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Gemeinderat Siegsdorf bekennt sich zu Olympia

Siegsdorf. Nach einer längeren Grundsatzdiskussion stimmte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung vor zahlreichen Zuhörern mit 14:7 Stimmen für eine Unterstützung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2022. Bürgermeister Thomas Kamm stellte die Konzeptstudie für die Bewerbung Münchens mit Garmisch Partenkirchen und den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein vor. Genauer ging er auf die Punkte ein, die Siegsdorf betreffen.

Möglichst viele Gäste sollen mit dem Zug kommen

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Die Gemeinde wäre bei einer Vergabe sicher ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Besucher, Medienvertreter und Sportler. Kamm wies auf die Dringlichkeit der Verkehrssituation in Eisenärzt hin, wofür eine Lösung gefunden werden müsse. Zudem sei die Zuglinie von Ruhpolding über Traunstein zu den Flughäfen Salzburg und München ein wichtiger Punkt, wobei das klare Ziel sei, so viele Besucher wie möglich in den Zug zu bringen, auch, um Parkplätze zu sparen und die Natur zu schonen. Sehr positiv sei, dass ein Großteil der Unterbringungsmöglichkeiten schon bereit stehe. Allein 6000 Medienvertreter seien für München im Gespräch, 2000 im Chiemgau.

Wichtig seien ihm Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Als Negativbeispiel nannte er Olympia 2014 in Sotchi, wo fast alle Sportstätten nur für dieses Ereignis aus »dem Boden gestampft« wurden. »Dies wäre bei uns keineswegs der Fall, denn zirka 80 Prozent der Sportstätten bestehen bereits und haben vor allem bei internationalen Wettkämpfen ihre Tauglichkeit auch schon bewiesen«, so Kamm.

Zu den Bewerbungskosten von 29 Millionen Euro sagte Kamm, viele Sponsoren seien bereits mit im Boot , einige warteten noch das Ergebnis des Bürgerentscheids am 10. November ab. 390 000 Euro muss der Landkreis aufbringen aus dem Topf des Chiemgau Tourismusverbandes, ausgelegt auf die Jahre 2013 bis 2015. Siegsdorf müsste 80 000 Euro aufbringen.

Kamm wollte durch eine Abstimmung im Gemeinderat ein Signal nach außen geben, ob die Gemeinde eine Bewerbung unterstützt oder nicht. »Die Idee der Nachhaltigkeit ist klar in den Vordergrund gerückt, eine Unterbringung der Besucher über Medienbetreuer bis zu den Sportlern stellt uns vor keine Probleme und Schnee wird es auch trotz einer Klimadiskussion in neun Jahren noch bei uns geben«, meinte er. In der Region gebe es ausgezeichnete Sportler, denen man diese Chance geben sollte. Die Bewerbung 2018 habe gezeigt, was für einen Boom das bezüglich des Fremdenverkehrs in Garmisch gebracht habe. Es sei sicher eine ausgezeichnete Möglichkeit, die »Marke Chiemgau« in aller Welt zu präsentieren.

Hohe Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen

Willi Geistanger (Grüne) sah es positiv im Gegensatz zur Bewerbung, dass die Bürger über eine mögliche Kandidatur abstimmen. Die Auseinandersetzung solle fair geführt werden, nicht wie es in seinen Augen subjektiv im Kreistag abgelaufen sei. Positiv sah er die Zahl bereits vorhandener Sportstätten sowie die Nachhaltigkeit. Allerdings stünden die hohen Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen. Auch sei es ein großer Eingriff in die Natur und gerade die maschinelle Beschneiung sei negativ.

Alexander Klammer (UW) sprach sich klar für Olympia aus, »denn alles schaut auf unsere Region«. Allein zwei Millionen Zuschauer würden erwartet, die eine neue Art von Olympischen Spielen erleben dürften mit der Nutzung bestehender Anlagen und fast keinen Neubauten. Im Olympiastadion in München von 1972 könnten wieder Eröffnungs- und Schlussfeier sein. Kleine Einschränkungen werde es gerade wegen des Sicherheitskonzepts jedoch geben.

Matthias Landler (CSU) fragte nach der Nachhaltigkeit. »Sind das fünf Jahre? Zehn Jahre? Wir leben jetzt, aber was wird nachher sein? Wie entwickeln sich die Preise? Wir haben zwei Kommunen als Veranstalter, die klamm bei Kasse sind. Wer springt bei Unwägbarkeiten ein?« Karin Neumann (Grüne) sieht zu viele Rechte beim IOC und seinen Hauptsponsoren. Der Host City Vertrag sei ein Problem für die Veranstalter, die Stadt hafte als Gesamtschuldner. Das Ganze sei ein Mega Event, für das enorm viel Geld investiert würde. »Die geschätzten Kosten werden eklatant steigen und die Kalkulation ist fraglich.«

Kritik an »Knebelverträgen« des IOC

Kamm entgegnete, man könne das volkswirtschaftlich nicht messen und nannte das Beispiel der Fußball Weltmeisterschaft 2006. »Welche Chancen bekommt man oder überwiegen die Risiken?« Man wisse heute noch nicht, was in zehn Jahren passieren werde. Jungen Sportlern sollte man eine Chance geben wie Peter Angerer aus Hammer, der nach seinen drei Medaillen 1984 bei Olympia in Sarajewo dem Biathlonsport zum Aufschwung verhalf.

Bernhard Kübler (SPD) nannte mit Pepi Ferstl einen weiteren Hammer Sportler, der sich heuer für Olympia 2014 qualifizieren und auch an »Heimspielen« 2022 teilnehmen könne. Allerdings sieht auch er die Knebelverträge des IOC als Problem. In den Augen von Rainer Klapfenberger (SPD) ist die Bewerbung eine große Chance. Südkorea und Russland hätten nur durch die Gelder von Samsung und Gazprom den Zuschlag erhalten – das sei nicht der Sinn der Olympischen Idee. »Die Frage ist, was bleibt und was bringt es uns?«

»Mir graust, wenn ich nur daran denke«

Franz Krammer (CSU) war klar gegen eine Bewerbung. »Mir graust, wenn ich nur daran denke. Wir sind eine wirtschaftlich starke Region und so sollten wir weiter machen. Ein Mega-Event in dieser Größenordnung kann alles kaputt machen.« Als Beispiel nannte er die Bauarbeiten am Biathlonzentrum, dass beim ersten Umbau noch um jeden Baum gekämpft wurde und zuletzt spielte es überhaupt keine Rolle mehr, wie viel Bäume umgeschlagen wurden. »Wir brauchen Olympia nicht.«

Kamm wies abschließend darauf hin, dass dies allein die Meinung der Gemeindevertreter sei und nicht die der Bevölkerung. Dafür gebe es den Bürgerentscheid. hw