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Wieder Ärger bei der Wohnbaugenossenschaft Haidforst – Vorstandsmitglieder wurden alle bestätigt

»Die Wahlen waren nicht manipuliert«

Traunstein – Ein großer Andrang herrschte bei der Mitgliederversammlung der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Haidforst, zu der die Presse nicht zugelassen war.

Mit Plakaten machten Mitglieder der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Haidforst im Oktober auf Missstände aufmerksam.

Dabei steht ein schwerer Vorwurf im Raum: Mehrere Mitglieder haben beobachtet, wie ein Vorstandsmitglied von Tisch zu Tisch gegangen sein soll und den älteren Mitgliedern erklärt haben soll, wo sie ihr Kreuzchen machen müssen. Vorstandsvorsitzender Uwe Wieteck betonte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Die Wahlen waren nicht manipuliert.« Es sei höchstens eine Hilfestellung geleistet worden.

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Bei der turnusmäßig anstehenden Neuwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Hans Pagatsch mit großer Mehrheit wiedergewählt. Neu im Vorstand ist Claudia Hackl. Sie beerbt Karl-Heinz Blank, der aus familiären Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Für das ebenfalls freiwillig ausgeschiedene Aufsichtsratsmitglied Andreas Farkas rückte Georg Aigner nach, ein Vertreter der Interessensgemeinschaft.

Der Versuch dieser, den Vorstand bei einer anschließenden außerordentlichen Mitgliederversammlung abzuwählen, scheiterte. Laut Satzung hätten 75 Prozent der rund 200 anwesenden Stimmberechtigten gegen die jeweiligen Vorstandsmitglieder votieren müssen. Das war nicht der Fall, sie wurden mit deutlicher Mehrheit bestätigt.

»Das Ganze war utopisch«

»Das Ganze war utopisch und eigentlich von vorne herein zum Scheitern verurteilt«, sagte ein Mitglied der Interessensgemeinschaft, das lieber anonym bleiben möchte. »Trotzdem haben wir es versucht. Ich frage mich allerdings schon, wieso hier nicht die einfache Mehrheit reicht? Das ist schon etwas pikant.«

Vorstandsvorsitzender Uwe Wieteck betonte auf unsere Nachfrage, dass dies bei allen Genossenschaften so gehandhabt werde. »Das ist nichts Traunstein-spezifisches. Damit möchte man eine Übernahme von Genossenschaften erschweren.«

Zu dem Vorwurf, dass ein Vorstandsmitglied von Tisch zu Tisch gegangen sein soll und den älteren Mitgliedern gesagt haben soll, wo sie ihr Kreuzchen machen müssen, sagte Uwe Wieteck: »Die Wahlen waren nicht manipuliert. Die Stimmzettel waren eindeutig beschriftet und ließen den Gegenstand der Abstimmung jeweils erkennen.« Es seien lediglich Fragen von Mitgliedern beantwortet worden. Kein Vorstand oder Aufsichtsrat habe allerdings Mitglieder bei der Stimmabgabe manipuliert. Es sei bei Nachfragen erklärt worden, welche Möglichkeiten es bei der jeweiligen Abstimmung gebe. »Dies ist eine Hilfestellung, aber keine Manipulation in irgend eine Richtung«, betonte Uwe Wieteck.

Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung hatte die Versammlung am Freitag in der Aula der Berufsschule begonnen. Es waren rund 200 Mitglieder gekommen, üblich waren in den vergangenen Jahren 60 bis 70 Mitglieder. Empfangen wurden die Mieter am Eingang von zwei Security-Leuten.

»Das ist doch nicht normal. Wir sind eine Genossenschaft!«, beschrieb eine Versammlungsteilnehmerin die Stimmung. »Ich hatte schon etwas das Gefühl, dass die Mitglieder dadurch eingeschüchtert waren. Wir haben ja ganz viele alte Leute«, ergänzte sie. Außerdem habe es keine Möglichkeit gegeben, Wünsche und Anfragen zu äußern, der Punkt sei aus Zeitgründen gestrichen worden. »Eine Diskussion war so nicht möglich«, kritisierte sie. Deshalb sei die Versammlung im Großen und Ganzen auch sehr ruhig verlaufen.

Zufriedenstellendes Geschäftsjahr

Von einem »zufriedenstellenden Geschäftsjahr« berichteten Vorstandsvorsitzender Uwe Wieteck. Der Jahresüberschuss von 242 400 Euro sei hier nur ein äußeres Zeichen. »Die Vermögens- und Kapitalstruktur sowie die Ertragslage der Genossenschaft sind weiter geordnet«, betonte er bei der Versammlung. Dabei sei die deutliche Steigerung der Bilanzsumme um rund 293 800 Euro – das seien 2,2 Prozent – vorwiegend auf die Investitionen in den Neubau Watzmannstraße 6 bis 8 zurückzuführen. Im vergangenen Jahr seien 710 000 Euro in die Wohnungsmodernisierung gesteckt worden. Die Bilanzsumme im Jahr 2016 habe 13,6 Millionen Euro betragen bei einer Eigenkapitalquote von 34,4 Prozent.

In Bezug auf den viel kritisierten Leerstand in der Genossenschaft (wir berichteten), sagte Vorstandsvorsitzender Uwe Wieteck, dass es derzeit viele sanierungsbedürftige Wohnungen gebe. »Bei der Sanierung haben größere Wohnungen Priorität. Die Sanierung der aktuell leerstehenden Wohnungen in den ältesten Häusern musste aus bautechnischen Gründen zurückgestellt werden. Nach Arbeitsbeginn des Bautechnikers wird ein Sanierungskonzept auch im Altbestand umgesetzt, abgerissen wird nicht«, betonte er.

Einen Geschäftsführer hat die Genossenschaft immer noch nicht. Es habe einen vielsagenden Bewerber von einer Genossenschaft aus Hamburg gegeben, der eigentlich im Oktober hätte anfangen sollen, so Uwe Wieteck auf unsere Nachfrage: »Leider hat er es sich anders überlegt und ist wieder abgesprungen«, so der Vorstandsvorsitzende. »Jetzt suchen wir wieder.« KR