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Das erste Surberger Windrad

Surberg. Wer von Thunstetten in Richtung Bundesstraße 304 fährt, der kann es fast nicht übersehen. Über einer Garage im kleinen Weiler Vachenlug dreht sich seit knapp zwei Wochen ein weißes Windrad. Es ist die erste Windkraftanlage in der Gemeinde Surberg, wie Bürgermeister Josef Wimmer auf Anfrage bestätigt.

An der Außenwand der Garage in Vachenlug hat Fritz Reiter den Masten seiner Windkraftanlage montiert. (Foto: Poschinger)

Fasziniert war Besitzer Fritz Reiter schon länger von den Erneuerbaren Energien, besonders der Windkraft. Doch erst jetzt hat sich der Geschäftsführer einer Traunreuter Elektrofirma seinen Traum mit einer eigenen Windkraftanlage für rund 13 000 Euro erfüllt.

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Genehmigung war nicht erforderlich

Bevor er sich ans Aufstellen des 9,20 Meter hohen Mastens machen konnte, führte er auf seinem Grundstück in Vachenlug Probemessungen durch. Der geeignete Standort mit rentablen Windgeschwindigkeiten musste schließlich erst gefunden werden. »Frei stehen lassen wollten wir das Windrad aber aus optischen Gründen nicht«, erklärt Reiter. Statt mitten in der Landschaft ist der Masten nun an der Außenmauer der Garage befestigt.

Das Einverständnis der Gemeinde brauchten Fritz Reiter und seine Frau Christine dafür nicht. Denn bayernweit sind Windkraftanlagen bis zu einer Nabenhöhe von 10 Meter genehmigungsfrei. Trotzdem meldete er sein Vorhaben im Rathaus an und fragte auch die Nachbarn um ihre Meinung.

Anfängliche Bedenken wegen einer möglichen Lärmbelästigung konnte er aber schnell ausräumen. Das Geräusch des drehenden Windrads ist nämlich kaum wahrnehmbar. »Der Schalldruckpegel beträgt 43 Dezibel, das heißt, die Anlage wäre auch zur Errichtung in Wohngebieten geeignet«, so der Elektromeister.

Die Rotorblätter aus Carbon – sie haben einen Durchmesser von drei Meter – drehen sich ab einer Windgeschwindigkeit von 2,2 Meter pro Sekunde. »Eine einigermaßen rentable Nutzung ist aber erst ab einer Windgeschwindigkeit von mindestens 4 Meter pro Sekunde zu erreichen«, so Reiter.

Um bei starkem Wind die Anlage noch kontrollieren zu können und Schäden durch Überbelastung zu vermeiden, ist auch ein Bremswiderstand eingebaut, der die Turbinendrehzahl verringert, sollte sie über 13 Meter pro Sekunde liegen. Ganz ausgeschaltet wird sie bei Sturm und Orkan: »Dann kippt die Anlage aus dem Wind in die sogenannte Helikopterstellung und schwenkt erst beim Nachlassen des Sturmes wieder in die Ausgangslage zurück.«

Ökologischer Faktor wichtiger als der finanzielle

An 78 Stunden lief die 2,5-Kilowatt-Anlage allein in den ersten beiden Wochen und erzeugte so Strom für den Eigenverbrauch und die Einspeisung in das Stromnetz. Reich wird Fritz Reiter davon aber nicht: Rund 20 Jahre wird es dauern, bis sich allein die Anschaffungskosten amortisiert haben. »Man sollte aber nicht nur die Kosten, sondern auch den ökologischen Faktor betrachten«, so Reiter, der auf dem Garagendach zudem seit Längerem eine Photovoltaikanlage in Südlage installiert hat.

Ob das Windrad in Vachenlug das einzige in der Gemeinde bleibt, das wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Aber eines steht bereits fest: Große Windkraftanlagen wird es in Surberg nicht geben. Das ergab zuletzt die Ermittlung des regionalen Planungsverbandes. Laut Wimmer würden die dafür notwendigen Windgeschwindigkeiten in der Gemeinde nicht erreicht werden und auch die zersiedelte Bebauung würde das Einhalten der Abstandsflächen so gut wie unmöglich machen. apo