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Amüsante Episoden mitten aus dem Leben

Waging am See. Ludwig Thomas Geschichten beziehen ihren Reiz daraus, dass der Dichter den Leuten »aufs Maul geschaut« hat und die Stoffe allzeit sehr aktuell sind. Auch die Kolpingfamilie Waging führte zwei Einakter des bayerischen Dichters auf, die nicht nur sehr lustig waren und temperamentvoll gespielt wurden, sondern auch zeitlose Bezüge aufzuweisen hatten. Die Regie teilten sich Helmut Loipfinger und Monika Mader, da Martina Schmidt nach zehn Jahren aufgehört hat.

Der Geheimrat (Helmut Schmid, rechts) wird von seiner Schwester (Sabine Stangl) aus dem Raum geführt, damit er nicht noch mehr Schaden anrichtet. Tochter Lottchen (Katharina Trattler, Zweite von links) und ihr Verehrer Dr. Traugott Appel (Claus Liebl) beobachten die Szene. (Foto: H. Eder)

Ludwig Thoma hatte keine besonders hohe Meinung von seinem eigenen Berufsstand, den Juristen, beziehungsweise den Beamten überhaupt. Und einem solchen hat Thoma unter anderem in dem Einakter »Lottchens Geburtstag« ein Denkmal gesetzt, wenn auch kein sehr schmeichelhaftes.

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Sehr drastisch tritt hier, überzeugend dargestellt von Helmut Schmid mit seinen von Pomade angeklebten Haaren und seinem Spitzbart, ein trockener Gelehrtentyp auf die Bühne. Ein sehr angenehmes Gegengewicht hierzu bildet seine Frau (Monika Mader). Sie lacht ihren Mann, wenn er sich wieder in seinen abgehobenen »Deklamationen« ergeht, so aus, dass der Zuschauer aus vollstem Herzen mit einstimmt.

Der Herr Geheimrat setzt sich nämlich – obwohl er den 20. Geburtstag seiner Tochter (Katharina Trattler) nicht nur vergessen hat, sondern nicht einmal weiß, welchen sie feiert – plötzlich in den Kopf, dass diese nun dringend seiner Aufklärung bedürfe: »Der Zeitpunkt ist nicht zu früh gewählt.« Seine Frau will ihm das ausreden, dabei kommen die beiden auf ihre eigene Vergangenheit zu sprechen.

Auch im zweiten Sketch »Die kleinen Verwandten« geht es um den Standesdünkel. Hier steht Regierungsrat Heinrich Hässler (Helmut Loipfinger) im Mittelpunkt. Er lässt sich aber – im Gegensatz zum Geheimrat des ersten Stücks – durchaus von seiner Frau etwas sagen, wenn auch nicht immer unwidersprochen. Kein Wunder, wenn ihm selbst Fräulein Tochter (Lydia Mayerbüchler) gut zuredet. Es geht darum, dass der potenzielle Schwiegersohn (Johannes Schmuck als charmante Idealfigur jeder Schwiegermutter) aus bürgerlichem Hause kommt, und der Herr Geheimrat daher seinen Stand nicht zu deutlich heraushängen lassen sollte. Dieser verspricht, wenn auch mitunter etwas gereizt, seine Kooperation.

Aber alles Planen und Vorbereiten der Gattin (Sabine Stangl) ist Makulatur, als überraschend des Regierungsrats temperamentvolle Schwester (Margit Weinmann) nebst Ehemann (Wiggerl Stief) auftaucht. Monika Mader ist bei diesem Einakter belebendes Element auf der Bühne: In deutlicher, teils recht deftiger Art spricht sie unangenehme Wahrheiten aus, verweist ihren Bruder, zu dessen Gunsten sie auf eine ordentliche Ausbildung verzichten musste, auf seine »Sünden« früherer Zeiten. So entwickelt sich eine mehr als angespannte Atmosphäre. he