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Die kräftezehrende Arbeit am Meiler ruhte vor allem auf den Schultern der Jungköhler. (Foto: Mergenthal)

Reiche Kohlenernte aus 50 Ster Holz – Ansturm auf Köhlerfest in Neukirchen

Teisendorf – Schwitzen mussten die Neukirchner Köhler heuer viel beim Abbau des Meilers beim Köhlerfest: Von oben stach die Sonne, von unten erhitzte sie die Glut des Feuers im Kohlenmeiler. Bei traumhaftem Sommerwetter strömten zahlreiche Besucher aller Generationen in den mit jungen Birken verschatteten Biergarten neben der Köhlerhütte und genossen Musik, Brotzeiten und ein umfassendes Rahmenprogramm rund um die »Heilkräfte der Natur«.


»Wir haben ein super Wetter gehabt«, blickt Steffi Enzinger, Vorsitzende der Neukirchner Köhler, zufrieden auf zweieinhalb Wochen zurück. 50 Ster Holz wurden verkohlt, zwei Drittel Buche und ein Drittel Fichte. Damit alles reibungslos lief, wurde der Meiler Tag und Nacht bewacht. Einer war ganz besonders fleißig: Für stattliche fünf Nachtwachen erhielt Stefan Gut ein 30-Liter-Fass Bier.

Jung und Alt halfen bestens zusammen. Vor allem die körperlich anstrengenden Arbeiten direkt am Meiler, wo die Kohle abgestochen und in die Lore geladen wurde, die mit Hilfe einer kleinen Bahn ins »Tal« rollte und dann wieder heraufgezogen wurde, ruhten maßgeblich auf den Schultern der Jungköhler. Natürlich freuten sich diese über gelegentliche Bierlieferungen der Köhlerliesl Theresa Zollhauser und ihrer Helferinnen. Unten beim Entladen, Löschen und Ausbreiten der Kohle zum Abkühlen halfen auch ein paar Buben unermüdlich mit.

Die Kohlenernte fiel reichlich aus. So konnten am Spätnachmittag die schwarzgesichtigen Männer mit ihrem Werkzeug in einer Prozession mit der Musikkapelle Neukirchen zufrieden ihren Arbeitsplatz endgültig verlassen und unter Applaus in den Biergarten einziehen.

Mehrere Stände und Angebote rund um die Kräuter sorgten diesmal für Abwechslung. »Früher haben wir viel Handwerk hergezeigt. In diese Richtung sind wir noch nie gegangen. Früher ist auf die Kräuter viel gegeben worden und auch heute ist dieses Thema wieder sehr gefragt«, erklärte Steffi Enzinger zur Entstehung der Idee. Bereits während der Köhlerwochen hatte eine Kräuterwanderung gute Resonanz gefunden.

Bianca Ertl aus Feichten im Kreis Altötting, Kräuterpädagogin und Krankenschwester, erkundete mit einer Schar Interessierter einige Kräuter in der benachbarten Wiese, wie den »Wiesenkönig«, den Spitzwegerich, der am Gründonnerstag in die Kräutersuppe passe. Die Mitwanderer erfuhren zum Beispiel, dass man die Samen des Breitwegerichs als Flohsamenersatz verwenden kann und dass man aus dem Ackerschachtelhalm dank seiner Kieselsäure eine »Anticellulite-Creme« herstellen könne.

Viel Andrang gab es auch beim »Kräuterwastl«. Sebastian Viellechner aus Weyarn ist Holzknecht und Kräuterpädagoge. Er erklärte den Kräuterstrauß für das Fest Mariä Himmelfahrt. »Ich stelle den Kräuterbuschen nach meinen Bedürfnissen zusammen«, betonte er. So dürften Salbei mit seinen Bitterstoffen und der die Fettverbrennung anregende Beifuß oder das die Libido fördernde Liebstöckl nicht fehlen.

Der Bienenzuchtverein Neukirchen präsentierte Blumen und andere Pflanzen für einen bienenfreundlichen Garten, verschiedene Honige seiner Mitglieder und eine Honigschleuder. Auch der Kramerladen von Helga Prechtl, das frisch gebackene Brot und eine große Wippe waren Magnete für das Publikum, das sich auch mit historischem Tontaubenschießen vergnügen konnte. Dazu spielten der Ruhpoldinger Tanzl-6er und die Musikkapelle Neukirchen auf.

vm

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