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Der Zellerbauern-Kaser soll kultureller Treffpunkt werden

Ruhpolding. »Do hob i 's Kreizzeichen g'macht, weil's jetzt für die nächsten 30 Jahr dicht is«, sagt Ortsheimatpfleger Franz Ringsgwandl erleichtert. Zusammen mit weiteren Helfern hat er in mühevoller Arbeit das Holzschindel-Dach des Zellerbauern-Kasers im Schwarzachengebiet wieder hergerichtet. Recht vielen Wintern in dem schneereichen Gebiet hätte das Dach seiner Einschätzung nach auch nicht mehr Stand gehalten.

Wichtig war die Eindeckung des Holzschindeldachs des Zellerbauern-Kasers noch vor Einbruch des Winters.

Das Schwarzachengebiet lockte wegen seines Wildreichtums schon im 16. Jahrhundert die Wittelsbacher zur Jagd. Überregionale Bekanntheit erreichte es 1835, als dort der (vor Bruno) letzte Bär Bayerns, wahrscheinlich sogar ganz Deutschlands erlegt wurde. Auch heute zählt es zu den beliebtesten Almgebieten im Umkreis, denn es ist relativ leicht zu Fuß oder per Rad zu erreichen. Drei von ehemals vier Kasern (von lateinisch Casa = Haus) sind heute noch erhalten.

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Bewegte Geschichte des Zellerbauern-Kasers

Die Alm des Vorder-Hutzenauers ist verpachtet, der 1983 in Holzblockbauweise neu gebaute Plenker-Kaser wird im Sommer vom Ehepaar Gruttauer bewirtschaftet. Als Berechtigungsalmen sind sie im Besitz des Freistaats Bayern und werden von den Bayerischen Staatsforsten den Landwirten als Sommerweide für ihr Vieh zur Verfügung gestellt. Diese Weiderechte, die auf den jeweiligen Hof verbrieft sind, gelten schon seit Jahrhunderten und begründeten auf diese Weise die Almwirtschaft. Der Zellerbauern-Kaser hat im Gegensatz zu seinen beiden Nachbar-Kasern in den vergangenen fünf Jahrzehnten einiges über sich ergehen lassen müssen (siehe Kasten). 1960, nachdem kein Hoferbe da war, kaufte die Gemeinde Ruhpolding den Zellerbauernhof in Zell samt der Weiderechte, die sie nie in Anspruch nahm. Um aber den Kaser weiter nutzen zu können, schloss die Gemeinde nun mit dem Staatsforst einen längerfristigen Pachtvertrag mit der Vorgabe, für den Erhalt des Gebäudes zu sorgen.

Seit einigen Jahren kümmert sich nun Ortsheimatpfleger Franz Ringsgwandl mit viel Herzblut um den Kaser, dessen zunehmender Verfall ihm schon länger ein Dorn im Auge war. Und so krempelte er mit einigen Helfern die Ärmel hoch, um Stück für Stück die Schäden zu reparieren. Wichtigstes Unterfangen war das Holzschindeldach. Mit minimalem Budget ausgestattet, wurde es auf mehrere Etappen hergerichtet.

Als die zweite Dachfläche heuer im Lauf des Sommers endlich mit neuen Zedernschindeln in dreifacher Überdeckung und traditionell mit Schwerstangen und Steinen eingedeckt war, fiel dem Zimmerermeister und Bautechniker im Ruhestand ein Stein vom Herzen. Freilich wären ihm die teureren Fichten- oder gar Lärchenschindeln lieber gewesen, aber die Mehrkosten waren nicht drin. Den noch brauchbaren Rest montierten Ringsgwandl und seine Mitstreiter als schützenden Wettermantel an die Fassade.

»Wir haben alle ehrenamtlich gewerkelt«, stellt der mittlerweile 76-Jährige fest, und die meisten Arbeiten wurden traditionell mit manuellem Werkzeug wie Handsägen, Hacken und Hammer erledigt. Eine weitere Aufgabe war die Entrümpelung des Stalles, denn dort hatte sich über die Jahre hinweg einiges an Unrat angesammelt. Auch wurde die Zwischendecke entfernt, damit die Sicht auf das Schindeldach frei ist.

Gut die Hälfte der Dielenbretter erneuert

Viel Zeit nahm auch der rustikale Fußboden mit seinen 60 Millimeter starken Dielen in Anspruch, wobei gut die Hälfte der Bretter erneuert werden musste. Nächstes Jahr steht die Tieferlegung des lärchenen Bodenlagers an, um noch mehr Platz zu gewinnen. Auf beiden Seiten des Stalls wurde unter dem Dach eine mit Brettern verschalte »Bi« eingebaut, die zusätzlichen Stauraum bietet.

Den wird er künftig auch brauchen, wenn sein langgehegter Wunsch in Erfüllung geht: der Zellerbauern-Kaser soll nach seinen Vorstellungen möglichst schon im nächsten Jahr zu einem kulturellen Treffpunkt werden. Dazu sind Ausstellungen und Vorträge im Bereich Geschichte, Brauchtum, Natur, Arbeits- und Almleben ebenso wie Volksmusikveranstaltungen geplant. ls