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Neuer Schwung trifft auf langjährige Erfahrung – Große Altersspanne im neuen Gemeinderat

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Teisendorf: Große Altersspanne im neuen Gemeinderat – Neuer Schwung trifft auf langjährige Erfahrung
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Georg Quentin (links) ist seit 42 Jahren Gemeinderat in Teisendorf. Felix Gasser (rechts) wurde erstmals in das Gremium gewählt. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Wenn Anfang Mai der neue Teisendorfer Gemeinderat seine Arbeit aufnimmt, werden ihm auch Georg Quentin (SPD) und Felix Gasser (CSU) angehören. Quentin wird dann mit fast 77 Jahren der älteste in der Runde sein, Gasser mit gerade mal 24 Jahren der Jüngste.


Mehr als ein halbes Jahrhundert an Lebenszeit trennt die beiden. Und 42 Jahre an Gemeinderatserfahrung, denn Georg Quentin ist seit 1978 ununterbrochen für die SPD im Gemeinderat, Gasser ist jetzt zum ersten Mal dabei. Die beiden stehen sinnbildlich für einen Rat, in dem alle Altersschichten aus der Gemeinde vertreten sind und in dem sich der Generationenwechsel nicht abrupt, sondern durch sanfte Übergänge vollzieht.

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Georg Quentin – gelernter Koch und Metzger, Küchenmeister, verheiratet seit 1969, zwei Kinder, vier Enkelkinder – hat als Gemeinderat drei Bürgermeister erlebt und war selbst sechs Jahre lang dritter Bürgermeister. Einmal hat er sogar für die SPD als Bürgermeister kandidiert. Er ist Mitglied im Bau-, Tourismus- und Rechnungsprüfungsausschuss.

Auch im Kreistag darf Georg Quentin seine Erfahrung, dem er seit 24 Jahren angehört, wieder als Rat einbringen. Seine ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde, in Vereinen und im Beruf wurde mit hohen Auszeichnungen gewürdigt. 2004 erhielt er die Goldene Ehrennadel des Marktes Teisendorf, 2019 die Goldene Ehrenmedaille der IHK München und Oberbayern sowie die Verdienstmedaille in Gold mit großem Kranz des DLSV.

Aus seiner langjährigen Erfahrung hat er für seine jungen Kollegen gute Ratschläge für die Arbeit im Gemeinderat parat. Man dürfe als Gemeinderat nicht versuchen, es allen recht zu machen, das gehe sowieso nicht, man dürfe nicht zu viel versprechen, seine Meinung auch mal ändern, wenn es fundierte Argumente dafür gibt, man müsse die Meinungen der anderen Gemeinderäte respektiere und wenn eine demokratische Entscheidung gefallen ist, diese akzeptieren.

Im Gemeinderat gibt es nur »Ja« oder »Nein«

»Ganz wichtig zu wissen ist: Im Gemeinderat gibt es nur ein 'Ja' oder ein 'Nein', keine Enthaltung. Das heißt, man muss Position beziehen«, sagt Quentin im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Er selbst habe viele dieser Ratschläge vor 42 Jahren vom damaligen Bürgermeister Fritz Lindner bekommen und sei noch heute dankbar dafür.

Das jüngste Gemeinderatsmitglied Felix Gasser ist beruflich als Vermesser und Bauzeichner im Bereich Tiefbau unterwegs. Geboren wurde der 24-Jährige im afrikanischen Tansania, wo seine Eltern drei Jahre als Entwicklungshelfer tätig waren, »dahoam« ist er in Teisendorf, wo er bei seiner Familie, mit drei Geschwistern lebt.

Auch wenn er noch soviel jünger ist als Georg Quentin, hat Felix Gasser schon einiges an Erfahrung, auch in verantwortlicher Position im Ehrenamt, vor allem in der Jugendarbeit. Seit knapp zehn Jahren ist er Vorstand der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) am Ort und auch im Kreisverband Berchtesgadener Land und Diözesanverband München-Freising aktiv. Er leitet den Jugendchor Teisendorf, organisiert Jugendzeltlager, spielt mit Begeisterung und Talent Theater bei der Kolpingfamilie.

Die Ratschläge des altgedienten Gemeinderats Quentin kann er gut brauchen, auch wenn er durchaus schon eigene Vorstellungen von der Arbeit im Gemeinderat hat. »Mir ist es sehr wichtig, dass eine neue Generation Einzug in den Rat erhält. Neue Ansichten, neue Ansprechpartner, frischer Wind ...« . Seine Wahl sieht er auch als Vertrauensbeweis in die Fähigkeiten der Jugend. Er möchte seine Arbeit als Gemeinderat so einrichten, dass er ein direkter Ansprechpartner für alle Jugendlichen und jungen Bürger und Bürgerinnen wird.

Mit neuen Medien für die Jugend da sein

Und auch die digitalen Medien, sozialen Netzwerke, das Internet, mit dem er aufgewachsen und von Grund auf vertraut ist, dazu nutzen. »Dieses Know-how, diese Einstellung und Vertrautheit geben mir schon eine andere, vielleicht auch neue Anschauungsweise für spätere Entscheidungen«, ist er überzeugt.

Georg Quentin macht die derzeitige, durch Corona bedingte Lage große Sorgen auch für die finanzielle Situation der Gemeinde. Werden die Einnahmen zurückgehen und damit der Haushalt schrumpfen? Welche Projekte, welche freiwilligen Leistungen der Gemeinde werden darunter leiden? Er weiß aus seiner langjährigen Erfahrung aber auch, dass man Ruhe bewahren und einen langen Atem haben muss, vielleicht auch das eine oder andere verschieben oder im Gegensatz hartnäckig weiterverfolgen muss. Als Beispiel nennt er die die Umgehungsstraße von Teisendorf, für die man 30 Jahre lang gekämpft habe, heute ist jeder froh, dass sie da ist. Und auf Kreisebene zeige gerade die derzeitige Krise, wie wichtig die Entscheidung zum Erhalt der Krankenhäuser im Landkreis gewesen sei.

Laptop trifft auf Lebenserfahrung

Auf solche kommunalpolitischen Erfolge muss ein Anfänger wie Felix Gasser noch warten. Ziele, wie Verbesserung der Mobilität, mehr Regionalität, verstärkte Förderung der Jugendarbeit in den Vereinen hat er sich gesetzt, als er sich entschloss, für den Gemeinderat zu kandidieren, die Umsetzung beginnt jetzt im Alltag der Gemeinderatsarbeit. Wenn dort dann Laptop auf Lebenserfahrung trifft, kann es durchaus erfolgreich werden.

Denn sowohl Georg Quentin als auch Felix Gasser wissen, dass sie als gewählte Gemeinderäte Vertreter sind für die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde – unabhängig vom Alter. kon

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