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Robert Jacobs aus Traunstein sieht für Vermieter viel Potenzial – etwa wenn sie Nischen besetzen

»Fliegenfischer kommen aus der ganzen Welt«

Das Traunsteiner Tagblatt stellt eine Reihe von Persönlichkeiten vor, die sich weit über das erwartbare Maß hinaus um die Gäste der Region kümmern, heute Robert Jacobs aus Traunstein.

Robert Jacobs (links) vermietet zwei Etagen des aus dem Jahr 1582 stammenden »Empfinger Gütl« an Urlaubsgäste.

Der Chiemgau ist seit den Anfängen des Tourismus' eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Vom Chiemgau erwarten die Menschen Herzlichkeit, ländliche Strukturen, unberührte Natur – und freundliche Menschen, die Haus und Hof, Grill und Garten mit ihnen teilen – oder ihre Freizeit für sie opfern. Wer aber sind diese Menschen?

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Das Empfinger Gütl, nur einen Steinwurf vom Traunufer entfernt, ist eines der ältesten Häuser in Traunstein. Robert Jacobs hat das Anwesen aus dem Jahr 1582 vor knapp zehn Jahren kernsaniert. Zwei Etagen vermietet er seither an Urlaubsgäste, die aus der ganzen Welt zu ihm kommen. Und obwohl ihm viele Bekannte damals mit den Worten »in Traunstein kannst du nicht vermieten« davon abgeraten hatten, ist seine Auslastung heute im sehr hohen Bereich.

Hauptsächlich Angler, Großfamilien und Hundebesitzer sind seine Gäste, außerdem Radfahrer, die auf dem Via Julia, Benedikt-Radweg oder Bodensee-Königssee-Radweg unterwegs sind. Alle drei Fernradwege führen direkt an seinem Haus vorbei.

Familien treffen sich zum gemeinsamen Urlaub

Wenn Radfahrer anfragen, vermietet er die Ferienwohnungen gegen Aufpreis auch für eine Nacht. Die meisten Gäste bleiben aber eine, zwei oder sogar drei Wochen. Nicht selten kommt es vor, dass sich Familien aus verschiedenen Erdteilen dort zu einem gemeinsamen Urlaub zusammenfinden, denn die Wohnungen sind über 100 Quadratmeter groß und bieten bis zu acht Personen Unterschlupf. Zum Inventar gehören neben den Betten auch große, ausziehbare Tische, Küchen mit Vollausstattung und Rückzugsmöglichkeiten. Damit die Bewohner beider Appartements miteinander an einem Tisch sitzen und feiern können, stattet der 55-Jährige gerade einen Raum in einem Nebengebäude aus.

Das Fischen an der Traun ist nicht gerade billig. Das hält jedoch Fliegenfischer aus Kanada, Australien oder Italien nicht davon ab, nach Traunstein zu kommen. »Die Traun ist eines der fünf weltweit besten Reviere zum Angeln«, sagt Jacobs. »Alle Fischermagazine schreiben darüber, in allen Sprachen. Die Fliegenfischer kommen aus der ganzen Welt an die Traun.« Seine Hausgäste holen sich bei ihm die Tipps, »wo das Wasser gut steht, und wo man etwas Gutes fangen kann«. Und nach dem Fang zeigt er ihnen das Räuchern oder gibt ihnen – als gelernter Koch – Ratschläge zum Grillen und Kochen. Sein Fachwissen hat sich mittlerweile herumgesprochen, sodass auch Angler bei ihm anklopfen, die nicht in seinem Haus wohnen.

Für einen weiteren Vermieterbetrieb, der sich auf diese Zielgruppe spezialisiert, sieht der gebürtige Traunsteiner auf jeden Fall Potenzial. Oder für alles, was mit Kräutern, dem Sammeln, der Heilwirkung und der Zubereitung zusammenhängt. »Alles, was mit Natur zu tun hat, ist voll im Trend«, stellt der ehemalige Hotelmanager fest. Er hat das Kümmern um Gäste von der Pike auf gelernt: zuerst Kellner, dann Koch, dann Hotelmanagement. Sich abends mit den Gästen zusammenzusetzen, gehört für ihn ebenso dazu, wie das Beraten zu Ausflugszielen, oder hin und wieder eine gemeinsame Fahrt nach Salzburg, wo er seinen Gästen die schönsten Ecken zeigt.

Robert Jacobs Frau Annette gibt den Gästen Nähkurse im eigenen Nähstübchen und ist als Fremdsprachenkorrespondentin für die Kommunikation mit den nicht-deutschsprachigen Gästen verantwortlich. Sie sorgt auch dafür, dass die Vierbeiner sich wohlfühlen: Bei der Ankunft warten Decke, Napf, Handtuch und Leckerlis in der Wohnung. Für die Hunde gibt es einen eigenen Gartenteil und am Traunufer wartet das perfekte Gassi-Revier.

Mit Vermieterdasein ganz und gar zufrieden

Eine Zeit lang hat Robert Jacobs auch einen Biergarten bewirtschaftet, außerdem hat er die »Piraten-Schatzsuche auf dem Chiemsee« entwickelt und jahrelang selbst betrieben. Mittlerweile hat er sie an einen ehemaligen Mitarbeiter weitergegeben. Mit seinem Vermieterdasein ist er ganz und gar zufrieden. Auf die Frage, was er als belastend oder störend empfindet, lautet seine Antwort: »Nix. Es ist sensationell.« fb