Nach Zusammenstoß: Autofahrerin bekommt Geldstrafe – Gericht gibt Motorradfahrer Mitschuld

Der 65-jährige Motorradfahrer aus dem Landkreis Traunstein behauptete, die Autofahrerin vor ihm habe nicht geblinkt. Die 55-jährige Teisendorferin hingegen versicherte vor Gericht, sie habe geblinkt. Kurz vor ihrem Zuhause war sie an einem Nachmittag im vergangenen August abgebogen, als der Kradfahrer auf seiner schweren BMW zum Überholen ansetzte. Dem Zweiradfahrer gelang ein Ausweichen nach links, wo er auf einem Radweg zu Sturz kam. Wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort sollte die Altenpflegerin 4200 Euro zahlen. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt. 


»Ich dachte, sie will vielleicht nach rechts«, erklärte der Kradfahrer im Laufener Gerichtssaal, »da hab ich mich entschlossen, vorbei zu fahren.« Das war ein Fehler. Einen Zusammenstoß hatte er zwar vermeiden können, nicht aber den Sturz. »Der stand neben mir, und ist dann einfach umgefallen und hat mich beschimpft«, schilderte die Teisendorferin die anschließende Situation. Weil sie sich bedroht gefühlt habe, sei sie weiter gefahren.

Der 65-Jährige beschrieb sich selbst als erfahrenen Motorradfahrer. Zum Aufheben seiner 280-Kilo-Maschine aber brauchte er Hilfe. »Ich wollte erst hinterher, doch in dem Moment war ich zu emotional.« Die Schmerzen aufgrund diverser Prellungen hätten sich zudem erst auf dem Heimweg bemerkbar gemacht. Vier Tage habe er gar nicht arbeiten können, zwei Monate dauerten die Beschwerden an. Den Schaden am Motorrad in Höhe von 2640 Euro hat die Versicherung der Frau inzwischen beglichen. Diese Versicherung hatte ihm daneben auch ein Schmerzensgeld von 500 Euro angeboten, was er aber nicht als angemessen betrachtet. »1500 bis 2000 Euro sagt hier die ADAC-Tabelle.«

»Ich hab ja gesehen, dass ihm jemand hilft und er dann gleich weggefahren ist«, sagte die 55-jährige Teisendorferin und begründete damit, weshalb sie nicht mehr zurückgekehrt war. »Nicht glaubwürdig«, sagte Rechtsreferendarin über die Angeklagte und ihre Version einer gefühlten Bedrohung. »Sie hat keine Anstalten gemacht, dem Mann zu helfen.« Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wollte es bei den 70 Tagessätzen aus dem Strafbefehl belassen, lediglich deren Höhe könne aufgrund des tatsächlichen Einkommens als Teilzeitkraft auf 30 Euro halbiert werden.

»Wir wollen freigesprochen werden«, ließ Rechtsanwalt Stefan Probst keinen Zweifel, denn die Körperverletzung habe der Mann selbst verschuldet. Wenn schon der Zeuge bestätige, dass er seine Verletzungen erst später bemerkt habe, wie hätte das dann seine Mandantin erkennen sollen. »Da beißt’s scho aus.« Der »Superprofi« auf dem Zweirad habe anschließend die Nerven verloren; und eingestanden, er habe überholt, nachdem die Autofahrerin ihre Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer verringert hatte. Der Verteidiger sah ein Mitverschulden des Mannes, der trotz dieser unübersichtlichen Situation überholt hatte. Lediglich wegen des unerlaubten Entfernens konnte sich Probst eine geringe Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 20 Euro vorstellen.

Josef Haiker sah eine Verletzung der doppelten Rückschaupflicht durch die Angeklagte bestätigt. Anstatt sich zu vergewissern, ob der Mann verletzt ist, habe sie den Unfallort verlassen, ohne ihre Daten zu hinterlassen. Gleichwohl wollte der Strafrichter dem Motorradfahrer ein Mitverschulden anlasten, denn »bei einer unklaren Verkehrssituation darf er nicht überholen.« Haiker folgte mit den 2100 Euro dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

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