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»Ehestreik« sorgt für Tumult im Dorf

Waging am See. Schadenfreude ist doch immer noch die schönste Freude. Wer insgeheim ahnt, dass er daheim doch ein ganz klein bisschen unter dem Pantoffel steht, lacht möglicherweise bei dem vergnüglichen Theaterstück »Der Ehestreik« des Theatervereins Otting am meisten. Die Männer allabends beim Wirt, sie allein daheim – das missfällt den Damen des Dorfes umso mehr, als beim Bärenwirt die fesche Kellnerin Hanni (die im Stück allerdings nicht auftaucht) den Herren der Schöpfung gewaltig den Kopf verdreht.

Die Frau Bürgermeister (Monika Baderhuber, Mitte) überzeugt Austragsbäuerin Annamirl (Maria Thaler, links) und Pepi (Sabine Zahnbrecher), sich am »Ehestreik« zu beteiligen. (Foto: H. Eder)

90 Jahre ist das Stück alt, das aus der Feder eines Julius Pohl stammt – und, wie man bei der Premiere im vollen Saal beim Oberwirt in Otting erleben durfte, hat sich das Männlein-Weiblein-Schema in all diesen Jahren nicht so wirklich grundlegend verändert. Ob oder wie der Ehestreik der Damen in dem Theaterstück erfolgreich war oder nicht: Das soll hier natürlich nicht verraten werden. Turbulent aber ging es auf jeden Fall zu.

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So war das Ganze eine rechte Gaudi für die Premieren-Besucher. Dazu trug ganz wesentlich die »alte Generation« bei, vor allem in der Person von Herbert Fuchs, der als alter, aber vor Torheit dennoch nicht ganz gefeiter Ehemann für einen Lacherfolg nach dem anderen sorgte. Er als »Schmiedvater« und neben ihm »seine Frau Annamirl« – sehr überzeugend: Maria Thaler – waren allein schon sichere Garanten für einen lustigen Abend.

Die anfängliche Idylle, an der auch die junge Generation teilhatte (Max Poschner als Jockl und Sabine Zahnbrecher als seine Frau Pepi), wurde jäh unterbrochen, als die Frau Bürgermeisterin (Monika Baderhuber als richtiger »Drache«) alle Häuser aufsuchte und ihr ganzes moralisches Gewicht in die Waagschale warf, um alles aus dem Weg zu räumen, was »die eheliche Treue« gefährden könnte – vor allem die Hanni vom Bärenwirt. Nach anfänglichem Zögern, aber zusätzlich befeuert durch ihre Männer, die sich das Wirtshausgehen nicht so ohne Weiteres verbieten ließen, unterschrieben die Damen des Dorfes alle einen Aufruf, das den Wirt auffordern sollte, seiner Kellnerin samt ihren unanständigen Liedern zu kündigen.

Da gab's dann unterhaltsame Krisensitzungen, zu denen auch der Pfarrer (Thomas Baderhuber) zugezogen wurde, der sich dabei aber sichtlich nicht so ganz wohl in seiner Haut fühlte, ist doch immerhin »der Mann das Haupt des Weibes«. Aber nach einigen Stamperln waren alle Bedenken ausgeräumt, die des Pfarrers immerhin ignoriert, der »Ehestreik« ward beschlossen: »Wir lassen sie zappeln, da haben wir eine Macht in der Hand. Bis sie reumütig zu Kreuze gekrochen kommen.«

Das mit dem reumütigen Zu-Kreuze-Kriechen allerdings funktionierte nicht so ganz reibungslos. Denn während die zwei braven Mannsbilder vom Schmied-Hof, der Bartl und sein Sohn Jockl folgsam auf der Tisch- beziehungsweise Ofenbank ihre Nachtquartiere bezogen, nachdem sie aus den ehelichen Schlafzimmern ausgesperrt worden waren, gab es andere, die sich das weiß Gott nicht gefallen ließen.

Allmählich gab es dann Gerüchte, die die Frau Bürgermeisterin arg in Verlegenheit brachten. Bis dann das schier unfassbare Geschehen ans Tageslicht kam. Das allgemeine Entsetzen darüber wurde in allen Häusern diskutiert, und schließlich kam es sogar zu Handgreiflichkeiten.

Nach all der Aufregung dauerte es dann ein ganzes Weilchen, ehe sich alle wieder beruhigt hatten, ehe alle Nachwirkungen, auch die des »Ehestreiks«, überwunden waren. Aber all denen, die das mögen, sei versichert, es gibt ein Happy End. Und von Regisseur Sepp Thaler nachgereicht wurde die Moral von der Geschicht' und die Lehre aus dem Theaterstück: »Frauen, losst's eure Manner ins Wirtshaus, dann habt's an Frieden dahoam!«

Wer sich diese Gaudi vor dem Hintergrund des ewigen Kampfes der Geschlechter nicht entgehen lassen will, der hat noch drei Mal die Gelegenheit, das Stück zu sehen: am heutigen Samstag um 20   Uhr, am morgigen Sonntag um 19 Uhr und am Mittwoch um 20 Uhr. he