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Erweiterung des Skigebietes Winklmoos/Steinplatte wird wieder forciert

Reit im Winkl. Eine Ausdehnung des Skigebietes Winklmoos/Steinplatte ins Heutal wäre seit Jahrzehnten der große Wunsch der österreichischen Gemeinde Unken. Derzeit werden die Pläne, die den Neubau von zwei Liften rund um das Dürrnbachhorn mit einschließen, wieder verstärkt verfolgt. Wenig Begeisterung für dieses Vorhaben zeigen auf bayerischer Seite aber sowohl die Winklmooser Almbauern als auch eine Aktionsgemeinschaft. Letztere befürchtet massive Eingriffe in die betroffene Bergregion und umfangreiche Waldrodungen.

Das vom Skizirkus bisher noch unberührte Dürrnbachhorn ist von den neuen Plänen zur Ausdehnung des Skigebietes Winklmoos/Steinplatte ins Heutal betroffen. Nach Befürchtungen von Umweltschützern könnte eine der letzten Ruheoasen für Skitourengeher damit zerstört werden.

Viel ist investiert worden in das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte in den letzten Jahren, zuletzt mit der fast sieben Millionen Euro teuren Scheibelberg-Sesselbahn. Doch das Wintersportgebiet soll auch in den künftigen Jahren an Attraktivität gewinnen: So ist am Fuße des Scheibelbergs eine Versorgungsstation geplant, die insbesondere für Skikurse und Familien eine deutliche Verbesserung bei der Verpflegung schaffen soll. Auch eine Vergrößerung des Skigebietes mit Ausdehnung ins Heutal über das Dürrnbachhorn wird immer wieder heftig diskutiert.

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Seit vier Jahrzehnten kämpfen Funktionäre und Politiker auf österreichischer Seite für diesen Zusammenschluss. Es werden Planungen vorgelegt und hitzig diskutiert, regelmäßig aber verschwinden sie schließlich wieder in der Schublade. Dass diese Schubladen aber immer wieder geöffnet und neuerlich nach einer Umsetzung streben, das beobachtet seit 1992 argwöhnisch die »Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns e.V.«.

Jetzt sehen deren Mitglieder wieder akuten Handlungsbedarf: Denn es sind konkrete Pläne aufgetaucht. Darüber hinaus hat sich der Unternehmer Matthäus Unseld aus der Grenzgemeinde Unken im vergangenen Jahr die Mehrheitsrechte an der alten Dürrnbachhorn-Sesselbahn gesichert, einem Bindeglied zwischen Winklmoos und dem Heutal. Des Weiteren hat die Gemeinde Unken eine Studie über die touristische Nutzung des betreffenden Gebietes in Auftrag gegeben. Wird das Skigebiet auf der Winklmoosalm auf absehbare Zeit also endlich erweitert, wie dies die Gemeinde Unken herbeisehnt? Und wird dadurch der betreffenden Bergregion nachhaltiger, irreparabler Schaden zugefügt, wie dies die Umweltschützer befürchten?

»Ansonsten ist unser Gebiet kaum zukunftsfähig«

Um die Anbindung vom kleinen Heutal-Skigebiet in die große Arena Winklmoos-Steinplatte zu realisieren, müsste auf der Strecke über die Finsterbachalm ein Lift neu gebaut werden. So würde man zum Dürrnbachhorn gelangen. Von der Winklmoosalm aus besteht eine Ein-Mann-Sesselbahn zum Dürrnbachhorn, dessen Hänge sich bei Skitourengehern größter Beliebtheit erfreuen. Ein weiterer Lift wäre notwendig, um die Verbindung vom Dürrnbachhornlift zur Talstation des Rossalmlifts herzustellen.

Mit diesen insgesamt drei Bahnen wäre der Zusammenschluss perfekt und brächte für die 2000-Einwohner-Gemeinde Unken gleich zwei Vorteile: Einerseits wäre für Wintersportler vom Heutal aus das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte per Ski erreichbar, zum anderen könnte das kleine Skigebiet auf österreichischer Seite auch von Seegatterl aus angesteuert werden. Die jetzige Anfahrt über Unken auf einer kurvigen Bergstraße ist eher umständlich. »Es ist kein Geheimnis, das wir diesen Schulterschluss seit vier Jahrzehnten haben wollen«, erklärt Hubert Lohfeyer, Bürgermeister in Unken, »ansonsten ist unser kleines Gebiet kaum zukunftsfähig.«

Es gelte jetzt, die Genehmigungsbehörden auf Salzburger und Bayerischer Seite schrittweise vom Sinn und den Vorzügen dieses ehrgeizigen Projektes zu überzeugen. In diesem Zusammenhang arbeitet ein Planungsbüro seit einem halben Jahr daran, den topografischen Raum zwischen dem Heutal und der Landesgrenze auf einer Distanz von etwa vier Kilometern genau aufzuarbeiten. Dazu ziehen die Planer folgende Kriterien heran: Wo sind Belange des Forstes und des Naturschutzes zu berücksichtigen, wo und in welcher Form sind sommers wie winters Aktivitäten für Touristen möglich? »Im Frühjahr wird diese ganzheitliche Studie voraussichtlich fertig sein«, so Bürgermeister Lohfeyer.

