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CSU und SPD weisen Kritik des Tennisclubs zurück

Traunstein. Harsche Kritik am Beschluss des Traunsteiner Kreisausschusses, das künftige neue Funktionsgebäude auf dem Gelände des Traunsteiner ESV-Stadions zu errichten, ohne das Vereinsgebäude des Tennisclub Traunstein (TCT) in die Maßnahme mit einzubeziehen, übte der inzwischen zurückgetretene Präsident des Clubs, Dr. Jens Leistikow an den Weihnachtsfeiertagen (wir berichteten im Sportteil).

Schwere Vorwürfe erhebt der inzwischen zurückgetretene Präsident des Traunsteiner Tennisclubs gegen Mitglieder des Kreisausschusses. Diese hatten sich in ihrer jüngsten Sitzung für den Abriss des bestehenden Gebäudes auf dem ESV-Gelände (links) und einen Neubau entschieden. Die TCT-Verantwortlichen sind der Meinung, dass die Einbeziehung ihres Vereinsgebäudes (rechts), die bessere, weil kostengünstigere Lösung gewesen wäre. (Foto: Wittenzellner)

»Wir wollten damit ein Zeichen setzen«

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Auf dem Gelände der Brunneranlage sollen unter anderem eine Leichtathletikbahn und ein Kunstrasenplatz für Schul- und Breitensport errichtet werden. Gegen die kurz vor Weihnachten im Kreisausschuss mit 9:6-Stimmen beschlossene Maßnahme des Landkreises, die den Abriss des bestehenden Gebäudes und einen entsprechenden Neubau für über 420 000 Euro vorsieht, wäre die Einbeziehung und Sanierung des auf städtischem Grund liegenden angrenzenden TC-Heims laut den Verantwortlichen des Tennisclubs »ein Klacks gewesen«.

Dem ein Tag nach dem Kreistagsbeschluss erfolgte Rücktritt des TC-Präsidenten schloss sich auch der langjährige Schatzmeister des Clubs, Csaba Szabo, an. Man wolle damit »ein Zeichen setzen«, wie es in der dazu verbreiteten Presseerklärung hieß. Zweiter Vorsitzender des Vereins, Alex Reitzenstein, der diesen nun bis zu den angekündigten Neuwahlen des Vereins im April 2013 führt, nannte die Entscheidung des Kreisausschusses in einer schriftlichen Aussendung des TCT »für uns intransparent und in keiner Weise nachvollziehbar.« Den Kreisausschussmitgliedern werde attestiert, dass »das Geld locker sitzt«, man fühle sich »total vor den Kopf gestoßen.«

Die Ausschussmitglieder der CSU und SPD beziehungsweise deren Kreistagsfraktionen können die Aufregung der Tennisclub-Vorstandschaft in weiten Teilen nicht nachvollziehen. Sie betonen die Transparenz und Nachhaltigkeit bei der getroffenen Entscheidung. Wogegen sich UW/FW-Ausschussmitglied Dr. Lothar Seissiger gefreut hätte, wenn »die Freien Wähler ausführlicher über die Gespräche mit dem Tennisclub informiert worden wären.« Die Freien Wähler stimmten in der Ausschusssitzung gegen einen Neubau des Funktionsgebäudes »aufgrund der enormen Kosten«, wie Dr. Seissiger ausführt. Sie halten das Ganze für »überdimensioniert«.

Karl-Ludwig Kaditzky, Fraktionsvorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion und Ausschussmitglied betont, dass man seitens der CSU, die »äußerst polemisch geführte Diskussion« versachlichen wolle. Für ihn und die CSU-Kreistagsfraktion sei die angebotene Mitbenutzung des Tennisheimes neben den relativ hohen Investitionskosten für eine schulsport- und behindertengerechte Sanierung »besonders deswegen nicht zukunftsweisend, weil es im Hochwassergebiet der Traun liegt.«

Wichtiger Aspekt: Hochwasserschutz

CSU und SPD hätten im Kreisausschuss mit ihrer Mehrheit von 9:6-Stimmen dabei nicht nur weit über den Tellerrand hinaus geschaut, sondern geschlossen für eine zukunftsweisende Investition in Bildung und Infrastruktur gestimmt, erklärt Kaditzky.

Wenig Verständnis für die Kritik des Tennisclubs zeigt auch SPD-Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner: Der Kreisausschuss habe eine vierseitige Gegenüberstellung von Alternativen für eine WC-Anlage und für Lagerräume für die Schulsportanlage auf dem ehemaligen ESV-Gelände erhalten und sich »nach sehr eingehenden Beratungen« mit den Stimmen von CSU und SPD »für eine langfristig sinnvolle Lösung für unsere Schulen ausgesprochen.«

Auch Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke macht deutlich, dass er voll hinter dem Beschluss des Kreisausschusses steht: »Die Version ist teurer, aber nachhaltiger.« Das Angebot des TC bezeichnet er von der Kostenseite her als »verlockend«. Wenn man aber die räumliche Situation der Umkleiden, Duschen und Toiletten im Detail ansehe, sei es dies bei Weitem nicht mehr. Gerade auch das Thema der fehlenden Behindertentoiletten sei hier ein wichtiger Aspekt. Die Situation bei einem möglichen Hochwasser sei für das Gebäude des Tennisclubs alles andere als unproblematisch. Die Mitglieder des Kreisausschusses seien über diesen Sachverhalt unterrichtet gewesen.

Christoph Kraller, Vorsitzender des Sportbund Chiemgau (SBC), betonte gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt, dass er es »überaus bedauerlich« fände, wenn die Entscheidung des Kreisausschusses einer späteren Fusion des TCT mit dem SBC entgegen stehe oder dieser die Grundlage entzöge. Der Tennisclub hatte in seiner Presseerklärung angekündigt, dass es nun auch keinen sinnvollen Grund mehr gebe, mit dem SBC zu fusionieren oder irgendwie zu kooperieren.

Gemeinsame Gespräche beim Oberbürgermeister

Für den Sportbund sei es laut Vorsitzenden Christoph Kraller in den Beratungen inklusive eines Gesprächs im Büro des Traunsteiner Oberbürgermeisters Manfred Kösterke vor drei Wochen, bei dem unter anderem auch der Präsident und Schatzmeister sowie zwei weitere Mitglieder des TCT teilgenommen hätten, wichtig gewesen, dass bald eine endgültige Entscheidung durch den Kreisausschuss gefällt wird, sodass im kommenden Jahr der Bau ermöglicht werden kann. Bei dem Gespräch sei intensiv diskutiert worden und man hätte alle Argumente einer »Pro-TCT-Lösung« ausgetauscht.

Landrat Hermann Steinmaßl will sich zu dem Thema erst in einer der kommenden Sitzungen des Kreisausschusses zu Wort melden, sofern das Thema dann nochmals angesprochen wird. awi