolge jede Menge interessante und informative Fakten biete, über die man sich normalerweise kaum Gedanken mache. Für Patrick, der beim FC Traunreut Football spielt, sind Alkohol und Zigaretten ohnehin ein Tabu-Thema: »Ich treibe Sport, da ist es nicht sinnvoll, wenn man sich zulaufen lässt«, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt.

Die Jugendlichen durchliefen den Parcours in fünf Gruppen. Am »Tor der Entscheidung« wurde ihnen zunächst eine Einstiegsfrage zum Thema gestellt. Zum Beispiel »Können alkoholhaltige Mixgetränke süchtig machen?« Gar nicht so einfach, zu Beginn klar zu sehen und sich für eine Antwort zu entscheiden. Ein Höhepunkt unter den fünf Stationen des Parcours war der »Drunk-Buster« – eine Art »Rauschbrille«.. Diese Brille simuliert einen Alkoholgehalt von bis zu 1,5 Promille im Blut. Dass man beim Tragen der Brille ganz schön ins Straucheln gerät, geschweige denn, die gestrichelte Linie trifft, davon konnten sich auch der Leiter des Gesundheitsamtes und Bürgermeister Franz Parzinger überzeugen. Prävention für die Jugendlichen ist nach Ansicht des Traunreuter Stadtoberhauptes unheimlich wichtig. Die Suchtabhängigkeit werde stark unterschätzt, deshalb seien Präventionsveranstaltungen wie »KlarSicht« nur zu begrüßen. »Wenn durch diese Veranstaltung auch nur eine Person davon abgehalten werden kann, ist dies schon ein Erfolg«, sagte Parzinger.

Beim Tabakkonsum, der nach Aussagen von Schuldirektor Dr. Robert Anzeneder am Gymnasium deutlich rückläufig sei, sei jedoch festzustellen, dass zwölfjährige Kettenraucher keine Ausnahmen mehr seien, so Bohnert. Zum Thema Alkohol sagte Anzeneder, dass beispielsweise beim Sommerfest der Schule an die Schüler kein Alkohol ausgeschenkt werde. ga