Geld in bestehende Bahn am Dürrnbachhorn investiert

Mit großem Interesse erwartet auch Matthäus Unseld deren Ergebnis. Unseld betreibt in Unken das »Familien Erlebnis Hotel Post«, gleichzeitig ist er Geschäftsführer der Heutal Lifte. Im abgelaufenen Jahr hat er zusammen mit einem Salzburger Geschäftspartner 51 Prozent an der Dürrnbachhorn- Sesselbahn übernommen, »den Betrieb führen wir jetzt schon zu 100 Prozent«, sagt er. »Wir wollen diesen Sessellift als Nostalgiebahn im Sommer zunächst unbedingt erhalten«, ergänzt der Hotelier.

Rund 4000 Euro hat er im vergangenen Jahr bereits in diese Bahn investiert, um die Brandschutzbestimmungen zu erfüllen, sonst hätte die veraltete Bahn ihren Betrieb gar nicht erst aufnehmen dürfen. »Wir müssen das aber insgesamt wirtschaftlich sehen«, sagt Matthäus Unseld weiter und spielt damit auch auf einen Betrieb der Dürrnbachhornbahn im Winter an, der derzeit nicht möglich ist.

Dies mache nur Sinn mit der Schaffung einer Skischaukel Heutal/Winklmoos. Um dies zu erreichen, müssten er und die Gemeinde Unken intensive Überzeugungsarbeit leisten, bei einer ganzen Reihe von Behörden und Interessengruppen. Beispielsweise bei den Winklmooser Almbauern. Anlässlich ihrer Jahresversammlung im vergangenen Mai hatte Unseld den Almbauern konkrete Planskizzen vorgelegt.

Die anwesenden Mitglieder dieser Genossenschaft zeigten sich zurückhaltend, wie dies deren Vorsitzender Josef Speicher beschrieb. »Uns liegt zunächst sehr viel am Erhalt der Dürrnbachhorn-Bahn, sie hat eine hohe Bedeutung für Winklmoos.« Wie die Almbauern zum gesamten Projekt stehen, vermochte Speicher nicht zu bewerten, dazu bräuchte man genauere Informationen und Daten.

Josef Höflinger, einem der Betreiber der Winklmooslifte reichen diese Informationen allerdings aus, er spricht sich klar gegen das Projekt aus. »Einen Skilift, dessen Sessel über die Dächer der Winklmoos-Almgebäude schweben sollen, lehnen wir ab.« Außerdem würde sich eine solche Erweiterung weder aufgrund begrenzter Parkflächen in Seegatterl, noch wirtschaftlich für die Gebrüder Höflinger rechnen.

Der Reit im Winkler Berg- und Skiführer Walter Kellermann, Mitbegründer und Sprecher der »Aktionsgemeinschaft zum Schutze der Saalforste und des Sonntagshorns e.V.«, nimmt diese Aussagen mit wachsender Sorge zur Kenntnis. Er befürchtet massive Eingriffe in die betroffene Bergregion, umfangreiche Waldrodungen, Pistenneubau, Lawinenschutz. Und er stellt die deutliche Frage: »Sollen dort auch noch die letzten Ruheoasen und eines der letzten natürlichen Skitourenziele der Region verdrahtet und mit Schneekanonen bestückt werden?«

Informations-Skitour am 26. Januar geplant

Was nun aus diesen neuerlichen Plänen rund um die Anbindung des Heutals an das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte wird – wieder Schublade oder doch Realität – wird offenbar in nicht zu ferner Zukunft beantwortet. Hotelier Matthäus Unseld gibt sich energisch: »Wir müssen hier absolut professionell vorangehen«, in spätestens eineinhalb Jahren würde mit »konkreten Ergebnissen« zu rechnen sein.

Um sich vor Ort einen Eindruck von den räumlichen Gegebenheiten machen zu können, lädt die »Aktionsgemeinschaft zum Schutze der Saalforste und des Sonntagshorns e.V.« zu einer »Informations-Skitour« ein. Diese findet am Samstag, 26. Januar, statt. Treffpunkt ist dabei um 8.30 Uhr der Parkplatz in Seegatterl, die Tour führt zum Dürrnbachhorn. ost