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Am Schießstand kommt es auf jeden Millimeter an

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In ihrem Team kommt es auf Millimeterarbeit an: Schießstandchef Thomas Christofori (rechts) und Schießstandleiter Hermann Feil. (Foto: Brenninger)

Der Mann mit der roten Mütze ist an diesem Tag ein gefragter Mann. Immer wieder muss er entlang des Schießstands stehen bleiben. Kurz Fragen zwecks des richtigen Aufbaus beantworten.


Ruhig und gelassen macht Thomas Christofori das – dabei stehen er und seine Helfer unter enormen Zeitdruck. Schließlich hat das Team nur wenige Tage Zeit, um den Schießstand in der Chiemgau-Arena für die Trainings und den Weltcup starklar zu machen. Und jeder Handgriff muss dabei exakt stimmen.

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»Mein Team ist überaus engagiert. Das klappt wirklich alles reibungslos«, freut sich Christofori, der seit drei Jahren der Chef am Schießstand ist und zuvor andere Helfertätigkeiten beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding erledigt hat. »Und alle meine Helfer sind ehrenamtlich engagiert«, hebt er hervor. »Viele nehmen sich für den Weltcup auch extra Urlaub.« Denn neben den Auf- und Abbauarbeiten sind der Großteil seiner Helfer während des Biathlon-Weltcups dann auch als Kampfrichter im Einsatz.

Die 30 Schießstände müssen im Vorfeld der Veranstaltung fein säuberlich abgeschliffen, neu gestrichen und natürlich ausgiebig getestet werden. »Da haben wir genaue Vorschriften«, betont Christofori. Alle Einschüsse in der Wand müssen ebenfalls beseitigt werden. »Das ist schon ein riesiger Aufwand«, betont Felix Prechtl, einer der Helfer, der während des Weltcups dann auch als Kampfrichter fungiert. »Bei den Schablonen muss alles 100 Prozent stimmen.« Und auch an der Basis – also dort, wo die Biathleten dann stehen oder liegen und ihre Schüsse abgeben werden – muss alles haargenau aufgebaut werden. Die Pfosten und die Windfahnen werden extra nochmals per Laser millimetergenau ausgerichtet.

»Wir haben aber auf jeden Fall auch eine Menge Gaudi, sonst würde man das wohl auch nicht alles machen«, sagt Joachim Friesdorf, ebenfalls einer der Kampfrichter. Schießstandchef Christofori und Schießstandleiter Hermann Feil schauen sich an diesem Tag auch die neue Beleuchtung direkt am Schießstand an. »Jede dritte Lampe ist nun extra gesichert«, erzählt der Schießstandchef. »Falls es mal einen Querschläger gibt, fällt dann nicht gleich alles aus.«

Das Schießstand-Team, das übrigens auch immer wieder bei den Biathlon-Veranstaltungen im Sommer im Einsatz ist, ist aber für alle Eventualitäten gut gerüstet. In zwei Hütten ist das ganze Material fein säuberlich untergebracht und alles ist genau beschriftet. Es gibt etwa ein eigenes Malerkammerl, ein Materialkammerl und auch einen Aufenthaltsraum. Hier können sich die Helfer und Kampfrichter aufwärmen.

In diesem Raum hält Thomas Christofori, der wie Feil internationaler Kampfrichter ist, dann auch vor jedem Wettkampf eine kurze Einweisung ab. »Als Kampfrichter muss man sehr konzentriert sein«, betont er, »und auch mitdenken.« Schließlich sei auch jeder Biathlon-Wettkampf anders – mal schießen die Athleten liegend, mal stehend. In kurzer Zeit müssen die Kampfrichter darauf reagieren.

Auch deshalb legt man in Ruhpolding viel Wert auf die Schulung seiner Kampfrichter – und übrigens sind seit einigen Jahren auch Frauen im Team dabei. »Und nicht mal so wenige«, sagt Thomas Christofori stolz. Einmal im Jahr gibt es extra einen Ausbildungslehrgang. »Da gibt's dann auch eine Prüfung«, betont Christofori. Danach seien die Leute aber erst noch Kampfrichter-Anwärter. »Dann müssen sie noch rund zwei Jahre so mithelfen, ehe sie dann als Kampfrichter beim Wettkampf eingesetzt werden.«

Wichtig ist Thomas Christofori vor allem, »dass die Leute ihre Arbeit gerne machen, denn ich muss mich zu 100 Prozent auf sie verlassen können.« Die Arbeit als Kampfrichter ist anspruchsvoll und es warten auch lange Tage auf die ehrenamtlichen Helfer. »Wir sind meistens schon um 7 Uhr vor Ort und gehen als eine der letzten wieder nach Hause.« Oft haben seine Leute nicht einmal Zeit zum Essen, erzählt er.

Frühmorgens muss der Schießstand schon wieder für das Einschießen und die Wettkämpe fertig gemacht werden. Die Matten an der Basis werden etwa jeden Abend wieder eingesammelt und in der Wärmekammer aufgehängt. In der Früh müssen sie wieder rausgeholt und natürlich auch befestigt werden. Dann wird alles nochmals kontrolliert und für das Anschießen die Papierscheiben an den 30 Ständen befestigt. Und immer gibt es einen strengen und genauen Ablaufplan. Nur auf ein Zeichen von Christofori hin, dürfen die 15 Helfer die Schießstände betreten und die Scheiben wechseln. »Die Sicherheit am Schießstand hat absolut Vorrang«, sagt er.

»Brauchen 60 bis 65 Leute für einen Wettkampf«

Auch beim Wettkampf selber läuft alles nach genauen Vorschriften ab. Jeder Kampfrichter muss seine Aufgabe exakt erfüllen. »Wir brauchen 60 bis 65 Leute für einen Wettkampf.« Pro Schießstand gibt es beim Wettkampf einen Kontrollschreiber. Jeweils drei Schießstände zusammen bilden eine Einheit, die mit einem Terminal ausgestattet ist. Es gibt für jede dieser Einheiten einen Kampfrichter, der nur für die Bedienung dieses Terminals zuständig ist, und eben einen Gesamtschreiber.

»Alles wird genau protokolliert.« Damit im Fall einer Reklamation eines Athleten schnell überprüft werden kann, ob er nun getroffen hat oder eben nicht. »Das Beste für uns ist es natürlich, wenn kein Athlet eine Reklamation hat.« Aber das könne schon einmal vorkommen. Doch das Ruhpoldinger Team ist so perfekt eingespielt, dass es sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lässt. Und im Notfall steht ja auch noch der Mann mit der roten Mütze parat. »Das ist mein Markenzeichen«, lacht Thomas Christofori. »So erkennen mich meine Helfer schon immer von Weiten.« Und Fragen muss er auch während des Weltcups noch genug beantworten. SB

 

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