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Hopfenzupferfest in Corona-Zeiten »ruhiger, leiser und gemütlicher«

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Teisendorf: Hopfenzupferfest in Corona-Zeiten »ruhiger, leiser und gemütlicher«
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»Ruhiger, leiser und gemütlicher« war heuer das Hopfenzupferfest aufgrund von Corona.

Teisendorf – Wenn Anfang September die Dolden des Hopfens im Teisendorfer Hopfengarten reif sind, freut sich nicht nur die Brauerei Wieninger über einen wichtigen Rohstoff für ihr Hoamat-Weißbier, sondern die ganze Marktgemeinde auf das Hopfenzupferfest. Doch in diesem Jahr war coronabedingt fast alles anders – oder wie Bräu Christian Wieninger sagte: »Ruhiger, leiser und gemütlicher.«


Denn eigentlich gibt es beim Hopfenzupferfest gute Musik, ein buntes Rahmenprogramm, und die von den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins abgeernteten Reben werden mit einem Oldie-Traktor auf das Festgelände der Brauerei gebracht. Dort gibt es dann süffiges Bier und viel gute Laune bis tief in die Nacht hinein. Jeder der Lust hatte, konnte mitmachen und mitzupfen. Dies alles, wohlgemerkt, in »normalen« Zeiten.

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In diesem Jahr waren zum Zupfen der reifen Dolden nur die Mitarbeiter der Brauerei eingeladen, die auch zahlreich erschienen. Der Oldie-Traktor wurde von Stefan Koch gefahren. Damit es nicht gar so leise zuging, saßen auf dem Anhänger auch Monika Graspointner-Geier und Jonas Karg und spielten auf der Ziach flotte Stücke.

Bräu Christian Wieninger begrüßte seine Mitarbeiter, bedankte sich für ihr Kommen und bat um die Einhaltung der Abstandsregeln von 1,5 Metern während des Zupfens. Nur Familienmitglieder durften näher zusammensitzen. Zudem teilten sich die Mitarbeiter in Gruppen auf, wie sie auch im normalen Betrieb zusammenarbeiten. Man brauche 30 Kilogramm Naturhopfen für 80 Hektoliter Hoamat-Weißbier, erklärte Braumeister Bernhard Löw. Dies sei nicht sehr viel, aber auch nicht wenig. Und weil die Ernte in diesem Jahr nur mittelmäßig gewesen sei, kostete es einige Zeit und Mühe, bis die Menge zusammen gekommen war. Denn nur die grünen Dolden ohne Blätter, seien für ein gutes Bier geeignet, so der Braumeister.

Nachdem die Arbeit getan war, gab es dann doch noch eine Überraschung, die an die Hopfenzupferfeste in den vergangenen Jahren anknüpfte, als immer wieder alte bäuerliche Traditionen, wie zum Beispiel das Drischl-Dreschen vorgeführt wurden. Die »Bäuerinnen aus dem Berchtesgadener Land«, ein Verein, dessen Mitglieder sich als Kulturbotschafterinnen für Essgenuss mit regionalen Lebensmitteln verstehen und mit denen die Brauerei Wieninger von Beginn an eng zusammenarbeitet, brachten für die fleißigen Zupfer eine Brotzeit – ein Bschoad-Binkerl (Brotzeit-Packerl), eingepackt in einem Bschoad-Tiachei (siehe Kasten).

Es enthielt regionale, wohlschmeckende Köstlichkeiten wie ein langzeitgeführtes Sauerteigbrot von Elisabeth Mayer aus Kemating, Hopfenzupfer-Beißer aus Weideochsenfleisch von Christian Sichert aus Laufen, Heumilchkäse vom Maurerlehen am Salzberg, ein Brotzeit-Ei vom Hofhammer aus Teisendorf, Kräutersalz von Monika Angerer aus Marktschellenberg sowie heimisches Obst. Details konnte man der beigefügten Produktinformation entnehmen.

In Kombination von Tradition und Moderne hatte Monika Angerer das Tuch mit Bienenwachs und antibakteriell wirkendem Baumharz eingelassen, so dass es die Lebensmittel vor allem Brot, sehr gut frisch hält, erklärte die Vereinsvorsitzende Gitti Leitenbacher den weiteren Sinn dieser Verpackungsart. Das Tiachei kann immer wieder verwendet und mit einem feuchten Tuch gereinigt werden. Die »Bäuerinnen aus dem Berchtesgadener Land« haben sich an diese Art der nachhaltigen und wiederverwertbaren Verpackung aus früheren Zeiten erinnert und möchten damit auch ein Zeichen gegen die Plastik-Verpackungsflut setzen.

Die Idee kam bei den Anwesenden gut an, die regionale Brotzeit hat allen sehr gut geschmeckt. So wurde das gemütlichere Hopfenzupfen in diesem Jahr doch noch zu einer runden Sache. kon

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