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Dokumentation nach zwei Jahren Recherche vorgestellt

Reit im Winkl. Beim oberflächlichen Durchblättern fühlt sich der Leser in eine Zeit versetzt, die längst vergangen und vergessen scheint, doch bei genauerer Betrachtung ist die Bedeutung und Gegenwärtigkeit der kulturhistorischen Thematik an vielen Stellen bis in diese Tage zu spüren: Franz Höflinger, einstiger Geschäftsleitender Beamter im Reit im Winkler Rathaus hat vor kurzem eine 140-seitige Dokumentation vorgelegt mit dem ebenso schlichten wie pragmatischen Titel: »Die Reit im Winkler Sägewerke«.

Darin spürt er einem Erwerbszweig nach, der über einhundert Jahre in dem Bergort und auch in vielen Nachbargemeinden von größter wirtschaftlicher Bedeutung war, der aber fast zur Gänze verschwunden ist: Der Holzverarbeitung mit insgesamt 15 verschiedenen Sägewerken in Reit im Winkl.

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Geerbt hat Franz Höflinger seine Leidenschaft für geschichtliche Themen von seinem Vater Hans, der sich zu Lebzeiten als akribischer Dorfchronist verdient gemacht hatte. In seiner Eigenschaft als Forstmeister hatte er umfassenden Einblick in die Holzwirtschaft, welche Holzmengen beispielsweise regelmäßig verarbeitet wurden. Darüber verfasste er schon 1969 einen umfangreichen Bericht für das Traunsteiner Tagblatt.

Genau dieser Bericht war Franz Höflinger in die Hände gefallen und bewegte ihn dazu, dieses Thema intensiv aufzuarbeiten. Zwei Jahre nahm er sich dafür Zeit. Allein 25 Mal reiste er für seine Nachforschungen ans Staatsarchiv nach München, wo er allgemeine Unterlagen wie Genehmigungsdokumente und diverse Pläne aufstöberte. Konkrete Materialien über die einzelnen Sägewerke vor Ort erhielt er aber anlässlich vieler Besuche bei den Nachfahren einstiger Sägewerksbesitzer und -gründer, die bereitwillig ihre Fotoalben und Familienordner öffneten.

»Ich habe hier überall Unterstützung erhalten«, erzählt Höflinger, der auch maßgeblich an der Reit im Winkler Dorfchronik mitgearbeitet hatte und Mitglied im Geschichtsverein Achental ist. »Die Leute waren sehr entgegenkommend und überaus hilfsbereit.« Viele der Bilder von stattlichen und stolzen Sägewerksbesitzern entstammen diesen Familienchroniken. Angereichert ist die Dokumentation aber auch mit verschiedensten Plänen, mit Zeitungsartikeln, Statistiken, Bauplänen, Fotos von der Holzbringung, von den technischen Einrichtungen und Maschinen, vom teils recht beschwerlichen Holztransport.

Etwa zu einem Drittel der kurzweilig verfassten und überaus informationsreichen Dokumentation widmet sich Höflinger der allgemeinen Entwicklung der Sägewerke: Vom anfänglichen Betrieb mit Wasserkraft und der technischen Weiterentwicklung mittels Dampfmaschinen bis zur allmählichen Elektrifizierung. Die übrigen zwei Drittel beschäftigen sich mit den örtlichen Sägewerken, der anno 1721 ersten urkundlich erwähnten Penzmüllersäge, der Entfeldmüllersäge, der Lehrbergersäge, der Hambergersäge, die wie etliche andere auch an ausgelagerten Ortsteilen wie Seegatterl situiert waren.

Die Holzwirtschaft ist für die Historie der Berggemeinde Reit im Winkl von fundamentaler Bedeutung; einem Teilaspekt dieser Tatsache gibt Franz Höflinger mit der Dokumentation »Die Reit im Winkler Sägerwerke« würdige und angemessene Anerkennung. Diesen Eindruck teilen offenbar auch viele Interessierte: Rund 200 Stück der 300 Exemplare zählenden Auflage sind bereits vergriffen. ost