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Das Inzeller Hotel zur Post ist verkauft

Inzell. Das im Mai 2007 durch einen Großbrand erheblich beschädigte Hotel zur Post in Inzell hat seit kurzem einen neuen Besitzer. Wie die Gemeindeverwaltung gestern bestätigte, handelt es sich dabei um den gebürtigen Inzeller Franz Scheurl. Der Marketing-Experte hat 1993 zusammen mit dem Gründer des US-Uhrenherstellers Fossil, Tom Kartsotis, die Fossil Europe GmbH mit Sitz in Grabenstätt als Fossil-Tochterfirma aufgebaut und war mehrere Jahre dort Geschäftsführer.

Kein schöner Anblick ist die Bauruine in der Ortsmitte von Inzell. Hinter dem Bretterzaun wachsen sechs Jahre nach dem Brand bereits Bäume. (Foto: Mergenthal)

In Inzell herrscht große Erleichterung, dass sich nun eine Besserung der desolaten Situation in der Ortsmitte abzeichnet. Direkt neben der Kirche steht die von Planen notdürftig abgedeckte hässliche Brandruine. Hinter dem von der Witterung mitgenommenen Bretterzaun um die Grube, die nach Abtransport der Brandreste vor sechs Jahren entstand, wachsen nun bereits Bäume. Dem Traunsteiner Tagblatt erzählte Scheurl, dass er den Kauf aber weniger aus wirtschaftlichen Interessen getätigt hatte, als vielmehr aus Liebe zu seiner Inzeller Heimat.

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Eine Wende in den Verkaufsverhandlungen des früheren Eigentümers Rochus Nützel, der in Bad Wörishofen ein mittelständisches Unternehmen hat, zeichnete sich Ende vergangenen Jahres ab. Bürgermeister Martin Hobmaier hatte von Nützel ein Kaufangebot erbeten. »Nach fünf Jahren musste er mir einen guten Preis nennen, den man auch annehmen kann«, berichtete Hobmaier auf Nachfrage der Heimatzeitung am Rande der Filmaufnahmen am Naturbadesee.

Dieser Preis, den er nicht öffentlich nennen könne, sei die Basis für weitere Gespräche mit möglichen Investoren und Betreibern gewesen, so der Rathauschef. Auch die Option, dass die Gemeinde selber das Hotel zur Post kauft und weiterverpachtet, stand zur Debatte.

Hobmaier ist froh, dass die Gemeinde diesen schwierigen Schritt nicht gehen musste. »Mein Ziel war immer, dass es jemand aus der freien Wirtschaft in die Hand nimmt und nicht die Gemeinde.« In Kontakt mit dem jetzigen Investor sei die Gemeinde seit Jahresanfang. »Seitdem gab es viele Gespräche.« Seit einem runden Tisch im Frühjahr zusammen mit der Familie Nützel, dem Architekten und dem Käufer habe er gespürt, dass die Sache »eine gute Entwicklung nimmt«.

Unzählige Verhandlungen, Fast-Verkäufe und enttäuschte Hoffnungen waren vorausgegangen: »Ich selber war in den letzten fünf Jahren bei zehn Besichtigungen dabei«, erzählt Hobmaier. Man habe auch mit »schwierigen Verhandlungspartnern« und Spekulanten zu tun gehabt.

Besonders erfreut ist der Bürgermeister über die Tatsache, dass ein Inzeller das Hotelgrundstück gekauft hat. »Das ist ein Mensch, den man kennt, auf den man sich verlassen kann«, davon ist er überzeugt. Nun wolle man gemeinsam die Neugestaltung der Ortsmitte voranbringen. Inzwischen hat die Gemeinde ein Konzept in Auftrag gegeben, in dem auch das Hotel eine zentrale Rolle spielt. Für die Verschönerung des Ortszentrums, wo auch ein richtiger Dorfplatz angedacht ist, wurde der Gemeinde ein Zuschuss von bis zu 60 Prozent mit Mitteln der Städtebauförderung in Aussicht gestellt.

»Was Besseres kann uns nicht passieren«, reagierte Gerhard Steinbacher, Geschäftsführer der Inzeller Touristik GmbH, auf die guten Neuigkeiten. Jetzt müsse man natürlich die Pläne abwarten. Der Verkauf des Hotels könne eine »gewaltige Schubkraft bringen für die Ortsmitte«, auch für die gewerbliche Entwicklung dort. Es bestehe dringender Handlungsbedarf.

Wie sehr der Bevölkerung und den Urlaubern das Thema auf den Nägeln brennt, zeigte auch der Erfolg einer Unterschriftenaktion des Verkehrs- und Heimatvereins (siehe Info-Kasten rechts). vm