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»Der Schock sitzt tief«

Traunstein. Für großen Wirbel sorgte der Beschluss des Kreisausschusses zur neuen Sportanlage im Ortsteil Empfing und dem Bau eines neuen Funktionsgebäudes für über 400 000 Euro beim Traunsteiner Tennisclub (TCT) (wir berichteten). »Der Schock nach dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten Jens Leistikow sitzt noch tief, die Enttäuschung über den Beschluss des Kreisausschusses ebenso«, erklärt TCT-Pressesprecher Heiner Effern in einer Pressemitteilung.

Trotzdem hat der Verein nun begonnen, nach Lösungen für die Zukunft zu suchen. Personell ist vorerst eine gefunden: Bis zur Neuwahl im April wird der bisherige Stellvertreter Alex Reitzenstein den Verein leiten, ihm zur Seite wird als Vize Benni Weigl stehen. Als Kassier springt für den ebenfalls zurückgetretenen Csaba Szabo in den kommenden Monaten Peter Kantschuster ein.

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»Für die Situation als momentan isolierter Verein zwischen zwei neuen Sportanlagen links und rechts der Traun gibt es dagegen noch keine Lösung«, so Pressesprecher Effern. Zur Erinnerung: Der Tennisverein hatte sein Gebäude zur kostenlosen Nutzung angeboten, das für die neue Sportanlage hätte teilsaniert und ausgebaut werden müssen. Der Kreisausschuss entschied sich jedoch für einen Neubau. Für Interims-Präsident Reitzenstein ist die Zurückweisung des TCT-Angebots nicht nachzuvollziehen.

»Uns hat beispielsweise sehr verwundert, dass die CSU dies mit Verweis auf die relativ hohen Investitionskosten getan hat«, so Reitzenstein. Für die Sanierung der Umkleiden und sanitären Einrichtungen errechneten Vertreter des Landkreises bei einer kleinen Lösung Kosten von etwa 25 000 Euro, bei einer Totalsanierung von etwa 75 000 Euro. »Da wäre bis 400 000 Euro noch viel Luft, etwa für Lagerräume, eine Lehrerumkleide oder einen barrierefreien Ausbau.«

»Unverständnis« hätte laut Pressesprecher Effern auch das zweite Hauptargument des Kreisausschusses gegen die TCT-Lösung hervorgerufen: die Hochwassergefahr. So will der Landkreis für die neue Leichtathletikanlage einen fast ein Meter hohen Schutz an der Grenze zum TCT bauen. »Uns wurde erklärt, dass sich die Lage für den Tennisverein schon nicht verschärfen wird«, so Effern. Für Reitzenstein passt das jedoch nicht zusammen: »Wir fürchten im Vorstand, dass unsere Anlage durch den Wall zum ESV-Gelände bei einem Hochwasser zu einem großen und vor allem tiefen Wasserbecken werden könnte.«

Die Enttäuschung über den Landkreis ist auch deshalb so groß, weil dieser seit Jahren die Anlage des Tennisvereins für den Schulsport nutzt. »Das Chiemgau-Gymnasium kann nach Absprache die Plätze nutzen, ohne dafür einen Cent bezahlen zu müssen«, erklärt Effern. »Wir haben das gerne gemacht. Das passt in unser Jugendkonzept, das wir seit mehr als zehn Jahren erfolgreich umsetzen«, ergänzt Reitzenstein.

Trotzdem will der TCT nun den Kopf nicht in den Sand stecken. Eine Kooperation oder gar Fusion mit dem neuen Nachbarverein sei momentan zwar nur schwer vorstellbar, aber nicht unmöglich.