Zu wenig Arbeitsplätze am Ort und hohe Auspendlerquote

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In der Kommune werden im Zuge der Nachverdichtung zunehmend auch Mehrfamilienhäuser an Stelle ehemaliger Einfamilienhäuser errichtet. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Wie hat sich die Gemeinde entwickelt und was muss für die Zukunft beachtet werden, um die Weichen richtig zu stellen? Das von der Gemeinde in Auftrag gegebene Gutachten zur Sozialraumanalyse hatte auf diese Fragen Erkenntnisse parat. Nachdem bereits ausführlich zur demografischen Entwicklung in der Gemeinde berichtet wurde, geht es diesmal um die Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Armutsgefährdung und Wohnraumverfügbarkeit.


In Teisendorf gab es 2018 circa 420 umsatzsteuerpflichtige Betriebe, erklärte Gutachter Dr. Herbert Tekles. 20 Jahre davor waren es nur 290. Im Juni 2020 arbeiteten in den Betrieben mit Sitz in Teisendorf circa 1770 Erwerbstätige. Hinzu kommen noch rund 900 geringfügig Beschäftigte. Diese haben aber nicht alle ihren Wohnsitz in Teisendorf. Sowohl was den Anteil der Betriebe bezogen auf 100 Einwohner, als auch den Umsatz betrifft, liegt Teisendorf im Vergleich mit den anderen Kommunen des Landkreises im Mittelfeld. Weniger rosig sieht es bei der Arbeitsplatzdichte aus, das heißt bei der Anzahl der Arbeitsplätze, bezogen auf hundert Einwohner. Mit einem Wert von 19 weist die Gemeinde hier eine deutlich niedrigere Quote auf, als der Durchschnitt in Bayern (43,2) und Deutschland (40,1) und liegt auch im Vergleich mit den Kommunen im Landkreis weit unten. Dieses Ranking wird von Freilassing mit einem Wert von 47,7 angeführt.

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Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnsitz in Teisendorf betrug im Vorjahr 3700. Davon waren nur vier Prozent Ausländer. Mit diesem Wert liegt die Gemeinde in allen Vergleichsszenarien, ob Deutschland, Bayern, Oberbayern, Rupertiwinkel oder Landkreis an unterster Stelle. Der Anteil der Frauen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt in der Kommune bei 45 Prozent und damit ebenfalls auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Vergleicht man die Zahl der Einpendler mit der der Auspendler, so ist der Saldo deutlich negativ. So standen im Vorjahr 927 Einpendlern rund 2850 Auspendler gegenüber. Auch wenn die Anzahl der Einpendler in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, ist die Einpendlerquote mit rund 52 Prozent doch deutlich niedriger als die Auspendlerquote mit rund 77 Prozent.

Mitte des vorigen Jahrs waren im Markt Teisendorf insgesamt 107 Personen arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 2,8 Prozent, ein sehr niedriger Wert im Vergleich zu den entsprechenden Arbeitslosenquoten in Deutschland (7,9) und Bayern (5,0). Bei den unter 25-jährigen waren sogar nur neun Personen oder 1,4 Prozent arbeitslos gemeldet. Gutachter Tekles hob hervor, dass die Gemeinde sehr gut durch die Coronakrise gekommen sei. Der Arbeitsmarkt in der Gemeinde sei stabil geblieben, die Anzahl der Arbeitslosen nur wenig angestiegen, sodass bereits jetzt die Werte von vor dem ersten Lockdown wieder erreicht worden sind. Zum Thema Armutsgefährdung hat das Gutachten die Anzahl und Dynamik bei den SGB-II (»Hartz IV«) Empfängern untersucht. Hier hat sich seit 2008 (25 Personen) bis 2019 (26 Personen) kaum etwas geändert. Bezieht man diese Zahl auf je 100 Einwohner, so liegt die Marktgemeinde Teisendorf mit einem Wert von 0,28 Prozent im deutschlandweiten, überregionalen und regionalen Vergleich ganz unten. Im Landkreis Berchtesgadener Land haben nur noch Schönau (0,23), Ramsau (0,18) und Saaldorf-Surheim (0,14) kleinere Werte. Ausgehend von diesen Werten bezeichnete Tekles die Armutsgefährdung in der Gemeinde als »ein nur geringes und temporäres Problem«.

In Teisendorf stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der Wohngebäude und der Wohnungen weiter an. 2019 waren es rund 3970 Wohnungen in rund 2500 Wohngebäuden. Die Anzahl der Wohnungen je Gebäude, der sogenannte Geschoßwohnungsindex liegt bei rund 1,60, ein vergleichsweise geringer Wert. Demgegenüber liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Wohnung mit rund 114 Quadratmeter auf einem für eine Gemeinde sehr hohen Niveau. Dieser Parameter, so Tekles, ermögliche eine Aussage über die familiären Strukturen gekoppelt mit der Lebensqualität. Der Durchschnittswert in Deutschland liegt bei rund 89 Quadratmetern, im Landkreis Berchtesgadener Land bei rund 92. Weit unterdurchschnittlich ist aber in Teisendorf mit 5,5 Prozent der Anteil der kleinen Wohnungen mit ein bis zwei Räumen. Selbst bei den Drei-Zimmer-Wohnungen (rund 14 Prozent) steht die Gemeinde im Vergleich nicht viel besser da.

Die Anzahl der pro Jahr in der Kommune fertiggestellten Wohnungen unterliegt starken jährlichen Schwankungen. In den letzten zwanzig Jahren wurden in etwa zwischen 20 bis 30 neue Wohnungen pro Jahr errichtet, mit vier Ausnahmejahren mit bis zu 50 Wohnungen. Die Mietpreise sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen, liegen aber im Vergleich der Landkreiskommunen immer noch am unteren Ende. Dennoch ziehen junge Leute weg, weil sie keine passenden Wohnungen finden, so Tekles.

Das Segment der kleinen Wohnungen müsse in Zukunft bei Neubauvorhaben und Ausweisung von Baugebieten mehr berücksichtigt werden, so der Gutachter Tekles. Als »vernünftig« bezeichnete er eine Verdoppelung des Anteils der kleinen Wohnungen in der Gemeinde und nannte etwa zehn Prozent als Orientierungswert. kon

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