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Ein Monat Nordumfahrung: »Wir hören fast nichts mehr!«

Traunstein. Genau seit einem Monat rollt der Verkehr auf der neuen Nordumfahrung von Traunstein. Für viele ist das ein Segen. Peter Zeiser aus Hufschlag zum Beispiel hatte den Verkehr jahrzehntelang vor der Nase; er und seine Frau wohnen am oberen Ende des Hallabrucker Bergs, direkt an der Straße. »Wir hören jetzt fast nichts mehr«, sagt der 65-Jährige.

Seit einem Monat ist alles anders vor der Haustür von Peter Zeiser: Der Verkehr hat deutlich abgenommen.

1974 haben die Zeisers ihr Haus gebaut, direkt an die Waginger Straße. Damals ahnten sie noch nicht, wie der Verkehr in den nächsten Jahrzehnten zunehmen würde. »In den letzten Jahren ist es wirklich schlimm gewesen«, erzählt Peter Zeiser im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Wir sind fast nicht mehr über die Straße zum Gehweg gekommen.«

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Zum Schluss habe er die Öffnung der Nordumfahrung »fast nicht mehr erwarten können«, erinnert sich Peter Zeiser. Oft sei er auf die Baustelle gefahren, habe geschaut, wie es dort vorangeht. Die große Eröffnungsfeier am Tag vor der Verkehrsfreigabe ließ er sich nicht entgehen. »Natürlich sind wir dabei gewesen, und wir haben auch alle unsere Nachbarn getroffen.«

Kein Stau mehr vor der Haustür

Der 8. Dezember 2012 hat ihnen allen eine große Last von den Schultern genommen: den Straßenlärm vor der Hautür. »Wenn wir auf der Terrasse saßen, dann konnten wir uns nicht in einer normalen Lautstärke unterhalten, sondern mussten immer laut reden«, erzählt Peter Zeiser. Da sein Haus genau am oberen Ende des Hallabrucker Bergs liegt, hätten die Autos, die hinunterfuhren, immer direkt auf der Höhe seines Anwesens gebremst. »Und dann erst die Lastwagen. . .«, fährt Peter Zeiser fort, ohne den Satz zu Ende zu bringen.

Seit einem Monat ist alles anders vor der Haustür des 65-Jährigen. Das Verkehrsaufkommen hat merklich abgenommen. »Es ist toll. Die Autos, die jetzt noch fahren, hören wir kaum«, erzählt der Rentner. Endlich haben er und seine Frau morgens keinen Stau mehr vor der Tür und keine Lastwagen, die nur im Schneckentempo aneinander vorbeikommen, weil die Straße für beide zu eng ist.

Was dem Rentner aber aufgefallen ist: Einige Autofahrer, die von Traunstein nach Waging wollen, benutzen nach wie vor die alte Strecke. Eine Aussage, die Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke nicht verwundert. »Es dauert seine Zeit, bis sich das Verkehrsverhalten endgültig einpendelt«, glaubt das Stadtoberhaupt; er rechnet mit ein bis eineinhalb Jahren.

Kösterke hat zum Beispiel auch beobachtet, dass viele Autofahrer die beiden Bypässe am neuen Kreisverkehr in Heilig Geist noch links liegen lassen. »Viele fahren in den Kreisverkehr ein, obwohl das nicht nötig wäre«, so der Rathauschef. Doch er ist zuversichtlich: »Das muss sich noch einspielen.«

Im vergangenen Monat hat er von Bürgern nur positive Rückmeldungen bekommen: Die morgendlichen Staus aus Richtung Waging gehören der Vergangenheit an, Anwohner der Salinen- und Schützenstraße hätten ihm versichert, dass gerade der Lastwagenverkehr deutlich abgenommen habe. »Die Leute haben mir bestätigt, dass sie viel mehr Ruhe haben.«

»Da heroben hat es immer gestunken...«

Bislang sind das oft nur subjektive Wahrnehmungen. Im April sollen erstmals Zahlen sprechen. Dann plant die Stadt eine Verkehrszählung rund um die Wegscheidbrücke. »Wir wollen sehen, ob und wie sich die Nordumfahrung dort auswirkt«, so Kösterke. Vergleichszahlen vom April 2011 lägen der Stadt vor.

Keine Zahlen braucht Markus Haberlander, um zu wissen, dass der Straßenlärm vor seiner Haustür deutlich abgenommen hat. Der 43-Jährige lebt mit seiner Familie in Hufschlag, unmittelbar an der Waginger Straße. »Wir spüren das merklich«, sagt er und schätzt, dass sich das Verkehrsaufkommen halbiert hat. »Jetzt ist es total staad«, sagt er. Endlich würden die morgendlichen Staus der Vergangenheit angehören. »Da hat es da heroben immer gestunken...«

Doch der Gestank war nicht alles: Wenn der Familienvater morgens zur Arbeit in die Stadt wollte, hätte er eigentlich links in die Waginger Straße einbiegen müssen – oftmals war das aber ein Ding der Unmöglichkeit. »Ich bin dann rechts abgebogen und über Ettendorf gefahren. Da war ich schneller.«

Jetzt kann es sich Markus Haberlander aussuchen, wie er fahren will. Und überhaupt: Die neue Nordumfahrung, sagt er, habe ihm und seiner Familie mehr Lebensqualität beschert. »Ich freue mich schon auf den nächsten Sommer auf der Terrasse.« san