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Teisendorfer möchte Schule in Kolumbien renovieren

Teisendorf – Von Teisendorf in die Sierra Nevada de Santa Marta: Um eine Brauerei aufzubauen, kam der gelernte Brauer und Mälzer Jonas Kohberger im Jahr 2014 nach Kolumbien – und ist geblieben. Nach Stationen als Braumeister und Brauereimitbesitzer schlägt er nun eine andere Richtung ein. Der 33-Jährige engagiert sich als eine Art Bürgermeister der 400-Seelen-Gemeinde Las Cabañas unweit der kolumbianischen Karibikküste. Sein aktuell größtes Projekt: Die kleine Schule im Ort muss von Grund auf renoviert werden. Dafür hat Jonas Kohberger nun eine Spendenkampagne gestartet, mit der er 10.000 Euro einsammeln möchte.


Mangos und Bratwürstchen

Mit seiner ehrenamtlichen Arbeit für die Gemeinde verdient der gebürtige Teisendorfer kein Geld. Seinen Lebensunterhalt muss er anders bestreiten: »Wir besitzen eine zehn Hektar große Finca, auf der wir ökologische Landwirtschaft betreiben und Maracujas, Papayas, Koriander, Mangos, Avocados und Bananen anbauen«, erzählt der 33-Jährige, der mit seiner kolumbianischen Freundin eine sechs Wochen alte Tochter hat, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Außerdem verdient Jonas Kohberger Geld mit Brauereiberatungen und dem Verkauf selbst gemachter Bratwürste.

Die Renovierung der Schule ist für ihn eine reine Herzensangelegenheit. »Kinder sind unsere Zukunft! Und je besser ihre schulische Bildung ist, desto größer sind auch ihre Chancen im späteren Leben«, ist Jonas Kohberger überzeugt.

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Jonas Kohberger (33) aus Teisendorf lebt mit seiner Freundin und kleiner Tochter in Kolumbien, betreibt ökologische Landwirtschaft und engagiert sich ehrenamtlich in seinem Dorf Las Cabañas unweit der Karibikküste. Dort will er mit Hilfe von Spendengeldern die Schule renovieren. (Fotos: privat)

In der abgelegenen ländlichen Gegend, in der sich die Schule befindet, gibt es immer wieder bewaffnete Konflikte, zuletzt zwischen dem Clan del Golfo und dem hiesigen Paramilitär. »Viele Familien wurden vertrieben. Sie arbeiten als Selbstversorger für ihren eigenen Lebensunterhalt und kämpfen um die Sicherung ihrer Grundbedürfnisse«, erzählt er. Von der kolumbianischen Regierung würden sie weitestgehend ignoriert »Sämtliche Regierungsprogramme, die den Familien und vor allem den Kindern helfen könnten, kommen leider nie an. Ein- bis zweimal im Jahr schauen Regierungsvertreter kurz vorbei, um leere Versprechungen zu machen.«

Deshalb nehmen Jonas Kohberger und seine Kollegen in der Gemeinde die Modernisierung der Schule selbst in die Hand. Mittels einer Spendenkampagne, die über https://www.gofundme.com/f/repair-a-school-in-colombia unterstützt werden kann, wollen sie 10.000 Euro aufbringen. Die gesamte Summe kommt direkt der Schule und den Kindern zugute.

»Unsere Schule ist in einem erschreckenden Zustand des Verfalls und nicht in der Lage, die grundlegende Bildung anzubieten, die jedes Kind braucht«, schreibt Kohberger auf der Spendenseite. Es gebe weder Strom noch Internet. Für die Schüler sei es schwierig, beim Lernen voranzukommen. Die Aufgaben würden von einem maroden Whiteboard in Hefte abgeschrieben; es fehle an Lehrmaterial, Stühlen und Tischen. Ein einziger Lehrer kümmere sich um die Jahrgangsstufen 1 bis 5 – alle in einem Raum. Auch die Toiletten seien kaum zu gebrauchen, da es kein fließendes Wasser gebe.

»Mit den Spenden wollen wir Dach und Wände dichtmachen, damit keine Spinnen, Schlangen oder Moskitos eindringen können. Die Toiletten werden komplett erneuert und fließendes Wasser installiert«, erklärt der 33-Jährige. Außerdem sollen Unterrichtsmaterialien und neue Schulbänke finanziert werden. Darüber hinaus möchte Kohberger eine kleine Solaranlage kaufen, damit Satelliteninternet installiert werden kann: »Damit können die Schüler ihre Aufgaben deutlich besser und einfacher erledigen.«

Da viele Kinder in Kolumbien unterernährt sind, gibt es eigentlich ein staatliches Ernährungsprogramm. Es soll sicherstellen, dass die Schüler zumindest ein ordentliches Mittagessen bekommen. Doch die Schule in Las Cabañas hat dazu bisher noch nicht die Möglichkeit: »Wir wollen eine einfache Küche bauen, damit unsere Schule an dem Ernährungsprogramm teilnehmen kann.«

Was außerdem noch fehlt, sind ein Sportplatz und die passenden Sportgeräte: Nicht einmal einen einfachen Fußball gibt es in der kleinen Schule. Mit dem gespendeten Geld soll ein Sport- und Spielplatz gebaut werden, der einen einfachen Sportunterricht möglich machen soll und zusätzlich auch als Pausenhof genutzt werden kann. Denn Jonas Kohberger weiß: »Die Kinder hier in Las Cabañas brauchen nicht nur Schulbildung, sondern auch Spiel, Spaß und Erholung.«

JuC

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