Vorbestrafter Teisendorfer vor Gericht: Fünf Monate wegen Fahrens ohne Führerschein

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Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Teisendorf – Ein 34-jähriger Teisendorfer hat keinen Führerschein. Dennoch hat er meist zwei, drei Autos auf seinen Namen zugelassen. Fahren würden Freunde damit, behauptete er im Laufener Gerichtssaal. Doch auch er selbst war immer wieder am Steuer ertappt worden, so auch am 4. März. Der Autoschrauber bestritt das, erzählte vielmehr die Geschichte von einem rätselhaften dunklen Audi, der seine Fahrer verfolge, jage und auch bei seinem Arbeitgeber nachts ohne Licht vorfahre.


Auf der Strecke von Otting nach Brünning waren zwei Beamte einem BMW des Angeklagten in einigem Abstand gefolgt, als der Fahrer rückwärts in einen Feldweg stieß. Die Beamten stellten ihr Zivilfahrzeug vor den BMW. Beim Versuch, mit einem »Stopp Polizei« die Fahrertüre zu öffnen, fuhr der Fahrer wieder los. Weil die Beamten nicht sofort hatten wenden können, war der BMW im Dunkel des Abends verschwunden. »Ich habe den Fahrer eindeutig erkannt, zu tausend Prozent«, versicherte der 37-jährige Polizeihauptmeister, der den Angeklagten lange kennt. »Wir wissen viel über ihn. Ja, er lässt sich fahren, fährt aber auch selber.« Bei diesem Vorfall hatte der Beamte eilig zurücktreten müssen, damit ihm der Hinterreifen des BMWs nicht über den Fuß rollt.

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Zuvor hatte der Angeklagte geschildert, dass seine Fahrzeuge gejagt, geschnitten und ausgebremst würden, Fahrer panisch und voller Angst zu ihm kämen. Einmal sei es ihm gelungen, den mysteriösen schwarzen Audi zu stellen. »Im Fahrzeug ein ganzer Packen Kennzeichen. Erst als ich den beiden Männern gedroht habe, die Polizei zu verständigen, haben sie sich als Polizisten zu erkennen gegeben.«

Von Richter Christopher Lang gefragt, ob der Angeklagte unter Beobachtung stehe, gestand der Beamte: »Wir haben ein Auge drauf. Wir wissen, wo er wohnt und arbeitet. Und wir kennen seine Autos.«

Der Teisendorfer ist zehnfach vorbestraft, Bewährungen waren stets widerrufen worden. Für Schlagzeilen in der Region hatten Diebstahlserien in Tittmoning, Waging und Surberg gesorgt, wo der Mann Kettensägen, Benzinkanister und Bierkisten mitgenommen hatte. Ein Moped hatte er eine Zeit genutzt, ehe er es mit Benzin übergoss, anzündete und später in die Salzach warf. Insgesamt vier Jahre und zwei Monate hat der Angeklagte bereits hinter Gittern verbracht. Zuletzt war er im Februar 2020 aus der Haft entlassen worden.

»Trotzdem hat er es bis jetzt nicht kapiert«, bewertete Thomas Peter die lange und breite Strafliste. Der Staatsanwalt ist überzeugt: »Er wird wieder fahren.« Peter beantragte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten – ohne Bewährung. Er sei »definitiv« nicht gefahren, blieb der Teisendorfer bei seiner Version und klagte: »Man hätte das doch klären können. Warum hat man nicht bei mir zu Hause angeklingelt?« Wäre er wirklich gefahren, so würde er das zugeben, wie bei einem noch anstehenden Verfahren in Traunstein. »Immer dieser Ärger«, haderte der 34-jährige, »ich will meinen Frieden haben.«

Christopher Lang sah die Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Widerstands gegen Voll-streckungsbeamte bestätigt. »Der Beamte stand dem Angeklagten face to face gegenüber. Er hat ihn absolut sicher erkannt.« Strafen hätten bislang nicht gefruchtet, weshalb erneut nur eine unbedingte Strafe in Frage komme. Der Strafrichter entschied auf fünf Monate. Kuriosum am Rande: Der Teisendorfer hatte die Anklage gar nicht richtig durchgelesen. »Ich dachte, heute würde es um eine andere Sache gehen.«

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