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6558 Bürger haben unterschrieben

Kirchanschöring. 6558 Bürger haben die Petition »Rettet endlich den Waginger See« unterschrieben, gab Agnes Thanbichler, Sprecherin von Attac Rupertiwinkel, bei einer Versammlung der Gruppierung bekannt. 1818 davon haben online unterzeichnet, 4740 eigenhändig: »Für eine rein lokale Unterschriftensammlung ist das vergleichsweise ein sehr hohes Ergebnis«, meinte Thanbichler. Das zeige, wie sehr den Menschen die Reinhaltung des Waginger Sees am Herzen liege.

Petition sollte Bewegung in die Seesanierung bringen

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Initiator Ulrich Kühn erklärte dazu, da trotz aller Ankündigungen – auch des Landwirtschaftsministeriums – für die Verbesserung der Wasserqualität im Waginger See in über zwei Jahren nichts geschehen sei, habe die »Initiative Waginger See«, eine Gruppierung von Attac Rupertiwinkel, beschlossen, mithilfe einer Petition Bewegung in die Seesanierung zu bringen.

Allgemein wurde in der Versammlung begrüßt, dass nun sechs Bürgermeister für den Waginger und Tachinger See ein Manifest unterzeichneten, das in fast allen Punkten den Forderungen der Initiative entspreche, die diese bereits vor drei Jahren veröffentlicht habe – »bis auf einen entscheidenden Punkt, der noch immer fehlt, nämlich die angemessenen Ausgleichszahlungen an die Landwirte für Einkommenseinbußen durch extensive Bewirtschaftung«, unterstrich Thanbichler.

»Wenn der effektive finanzielle Anreiz fehlt, läuft die wohlgemeinte Absichtserklärung ins Leere.« In diesem Punkt will die Initiative nach eigenen Angaben weiter für die Landwirte kämpfen. Man wolle immer wieder Landwirte einladen, um ihnen deutlich zu machen, dass die Initiative sich für den Erhalt der 440 landwirtschaftlichen Betriebe einsetzt. Das Sterben der Betriebe mit immer intensiverer Bewirtschaftung besonders in diesem sensiblen Seeeinzugsgebiet sei keine zukunftsfähige Option.

Auch die Bewerbung um eine Ökomodellregion wurde begrüßt, weil auch das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung positiv beeinflusst werde. Nach Einschätzung der Initiative könnte sich der Anteil der Bio-Bauern von knapp acht Prozent vielleicht verdoppeln. Doch das reiche bei weitem nicht, um den See zu sanieren. Vielmehr werde ein nachhaltiges Sanierungsprogramm vom Staat gefordert, um den Nährstoffeintrag langfristig zu reduzieren. Den Landwirten müsse eine ökonomisch vertretbare Bewirtschaftungsmöglichkeit geboten werden. »Dazu bedarf es einer effektiven Anschubfinanzierung, und dazu muss man auch das nötige Geld in die Hand nehmen«, so Pfarrer Siegfried Fleiner.

Kühn erinnerte an das vorbildliche Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen in Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit allen Behörden, Verbänden und Entscheidungsträgern, das von Wissenschaft und Wasserwirtschaft begleitet werde. Das zeige die feste Entschlossenheit, etwas tun zu wollen. Diese Entschlossenheit erwarte die Initiative auch von Bayern.

Kritik an der Kritik an Attac Rupertiwinkel

Breiten Raum nahm auch die Kritik an Attac Rupertiwinkel durch Bürgermeisterin Ursula Haas aus Taching am See sowie von Bürgermeistern und Gemeinderäten aus anderen Gemeinden ein. Kritik gehöre dazu, sollte jedoch sachlich bleiben und nicht zur Diffamierung führen, weil dies nicht weiterhelfe, so Kühn. »Leider ist das demokratische Verständnis, dass es legitim und von der Verfassung des Freistaates gewollt ist, dass sich Bürger mit einer Petition in die politische Diskussion einbringen, noch nicht bei allen Amtsträgern angekommen.«

Vielen Menschen sei der Unterschied zwischen Badewasserqualität und überdüngtem See noch ein Rätsel. Dabei sei das ganz einfach: »Wenn ich keinen Durchfall bei versehentlichem Schlucken von Seewasser bekomme, dann sind keine nennenswerten bakteriologischen Verunreinigungen wie Kolibakterien im See und somit ist die Badewasserqualität in Ordnung«, so Kühn. Wenn aber an einer weißen Badehose ein grüner Algenbelag zurück bleibe, sei der See eingetrübt durch die übermäßige Vermehrung von Algen, die durch Überdüngung bedingt sei. Und dann bestehe die Gefahr, dass auch toxische Blaualgen entstehen, »die unter Umständen zur Sperrung von Badestränden führen können.« Das wolle aber keiner. Aus Umweltgründen dürften nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie keine Gewässer überdüngt sein.

Ministerpräsident und Landtag mit einbinden

Inzwischen hat die Initiative einen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer geschrieben mit der Bitte, die Unterschriften im Rahmen eines Gesprächs und im Beisein der zuständigen Minister entgegenzunehmen, in der Hoffnung, dass endlich nachhaltige und finanziell fundierte Maßnahmen in Form eines Sonderprogramms eingeleitet werden. Als weiteren Schritt will die Initiative die Petition auch an den Bayerischen Landtag leiten, damit sich neben den Ministerien auch er mit dem Thema befasst. he