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Handgefertigte Krippenfiguren als Markenzeichen

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Maria Lemberg (links) und Resi Lamminger »fachpinseln« noch heute über die Krippen­figuren. (Fotos: Konnert)
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Maria und Josef – handgefertige Krippenfiguren des Teisendorfer Frauenbunds.

Teisendorf – Wenn Resi Lamminger und Maria Lemberg über die 35 Jahre erzählen, in denen sie zusammen mit über zwanzig weiteren, engagierten Frauenbundfrauen in Teisendorf in mühsamer Handarbeit tausende Krippenfiguren gefertigt haben, bekommen sie leuchtende Augen: »Es war eine wunderschöne Zeit, schade, dass sie vorbei ist« sagt Maria Lemberg etwas wehmütig. Resi Lamminger fügt ohne Zögern hinzu: »Die Gemeinschaft, der Zusammenhalt, die vielen gemeinsamen Abende...«

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Sie stellt eine große Schachtel auf den Tisch, in der die Erinnerungen schlummern – aus Wachs, Gießholz, Draht und Textilien gefertigte Krippenfiguren, Maria und Josef, der Esel, Hirten und Schafe, Engel, Buben und Mädchen, Wasserträgerinnen, Flöten- und Geigenspieler, die Heiligen Drei Könige mit ihrer Gefolgschaft, Kameltreiber mit Kamel, ein Elefant und noch einiges mehr. Jede Figur ein Unikat, mit Fantasie und Fleiß in mühsamer Kleinarbeit hergestellt.

Als der KatholischeFrauenbund 1981 erstmals vom Pfarrgemeinderat gebeten wurde, einen Christkindlmarkt zu organisieren, kamen die beiden Frauen auf die Idee mit den Krippenfiguren. Zuerst habe man Wachsköpfe gekauft, erinnert sich Resi Lamminger. Da diese aber etwas zu groß und zu schwer waren, hatte man Probleme mit der Standfestigkeit der fertigen Figuren. Die zündende Idee kam den beiden Frauen, als sie durch Bekannte von »Gießholz« erfuhren, einer Gießmasse, die man in vorgefertigte Formen ausbringen kann und die ausgehärtet, sehr beständig und bemalbar ist.

Nun ging man daran, für die Köpfe, Hände und Füße Formen aus Silikon zu fertigen. Als Vorlage dienten Köpfe, die ein Nachbar aus Holz eigens dafür geschnitzt hat oder solche von Billig-figuren, die man zufällig gesehen und als interessant befunden hat. »Da war zum Beispiel ein Kräuterweiberl, dessen Gesichtsausdruck uns gut gefallen hat, aus dem haben wir dann eine Gießform herausgearbeitet«, beschreibt Lamminger das Vorgehen. Die Silikonformen wurden dann mit Gießholz ausgegossen. »Dies ging nur bei warmem Wetter im Freien, damit die Masse richtig aushärtet und die Augen und Atemwege nicht gereizt wurden. Deshalb haben wir mit der Herstellung der Krippenfiguren immer schon im Sommer begonnen«, erzählt Maria Lemberger.

Was sich so einfach anhört, war mühsame Kleinarbeit, bei der auch manches schief ging. So durften beim Gießen keine Luftblasen entstehen und die kleinsten Vertiefungen der Form mussten komplett ausgefüllt sein. Wenn man sich heute die kleinen aber feinen Gesichter oder die fast miniaturhaften Hände und Füße der Figuren ansieht, von unterschiedlicher Form und Mimik, kann man sich die Anspannung der beiden Frauen, gebeugt über die Gießformen, richtig vorstellen. Denn die Masse konnte, sobald sie mit Härter versetzt war, nicht wiederverwendet werden.

Bereits während des Gießens wurden in die einzelnen Teile Drähte eingearbeitet, die später miteinander verbunden das Gerüst des Figurenkörpers bildeten. Die fertigen Köpfe und Gliedmaßen mussten nach Entfernen der Form geputzt werden, so dass die Nähte nicht mehr sichtbar waren. Anschließend wurden sie bemalt und bekamen so den richtigen Blick.

