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Bereitschaftspraxis: Pilotprojekt im Rupertiwinkel

Unbeeindruckt vom Hausärzteschwund auf dem Land startet im Rupertiwinkel ein bayernweites Pilotprojekt: In Fridolfing öffnet am Samstag die Bereitschaftspraxis Rupertiwinkel. Sie ist fixe Anlaufstelle für alle, die am Samstag, Sonntag oder Feiertag ärztliche Hilfe brauchen, aber kein Notfall sind.

15 Mediziner aus dem Rupertiwinkel eröffnen am kommenden Samstag die bayernweit erste Bereitschaftspraxis auf dem Land.

Hausärztliche Bereitschaftspraxen, die gibt es bislang in Rosenheim, München oder Augsburg. Dass so eine Praxis erstmals auf dem Land eröffnet, das ist vor allem dem Einsatz von Dr. Michael Hüller zu verdanken. Der Internist, der seit 1998 mit einer Hausarztpraxis in Fridolfing niedergelassen ist, leistet seit zwei Jahren Überzeugungsarbeit bei Hausarztkollegen im Rupertiwinkel, um sie mit ins Boot zu holen. Bei 14 von ihnen hatte er Erfolg: Sie betreiben jetzt zusammen mit ihm die neue Bereitschaftspraxis Rupertiwinkel im Untergeschoß der Salzachklinik Fridolfing.

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Immer samstags, sonntags und feiertags, immer von 9 bis 12 und von 17 bis 18 Uhr sind die Mediziner dort für Menschen da, die nicht bis zum nächsten Werktag auf ärztliche Hilfe warten können, aber doch kein Notfallpatient sind. »Eine Anmeldung ist nicht nötig, wer Beschwerden hat, kommt einfach vorbei«, erklärt Dr. Hüller.

Die neue Bereitschaftspraxis – sie in erster Linie für die rund 30 000 Menschen in den Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching, Waging, Wonneberg und die Städte Laufen und Tittmoning da – ist in den Augen von Dr. Hüller ein Zukunftsmodell: »Es ist besser, wenn die Patienten eine feste Anlaufstelle haben und nicht jedes Wochenende aufs Neue nachschauen müssen, wer gerade Dienst hat.« In der Tat ist es bislang so gewesen, dass sich die Hausärzte beim Bereitschaftsdienst abgewechselt haben – und mal die, mal jene Praxis am Wochenende für Patienten mit nicht aufschiebbaren Beschwerden da war. Der neue fixe Standort der Bereitschaftspraxis in der Salzachklinik in Fridolfing hat für Dr. Hüller aber noch weitere Vorteile: »Wir können hier viele Synergieeffekte nutzen, haben hier etwa ein Labor und digitale Röntgentechnik.« Die Gemeinde Fridolfing stellt den Medizinern neu gestaltete Räume im Untergeschoß des Krankenhauses zur Verfügung.

Von der neuen Bereitschaftspraxis verspricht sich Dr. Hüller nicht nur eine Stärkung der hausärztlichen Versorgung im Rupertiwinkel. Ziel ist es auch, die Notaufnahmen in den Kliniken, vor allem in Traunstein, zu entlasten. »Die hausärztlichen Fälle verstopfen dort die Strukturen für die wirklichen Notfälle«, erklärt der Internist. Hinzukomme, dass die Klinikärzte auch gar nicht genügend hausärztlich ausgebildet seien.

Viele Mediziner blicken mit Interesse auf das Pilotprojekt im Rupertiwinkel. Schließlich ist es vielerorts immer schwieriger, Ärzte zu finden, die bereit sind, am Wochenende und am Feiertag Bereitschaftsdienst zu leisten. Wiederholt war es darum nötig, Bereitschaftsgruppen zu erweitern oder zusammenzulegen. Das Ergebnis: Die Bereitschaftsärzte müssen immer größere Gebiete betreuen. Das Fridolfinger Modell ist auch ein Versuch, diese Entwicklung zu stoppen.

Wie die Menschen im Rupertiwinkel die neue Bereitschaftspraxis annehmen, das wollen die Hausärzte jetzt mindestens ein Jahr lang testen. »Dann wird sich zeigen, ob es sich trägt«, sagt Dr. Hüller. Er und seine Kollegen rechnen damit, dass zwischen 50 und 100 Patienten am Wochenende kommen.

Für alle, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, in die Praxis zu kommen, für die gibt es weiterhin einen Fahrdienst. Auskunft darüber gibt es auch künftig unter der ärztlichen Notrufnummer 116117. san