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Besser kann ein Auftakt nicht verlaufen

Um es vorweg zu nehmen: Alle Akteure überzeugten mit einer herzerfrischenden, ungekünstelten Spielfreude. Aus Vogling stammen die Schwestern Anni und Elisabeth Anfang. Sie bewiesen ihre Vielseitigkeit nicht nur mit ihrem glockenreinen Gesang, sondern auch durch ihr bestechendes Harfenspiel als Geschwisterduo. Die Stibei-Buam, ein aufstrebendes Quartett aus Vollblutmusikanten aus dem Chiemgau, dem Inntal und dem Oberland, wussten nicht nur im vergangenen Jahr die Lindl-Jury zu überzeugen, sondern auch vom ersten Stückl weg auch das Ruhpoldinger Publikum. Ihre Besetzung mit der brummigen Bassklarinette ist sicherlich ein Novum in Volksmusikkreisen, das für eine nicht alltägliche, aber gerade deshalb sehr reizvolle Klangfarbe sorgt.

Zwei Epochen Volksmusik vereint: Hans Sojer (links) und Moderator Heini Albrecht.

Zwei von ihnen, Beni Mies (Flügelhorn) und Bernhard Aschl (Gitarre) wechselten bei Bedarf zur Nachbargruppe, um die Formation der Zeitlos-Musi mit Stefan Pertl (Kontrabass), Ziacherer Anderl Thaler und Kathrin Kecht an der Harfe zu bilden. Die Jungwirtin von der Raffner-Alm praktiziert ihrerseits dasselbe und verstärkt das Ensemble der Taubensee-Tanzlmusi unter ihrem Leiter Josef Haßlberger, der auch für die musikalische Leitung des Abends verantwortlich zeichnete.

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Der Boider-Sepp spielt nicht nur Posaune und Waldhorn, sondern arrangiert oder komponiert gelegentlich, um es für seine Taubenseer passend zu machen. Zu hören war dies bei der flotten Auftaktpolka »Da Gschwinde« (Bearbeitung Sigi Ramstötter/Sepp Haßlberger) ebenso wie dem ursprünglichen »Aus dem Lallinger-Winkl« von Erich Sepp, dem er aus eigener Feder den gefälligen Nachspann »den Boider Winkl« dranhängte. Eine Remineszenz an sein Geburtshaus, das eben beim »Boider im Winkl« im Süden Ruhpoldings steht.

Neben Kathrin Kecht gehören Rosi Hinterseer, Alban Hutter, Karl Kittl und Stefan Huber zur Stammbesetzung, die, wie an diesem Abend, auch mal durch eine Geige verstärkt wird.

Den Interpretenreigen komplettierte das Gesangsduo Wasti Irlinger – Schorsch Seifritzberger mit frischer, stimmgewaltiger Vortragsweise, zusätzlich begleitet von Heinrich Albert. Sie waren kurzerhand für die verhinderten Stoaner-Sänger eingesprungen und füllten deren Platz mit kernigen Liedern und Jodlern aus. Schorsch Seifritzberger als Mitglied des Männerchors ist ja in Ruhpolding kein Unbekannter und der Irlinger-Wasti, Erzmusikant, Sänger und Rundfunksprecher bei Bayernwelle Südost seit Jahrzehnten omnipräsent auf den Volksmusikbühnen im ganzen Alpenraum und deshalb schon zu Lebzeiten eine Institution.

Moderator Heini Albrecht, der souverän-locker durch das Programm führte, entlockte ihm einige lustige Anekdoten aus seinem Musikantendasein, die ebenso viel Beifall fanden wie seine Ankündigung, dass es die weitum bekannte »Rotofenmusi« in Zukunft wieder geben wird.

Urgestein Hans Sojer

Mucksmäuschenstill war es auch während des Gesprächs mit Hans Sojer, der zusammen mit Bruder Schorsch als die »Auer Buam« maßgeblich seit den Nachkriegsjahren die Volksmusik mit verschiedenen Gruppen geprägt hat. In Abwesenheit des erkrankten Bruders erzählte der betagte Zitherspieler von seinen musikalischen Gehversuchen, die im übertragenen Sinne jeweils eineinhalb Stunden Gehzeit vom Froschsee hinunter in den Ort zum Unterricht (wohlgemerkt einfach) bedeuteten und wie die Begegnungen mit Annette Thoma, Tobi Reiser sen. und anderen Größen auf sie wirkten.

Hoch anrechnen muss man es den Sojer-Brüdern, dass sie sich trotz aller damals schon aufkommenden Entwicklungen wie »Die Musi kommt« mit den Hellwigs und dergleichen in ihrer Einstellung zur traditionellen Volksmusik nicht verbiegen hatten lassen.

Begeisterte Tanzstimmung machte sich zu den Klängen der Taubensee-Tanzlmusi breit, als Gauvolkstanzwartin Hildegard Kallmeier aus Pleiskirchen zum Volkstanz bat, dem zweiten Block der Auftaktveranstaltung. Sie schnappte sich gleich Bürgermeister Claus Pichler zum Vortanzen. Nicht nur die einheimischen Tanzpaare, auch viele Feriengäste wollten dabei sein, als Beinarbeit gefordert war bei Webertanz, Kikriki, Siebenschritt, der Ruhpoldinger Holzaktion und anderen überlieferten Tanzformationen.

Mit dem gemeinsam gesungenen Zwiefachen »Heit, heit, heit gemma gor ned hoam« endete ein kurzweiliger Aufnacht, den man in Anlehnung an den kirchlichen Feiertag als »volksmusikalische Himmelfahrt« bezeichnen könnte. ls