weather-image
14°

Das Kleine ist oft von großer Bedeutung

Reit im Winkl. »Ich hätte nicht geglaubt, dass ich hier heroben so schnell eine Messe feiern darf«,« sagte Franz-Josef Bode zu Beginn der Bergmesse beim Almkirchtag auf der Winklmoosalm. Eigentlich ist Bode in Osnabrück beheimatet und wirkt dort seit 1995 als Bischof. Nachdem er dieser Tage aber erstmals seinen Urlaub im Ferienort Reit im Winkl verbringt und anlässlich eines kurzen Besuchs bei Ortspfarrer Johann Spiolek seine pastorale Mithilfe anbot, kamen die Priester überein, dass der 62-jährige Bode die Bergmesse auf der Winklmoosalm übernehmen könnte.

Bischof Franz-Josef Bode, derzeit auf Urlaub in Reit im Winkl, zelebrierte die Bergmesse beim Almkirchtag auf der Winklmoosalm. (Foto: Ostermaier)

Bischof Bode: »Vielen fehlt Zeit«

Anzeige

Vor vielen hundert Kirchgängern, einheimischen wie Gästen aus der nahen und fernen Umgebung, zelebrierte der Bischof die Messfeier vor dem Mariä-Himmelfahrt-Bergkirchlein. In seiner Ansprache beschrieb der Würdenträger eine der Bedeutungen der Heiligen Gottesmutter für die Gegenwart. Diese sah er darin, dass Maria gezeigt habe, wie tiefe, vertrauensvolle, ehrliche menschliche Nähe sein solle. Heutzutage dagegen, in unserer »Treffkultur«, sei es üblich, dass man auf vielerlei Weise Kontakt untereinander pflege, aber eine echte, tiefe Verbindung entstehe dabei kaum mehr: »Viele haben nicht mehr die Zeit, wirklich beieinander zu bleiben und sich ernsthaft auf andere einzulassen.« Dabei sei das Kleine auf dem Weg nach oben, zum Himmel oft viel hilfreicher »als das vermeintlich Große«.

Mit dem »Kleinen« meinte er aber auch bestimmte Pflanzen, die »für viele eher unbedeutend sind«, die Kräuter. Welch Bedeutung für die Kirchgänger aber gerade diese Pflanzen auch in der Gegenwart haben, zeigte sich in einer Fülle von mitgebrachten Kräuterbuschen, die wie stets bei dieser Bergmesse geweiht wurden.

Ein Unterstützerkreis für den gemeinnützigen Verein »Kinder in Sicherheit« nutzt den Almkirchtag in jedem Jahr dazu, Geld einzusammeln und bietet dafür Kräutersträuße an. »Heuer haben wir rund 150 Sträuße gebunden«, sagt Annemarie Speicher für diese Gruppe, rund 800 Euro könne man so an den Verein, der in Rumänien für ein Kinderheim verantwortlich zeichnet, übergeben. Am Ende bedankten sich die Kirchgänger bei Bischof Franz-Josef Bode mit Applaus für die feierliche Bergmesse, die von der Musikkapelle Reit im Winkl und den drei Reit im Winkler Alphornbläsern musikalisch begleitet wurde. Im Almfest der Winklmoos-Bauern fand der Almkirchtag in den vielen Gaststätten und Hütten bis in den Abend seine Fortsetzung. ost