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Das einzig verbliebene kommunale Krankenhaus in Bayern

Fridolfing. Sie hatten sich ein Herz als Logo ausgesucht, die Ärzte und Mitarbeiter der Salzachklinik Fridolfing, für die Feier zum 125-jährigen Bestehen. Und ums Herz, um Herzlichkeit in einem kleinen Krankenhaus, in dem man sich »fast dahoam« fühlt, ging es in mehreren Reden.

Das Herz war das Symbol für die Jubiläumsfeier der Salzachklinik Fridolfing – es stand für die herzliche Zuwendung, wie sie wohl nur in kleineren Kliniken möglich ist.

Bürgermeister Johann Schild freute sich über die vielen Gäste, besonders natürlich über Umwelt- und Gesundheitsminister Marcel Huber, Landrat Hermann Steinmaßl, Michaela Kaniber MdL, Bezirksrat Georg Wetzelsperger und mehrere Bürgermeister und Exbürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte aus den umliegenden Gemeinden.

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Schild erinnerte an die Gründung des Krankenhauses 1888. Ausschlaggebend war ein Gesetz von 1869, das die Gemeinden zur Übernahme der öffentlichen Armen- und Krankenpflege verpflichtete. Fridolfing und Pietling schlossen sich zusammen und in einer gemeinsamen Sitzung vom 15. Februar 1885 wurde der Bau eines Kranken- und Armenhauses beschlossen. Für die Pflege wurden drei Mallersdorfer Schwestern gewonnen, die mit einem Fuhrwerk am Bahnhof Traunstein abgeholt wurden.

Im Lauf der Zeit gab es umfangreiche Um- und Ausbauten. Heute hat das Fridolfinger Krankenhaus eine große Bandbreite an modernen Operations- und Versorgungseinrichtungen. Das bayernweit einzige Krankenhaus in gemeindlicher Trägerschaft mit 45 Betten nutzen 13 Belegärzte. Im Vorjahr kamen fast 2000 Patienten. Schild würdigte seine Amtsvorgänger, die Gemeinderäte für ihr Engagement und ihre Weitsicht sowie Ärzte und Personal für die gute Betreuung, nicht nur medizinisch, sondern auch »mit Herz«.

Dies betonte auch Marcel Huber in seiner Eigenschaft als Minister für Gesundheit in Bayern. Er hob die Vorzüge des kleinen Krankenhauses hervor, die individuelle persönliche Zuwendung, keine Doppeluntersuchungen und den persönlichen Kontakt. Für ein Bauprojekt für das Fridolfinger Krankenhaus, das 2014 beginnen könne, habe er bereits Mittel zugesagt. Kritisch merkte er an, dass es für die Krankenhäuser, die alle mit steigenden Defiziten arbeiteten, eine bessere Finanzierung geben müsse.

Landrat Hermann Steinmaßl zeigte sich dem Fridolfinger Krankenhaus persönlich verbunden: Nicht nur, dass er es selbst schon mehrfach als Patient nutzen musste – er lernte nicht zuletzt seine Frau hier kennen. Ullrich Rehme, Chirurg und leitender Belegarzt, stellte sein Haus kurz vor, das die Besucher dann selbst in Augenschein nehmen konnten. Auch er betonte das Engagement der Belegschaft und die persönliche Zuwendung zu den Patienten.

Anschließend hielten Pfarrer Ludwig Westermeier und Jochen Alte eine Andacht in der Kapelle. Klaus Beer spielte zur Begleitung und die Gäste sangen die bekannten Kirchenlieder mit. Das Evangelium vom Barmherzigen Samariter hielten alle für passend – bis der Pfarrer es in Zweifel zog: »Das passt überhaupt nicht hierher. Da kommt ein Fremder und hilft – bei uns kommen alle, die hier helfen, aus der Gegend. Die kennt man vom Einkaufen, die kennen uns. Da fühlt man sich dahoam!«

Dicht drängten sich die Besucher dann im Haus, begutachteten die Untersuchungs- und OP-Räume, ließen sich über chirurgische Eingriffe informieren und schauten die hellen und freundlichen Zimmer mit behindertengerechten Bädern an.

Eine »Abteilung« war besonders stark frequentiert: Die Teddy-Klinik. Mit Eifer assistierten die Kleinen der »Ärztin«. Da wurden Puppen und Schmusetiere fachgerecht versorgt, geschient, verbunden und die jeweilige Mama oder der Papa erhielten ein Rezept, das an der Apotheke eingelöst werden konnte. Die Patienten-Besitzer wurden ermahnt, künftig viele Bussis zur Genesung zu verteilen, die plüschigen Patienten lieb zu haben und ans Herz zu drücken. Und mit »Bäromycin«, »Smartiecillin, »Lolliglucol« oder »Bonitussin« war dann allen schnell geholfen.

Viel Applaus gab es für die Modenschau mit Schwesterntrachten von den schwarzen langen Gewändern mit Schleier der Mallersdorfer Schwestern bis zu modernem Outfit – künftig vielleicht in leuchtendem Orange und mit Roller. bo