weather-image
12°

»Ich möchte gerne Altenpfleger werden«

Traunstein. »Grüß Gott, mein Name ist Gholami Miragha aus Afghanistan. Ich bin 21 Jahre und ich möchte hier gerne eine Ausbildung als Altenpfleger machen.« Sein Mitschüler an der Staatlichen Berufsschule I Traunstein, Ekhiari Sadeq, ebenfalls aus Afghanistan, hat auch einen klaren Berufswunsch: »Ich will Autolackierer erlernen.« Die asylsuchenden, jungen Männer sind Teil der Klasse BIJ/V, eines Projekts der gewerblichen Berufsschule I, für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge mit erhöhtem Förderbedarf.

»Grüß Gott, mein Name ist Gholami Miragha aus Afghanistan. Ich bin 21 Jahre und ich möchte hier gerne eine Ausbildung als Altenpfleger machen.« Die jungen Menschen hoffen auf eine dauerhafte Bleibe und wollen sich im Arbeitsmarkt integrieren.

Vor allem ausreichende Deutschkenntnisse vermitteln

Anzeige

Das Projekt wurde jetzt im Rahmen der Mitgliederversammlung des Fördervereins der BS I vorgestellt. Es ergänzt das Berufsintegrationsjahr und soll vor allem ausreichende Deutschkenntnisse vermitteln. Nach dem zwei Jahre dauernden Projekt hofft man – die Anerkennung als Asylbewerber mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis vorausgesetzt – die jungen Menschen am Arbeitsmarkt unterzubringen.

Neben den Schwerpunkten Deutsch und Mathematik sowie allgemeinbildenden Inhalten erhalten sie auch sozialpädagogische Unterstützung – sind doch viele von ihnen von Erlebnissen in der Heimat, aber auch von der bis zu zwei Jahre dauernden Reise durch oft mehr als fünf Länder traumatisiert. Sie verarbeiten und sprechen über das Erlebte erst langsam, wenn sie sich geborgen und sicher fühlen.

Die Teilnehmer der BAF (Berufsausbildung für Asylbewerber und Flüchtlinge), wie die Klasse an der BS I genannt wird, kommen überwiegend aus Afghanistan, Syrien und dem Kosovo und haben zumeist islamischen Glauben. 10 bis 16 Teilnehmer waren geplant, jetzt sind es 18. Sprachen sie zu Beginn fast kein Deutsch, so merkt man ihren deutlichen Willen, die für sie schwierige Sprache zu erlernen – einer ist gar ins Bayerische »eingestiegen«.

Rund 60 asylsuchende Jugendliche im Alter bis 25 Jahre gibt es derzeit im Landkreis. Mit dem BIJ/V hofft man, sie auf die Berufsreife vorzubereiten und so nicht zuletzt dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. In das Schulprojekt, in dem sich besonders die beiden Berufsschullehrer Oliver Brus und Hubert Gstettner engagieren, ist auch die Volkshochschule Traunstein eingebunden. Der Unterricht sei nicht zuletzt aufgrund des sehr unterschiedlichen Bildungsstandards nicht einfach, betonte Gstettner. Manche Teilnehmer seien praktisch als Analphabeten gekommen, andere hätten bereits ein Biologie- oder Mathematikstudium begonnen.

Sportunterricht ist wichtig für den Stressabbau

Wichtig sei für die jungen Menschen, die überwiegend in den Gemeinschaftsunterkünften in Grassau und Engelsberg untergebracht seien, daneben der Sportunterricht, in dem auch Stress abgebaut werde. Der Förderverein der Schule spendierte dazu Sportschuhe.

»Die Leute sind motiviert und wollen lernen«, so Gstettner. Sie seien darauf bedacht, die Lehrer zu grüßen, und übertragene Arbeiten wie beispielsweise das Reinigen der Schultafel würden gewissenhaft erledigt. Erkennbar seien auch Bemühungen, die deutsche Kultur zu verstehen. So tauchte im Unterricht die Frage auf, was Koalitionsverhandlungen seien; wobei die Asylsuchenden mit Fragen sehr zurückhaltend seien: »Fragen werden in ihren Kulturen oft als Schwäche angesehen«.

Auch im Unterricht öffneten sie sich erst langsam – immer schwinge die Angst mit, dass ihre Hoffnung auf dauerhafte Bleibe durch die Ablehnung ihres Asylantrages jäh zu Ende geht. Dass diese sehr real sei, habe sich gezeigt, als Schüler aus der Klasse ausgewiesen werden sollten, so Schulleiter Willi Barke. Man habe hier durch Einschaltung der Härtefallkommission beim Innenministerium zumindest eine aufschiebende Wirkung erzielt.

Klassensprecher Gholami Miragha schilderte im persönlichen Gespräch seine Flucht über Iran, Türkei, Griechenland, Italien und Österreich. Er wollte in seiner Heimat studieren. Dies sei ihm aber von politischer Seite verboten worden. Jetzt hoffe er, dass er bleiben könne. Für ihn sei es ein »großes Glück und ein kleines Wunder«, dass er hier sei, und so verspricht er im Namen der BIJ/V-Klasse vor den sichtlich beeindruckten Fördervereinsmitgliedern: »Wir versprechen, wir werden einen guten Job machen«.

An der Schule versucht man, die politische Diskussion um das Für und Wider des Asylrechts zu umschiffen. Schulmotto sei »die BS I ist bunt«, so Barke. Der Tenor in der Schule sei: »Sie sind jetzt da und wir versuchen, das Beste daraus zu machen«. awi