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Ein Ort zum Innehalten

Seeon-Seebruck. Entlang der neu ausgebauten Seestraße in Seeon, dort, wo der Blick auf das Kloster Seeon am Schönsten ist, lädt jetzt ein Flurkreuz zum Innehalten ein. Eine Sitzbank ergänzt das Ensemble. »Die Leute bleiben stehen und betrachten das Kreuz fast andächtig«, beobachtete Dr. Werner Pieper, der das Wegkreuz der Gemeinde zur Verfügung gestellt hat.

Das Flurkreuz an der neu ausgebauten Seestraße in Seeon soll die Passanten und Autofahrer auf ihren Weg begleiten. Das Kunstwerk stammt von Willi Walser, einem Hobby-Schnitzer aus der Schweiz. (Foto: Rasch)

In so einer traumhaften Gegend leben zu dürfen, sei Grund genug, der Gemeinde etwas zurückzugeben, sagte Dr. Werner Pieper bei der Weihe des Wegkreuzes im Rahmen der Wiedereröffnung der Ortsdurchfahrt (wir berichteten). Dr. Pieper hatte das Kreuz von Willy Walser, einem befreundeten Hobby-Holzschnitzer aus der Schweiz, gekauft. »Meine Frau und ich haben das Kreuz gesehen und spontan entschieden, das spenden wir«, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt.

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Der Künstler selbst, der eigens zur Präsentation aus dem Tessin angereist war, war begeistert von dem Platz, der für sein Kunstwerk ausgewählt wurde. »Es ist mir eine Ehre und Freude, dass mein Kreuz so einen schönen Platz bekommen hat«, sagte der 83-Jährige, der seit sieben Jahren diesem Hobby mit Begeisterung nachgeht. »Möge dieses Kreuz alle Passanten auf ihren Weg begleiten.« Dass das Kreuz an der Seestraße aufgestellt wird, war zunächst nicht vorgesehen. Im Gespräch mit dem ehemaligen Kurat auf der Fraueninsel, Dr. Lothar Katz, der den Friedhof bei der Walburgiskirche in Seeon als Standort für das Kreuz in Erwägung gezogen hatte, schlug Bürgermeister Konrad Glück den Platz an der Seestraße vor. Glück: »Alle Beteiligten waren mit dem Vorschlag einverstanden.« Die schmiedeeisernen Arbeiten und die Halterung des schlichten Kreuzes übernahm Schmiedemeister Anton Kaiser aus Truchtlaching.

Den Flurdenkmälern wird in der historisch geprägten Chiemsee-Gemeinde grundsätzlich eine große Bedeutung beigemessen. Der Heimat- und Geschichtsverein Bedaium Seebruck hat den Flurdenkmälern vor rund drei Jahren sogar eine Sonderausstellung gewidmet. Die Ausstellung mit dem Titel »Flurdenkmale als Zeichen der Volksfrömmigkeit«, zeigte einen synoptischen Vergleich des Gesamtbestandes aus den Jahren 1975 und 2010. Im Gemeindegebiet gab es zum Zeitpunkt der Ausstellung 68 Feldkreuze und diverse Bildstöcke.

Mit dem neuen Feldkreuz in Seeon ist jetzt ein weiteres Wegzeichen dazugekommen, das es ebenso zu schützen gilt, wie den gesamten vorhandenen Bestand. Leichtsinn und Unachtsamkeit hatten dem Bestand in den vergangenen 50 Jahren starken Schaden zugefügt. Schätzungen zufolge sind ein Viertel aller Flurdenkmäler zerstört, gestohlen, verkauft, dem Straßenbau oder der maschinengerechten landwirtschaftlichen Produktionsweise zum Opfer gefallen. ga