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Duo aus Unterwössen gewann Elektroauto-Rallye

Die E-Miglia ist eine offene Straßenrallye, an der jeder teilnehmen kann, soweit er einen gültigen Führerschein und ein zugelassenes elektrisch betriebenes Fahrzeug besitzt. 19   Fahrzeuge, darunter auch Motorräder und Trikes, standen heuer in München am Start. Das Ziel von Veranstalter und Teilnehmern: zu zeigen, wie konkurrenz- und leistungsfähig elektrische Fahrzeugantriebe sind. Große Marken gingen mit BMW Mini E, Lampo 3, Mercedes E-Cell, Nissan Leaf, Peugeot iON, Tesla Roadster, TWIKE Active, Zerotracer, Zero Motorcycle an den Start, und einen großen Aufwand betrieben gerade die Werksteams für den Erfolg ihrer Marke.

800 Kilometer und 1700 Höhenmeter

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Elektromeister Hans Haslreiter aus Unterwössen, Inhaber eines Unternehmens für Solaranlagen, hatte sich im April dieses Jahres den Tesla Roadster gekauft. Dieser allein mit Strom angetriebene Sportwagen aus den USA hatte aufgrund seines Elektroantriebes und der Motorleistungen international für Aufsehen gesorgt. Kurz vor Meldeschluss erfuhr Haslreiter aus der Branchen-Korrespondenz von diesem besonderen Rennen. Nachdem er sich im Internet weiter informiert hatte, wollte er gern einmal mitmachen. Schnell war seine Frau als Copilotin gewonnen, nicht ahnend, dass sie unmittelbar vor dem Rennen wegen Krankheit ausfallen würde. Ihr Sohn, der 22-jährige Fahrzeug- und Maschinenbaustudent Wolfgang Schöner, sprang unmittelbar vor dem Wettbewerb ein. Eine Stunde Testfahrt absolvierte das Team Haslreiter / Schöner. Dann wurde es ernst.

800 Kilometer an vier Tagen, vier Pässe mit 1700 Höhenmetern lagen vor den Fahrern. Temperatursprünge von 32   Grad Celsius in Norditalien bis um die zehn Grad auf den Gipfeln waren auszuhalten, weil die Klimaanlage und Heizung das Stromkonto belastet hätten. Gefragt waren in dieser Rallye Fingerspitzen- oder besser Pogefühl, denn vor allem kam es auf die gleichmäßige Fahrweise und den vorsichtigen Umgang mit dem Batteriestrom an. Für die Fahrtabschnitte wurden Sollfahrzeiten vorgegeben. Wer zu früh dran war, büßte pro angefangene Minute mit einer Strafzeit von 30 Minuten, wer die Fahrzeit überschritt, bekam pro angefangene Minute Zeitüberschreitung zehn Minuten als Strafzeit auferlegt.

Glück bei der Einschätzung des Fahrzeugverkehrs auf den vor ihm liegenden Strecken und einen Copiloten – wie sich erwies – der Sonderklasse brauchte es. Wolfgang Schöner mit dem vom Veranstalter ausgegebenen Roadbook auf den Knien und drei Stoppuhren hielt bei jeder Kurvenlage die Übersicht, wenn der Tesla wie auf Schienen die Pässe hinauf stürmte.

Im Prolog ging es am ersten Tag von München nach Rosenheim. Am nächsten Morgen führte die Route nach Salzburg und am Nachmittag wurde das Tagesziel Kilometer Null der Großglockner Hochalpenstraße in Bruck erreicht. Am nächsten Tag führte die Etappe bis ins italienische Bozen. Besonderen Fahrspaß brachten in diesen Tagen die eingestreuten Sonderprüfungen auf teilweise abgesperrten Strecken. Nachts und in den Mittagspausen, saugten sich die Fahrzeuge an den Steckdosen des geschlossenen Fuhrparks die Akkus voll.

Zügig einen schönen Vorsprung erarbeitet

Hatte vorher noch keines der Teams die Außenseiter Haslreiter / Schöner auf der Rechnung, wurde den Konkurrenten jetzt zum dritten Tag bewusst, dass sich die beiden insbesondere auf der Strecke nach Salzburg gegenüber den etablierten Teams einen schönen Vorsprung erarbeitet hatten. Von nun an mussten die beiden eine ungeheure Publizität durch die Medien, eine Kamerabestückung ihres Fahrzeuges und ein besonderes Augenmerk der Konkurrenz »ertragen«.

Dem eigenen Lampenfieber tat das nicht gut. Dabei durfte jetzt nichts mehr schief gehen. Aber auch auf der dritten Etappe in den Schweizer Engadin konnten sich die beiden Chiemgauer der Konkurrenz erwehren. Und dann ging es in die alles entscheidende letzte Etappe. Und tatsächlich behielten die Amateure Haslreiter / Schöner die Nase vorn.

Auf die Frage nach ihrem Erfolgsrezept antwortet Hans Haslreiter: Das Wichtigste bei einer fünftägigen, anspruchsvollen Elektro-Rallye ist das Teamplay, das Zusammenspiel von Beifahrer, Fahrer und Fahrzeugtechnik.« lukk