Diese Feinarbeit hat über all die Jahre Maria Winkler gemacht. Talent und eine ruhige Hand waren dieVoraussetzung für das Gelingen. Wenn die Arbeit zu viel wurde, hat sie sich Hilfe von einer Bekannten geholt. Dann wurden die einzelnen Teile – Kopf, Hände und Füße – verdrahtet und mit Schrägstreifen aus Leinen oder ähnlichem Material eng umwickelt, so dass daraus eine Figur entstand. Die Schrägstreifen hatten manche Helferinnen bereits zuhause geschnitten.

Fehlte noch das Einkleiden. Resi Lamminger hat alle »Modelle« dazu entworfen, zugeschnitten und vorgenäht. Die Endfertigung oblag dann den Helferinnen, die sich dazu in zwei Gruppen jeweils am Montagabend, später auch am Mittwochnachmittag bei Lembergs oder Lammingers trafen. Meist waren es acht bis zehn Frauen, die um den großen Tisch in der Nähstube über die Figuren gebeugt saßen und sie mit Nadel und Faden zum Leben erweckten. Nicht nur die Finger gingen schnell, sondern häufig auch der Mund und so war es immer lustig.

Drei Standardgrößen hatten die Frauenbundfrauen im Angebot: zehn, vierzehn und achtzehn Zentimeter. Faszinierend sind die vielen kleinen Details der einzelnen Figuren, die man oft erst auf dem zweiten oder dritten Blick entdeckt: die kleine Puppe in der Hand des Mädchens, das Bündel Reisig, das ein Hirte trägt, die Feder am Hut des Flötenspielers, die prächtigen Mäntel der Weisen aus dem Morgenland, die Laterne in Josefs Hand, ein kleiner Eimer, eine Miniamphore, der Turban des Kameltreibers und vieles, vieles mehr. Über die Jahre wurden die Krippenfiguren zum Markenzeichen des Christkindlmarkts, den der Frauenbund bis 2015 zuerst jährlich, später dann jedes zweite Jahr im Wechsel mit der Rotkreuzbereitschaft Teisendorf organisiert hat.

Ab und zu ist man auch auf Weihnachtsmärkten in Salzburg, Waging oder Laufen zum Verkauf gewesen. Häufig wurden die Krippenfiguren aber schon im Voraus bestellt und sogar im Sommer verkauft, waren sie doch beliebte Geschenke für Hochzeiten oder ähnliche Anlässe. »Sogar nach Amerika sind einige unserer Figuren als Geschenke verschickt worden«, betont Maria Lemberg, die damals auch Vorsitzende des Frauenbunds war. Vorbestellungen für das nächste Jahr waren bei den Weihnachtsmärkten üblich, wenn eine Figur bereits »ausverkauft« war. Der Erlös wurde immer für gute Zwecke gespendet.

Die Nachfrage wäre immer noch da, erzählt Resi Lamminger, auch jetzt bekommt sie noch Anrufe, ob denn noch Krippenfiguren zu haben seien. Aber das Alter der Bastlerinnen hat seinen Tribut gefordert, 2015 hat sich die Bastelgruppe aufgelöst, es wurde einfach zuviel. Zwar hätten einige junge Frauen kurz nachgefragt, aber dann doch nicht den Mut gehabt, sich darauf einzulassen.

So ganz abgeschlossen hat Resi Lamminger natürlich noch nicht mit ihren Figuren. Jetzt bastelt sie an langen Abenden allein in ihrem Nähzimmer an Figuren für ihre vielen Enkelkinder. Denn jedes soll von ihr für eine Krippe die »Ausstattung« bekommen. Und jede Krippe wird wieder etwas anders aussehen wie die andere, denn die Fantasie ist Resi Lamminger auch nach so langer Zeit nicht ausgegangen. kon

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