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Ende des Jahres können die ersten Gebäude versorgt werden

Traunreut. Die Stadtwerke und die Geothermische Kraftwerksgesellschaft Traunreut (GKT) gehen davon aus, Ende dieses Jahres die ersten Gebäude mit der neuen Energiequelle versorgen zu können. Nach erfolgreicher erster Bohrung muss aber noch der zweite Pumpversuch abgewartet werden. Aktuell ist man bei der zweiten Bohrung bei 4000 Meter Tiefe angelangt.

Sofern auch der zweite Pumpversuch auf der Geothermie-Bohrstelle in Traunreut erfolgreich verläuft, wovon auch der Technische Leiter der Stadtwerke Franz Hagenauer ausgeht, steht dem Bau einer 700 Meter langen Fernwärme-Hauptverbindungsleitung von der Bohrstelle bis zur Anschlussstelle in der Hans-Böckler-Straße nichts mehr entgegen. Zum Einsatz kommen dabei Stahlrohre mit einem Durchmesser von 200 Millimeter, die in einem Meter Tiefe verlegt werden. (Foto: Rasch)

Wie berichtet, hatte die erste Bohrung mit über 5000 Meter Tiefe, die unter dem Thermalwasser führenden Malmkarst liegende Schicht (»Dogger« genannt) angebohrt und damit die Mächtigkeit des Malmkarsts festgestellt. Mit über 130 Liter pro Sekunde wurde eine ausreichende Ergiebigkeit der Bohrung gemessen.

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Sorge bereitete der GKT allerdings die niedrige Thermalwassertemperatur. Am Bohrlochkopf wurden 106 Grad Celsius gemessen, daraus wurde eine langfristige Temperaturerwartung von etwa 115 bis 118 Grad prognostiziert. Diese Werte liegen allerdings unter den erwarteten 130 Grad, was bedeutet, dass das Kraftwerk deutlich kleiner gebaut werden muss und dadurch weniger Strom erzeugt werden kann. Die Fernwärmeauskoppelung ist davon aber nicht betroffen.

Der Technische Leiter der Traunreuter Stadtwerke Franz Hagenauer ist guter Dinge, dass auch die zweite Bohrung erfolgreich verlaufen wird und im Mai/Juni mit dem Bau einer rund 700 Meter langen Fernwärme-Hauptverbindungsleitung begonnen werden kann. Wie Hagenauer in einem Gespräch dem Traunsteiner Tagblatt sagte, liege die Vorplanung bereits fertig in der Schublade. Sobald die Fündigkeit der zweiten Bohrung gegeben sei, mit der Ende März Anfang April zu rechnen sei, sollen die Arbeiten für das knapp drei Millionen Euro teurere Gesamtprojekt ausgeschrieben werden.

Zeitgleich mit dem Bau der Hauptverbindungsleitung wird auf der Bohrstelle eine Netzpumpenstation gebaut. Die Kosten für die Netzpumpenstation teilen sich die GKT und die Stadtwerke. Nach Angaben Hagenauers sei vertraglich festgelegt worden, dass das Gebäude von der GKT errichtet werde und das »Innenleben«, die Mess- und Regeltechnik, Prozessleittechnik usw., Angelegenheit der Stadtwerke sei.

Hauptversorgungsleitung in etwa ein Meter Tiefe

Von dieser Station aus wird dann entlang der Staatsstraße (Waginger Straße), Theodor-Körner-Straße, Kantstraße, Schillerstraße bis zur Anschlussstelle in der Hans-Böckler-Straße in etwa einem Meter Tiefe die Hauptversorgungsleitung verlegt. Über dieses Rohrleitungssystem wird das heiße Wasser zu den Fernwärme-Kunden transportiert, gelangt dann abgekühlt über eine Rücklaufleitung wieder zum Geothermiekraftwerk und dann in die Erde zurück. Die Stahlrohre haben einen Durchmesser von 200 Millimeter und sollen die nächsten fünf Jahrzehnte überdauern. Hagenauer: »Die halten sicher 50 Jahre.«

Wie Hagenauer weiter einräumte, sei das Interesse der an der Trasse liegenden Anwohner groß, an das Fernwärmenetz anzuschließen. »Die Anlieger werden zunächst von uns angeschrieben, und bei Interesse kommt dann ein Techniker der Stadtwerke vorbei und macht ein Angebot«, erklärte Hagenauer. Im Zuge des Leitungsbaus sollen auf der Trasse auch schadhafte Kanäle und Wasserleitungen saniert werden.

Wie lange sich die Bauarbeiten, die in der Kernstadt erneut Verkehrsbeeinträchtigungen hervorrufen werden, hinziehen werden, darüber konnte Hagenauer noch nichts sagen. Fakt sei, dass mit dieser neuen Energie das bestehende Fernwärmenetz gesichert und verdichtet werden könne. Durch die zentrale, gemeinsame Erzeugung von Wärme durch Tiefengeothermie werde auch wertvolle Primärenergie eingespart und damit die CO2-Emissionen deutlich reduziert. Für eine Stadt in der Größenordnung von Traunreut sei dies sehr wichtig, betonte Hagenauer.

Firma Heidenhain als größter Industrie-Kunde

In der Stadt Traunreut werden derzeit rund 3000 Wohneinheiten mit umweltfreundlicher Wärme versorgt. Zu den größten Kunden bei der Industrie zählt die Firma Heidenhain. Ebenso an das Fernwärmenetz angeschlossen sind städtische Gebäude, Schulen und Gewerbebetriebe. Die Wärmeeinspeisung erfolgt aus dem Biomasseheizwerk und Biomasseheizkraftwerk der STEAG New Energies GmbH auf dem Betriebsgelände der BSH Herdefabrik Traunreut. Den Reserve- und Spitzenbedarf decken die drei eigenen Heizzentralen der Stadtwerke ab. 2014 ist davon auszugehen, dass die Hälfte des Wärmebedarfs dann über die Geothermie abgedeckt werden kann. ga