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Es klappert die Mühle am rauschenden Bach – Heimische Erzeuger in Krisen-Zeit hoch im Kurs

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Teisendorf: Heimische Erzeuger in Corona-Krisenzeit sehr gefragt
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Außerordentlich begehrt in Zeiten der Corona-Krise sind heimische Produkte aus dem Betrieb der Mühlen. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Mit steigender Verunsicherung durch das Coronavirus schnellten in den Supermärkten die Verkaufszahlen für bestimmte Grundgüter in die Höhe. Zu den heiß begehrten Artikeln gehörten nicht nur Toilettenpapier, sondern auch Mehl, Trockenhefe und Nudeln. Schließlich kann man daraus in der Not sein eigenes Brot backen oder schnell eine Mahlzeit zubereiten, eine Aussicht die Sicherheit vermittelt.


Auch bei den zwei privaten Mühlenläden in Teisendorf, der Surmühle und der Maiermühle, war in den letzten Wochen die Nachfrage vor allem an verschiedenen Mehlsorten deutlich höher als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. »Der Absatz war so hoch wie nie«, sagte Philipp Strohmaier, der Inhaber der Surmühle.

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Den guten Absatz konnte Mathias Mühlbacher von der Maiermühle bestätigen. »Viele sind zu uns gekommen, weil die großen Geschäfte schon leer gekauft waren. Das führt uns vor Augen, wie wichtig regionale Produzenten sind.« Inzwischen habe sich das wieder etwas beruhigt. Man müsse sich auch keine Sorgen machen, dass Mehl ausgehe, denn Engpässe bei Mahlgetreide, Weizen, Roggen und Dinkel seien nicht zu erwarten. Man habe sich gut bevorratet, auch sonst gäbe es auf dem Markt genügend Getreide auf Lager.

Was diese Krise aber zeigt, da sind sich beide Mühlenbesitzer einig, ist, wie wichtig die regionalen Kleinanbieter für eine gute, naturbelassene und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sind. Denn fällt ein großer Versorger aus, kann das schnell zu Engpässen bei bestimmten Lebensmitteln führen. Deshalb mache ihm die Veränderung der Mühlenlandschaft auch große Sorgen, so Philipp Strohmaier.

Laut dem Bayerischen Müllerbund gab es 1950 in Deutschland noch fast 19.000 Mühlen. 30 Jahre später waren es noch gut 2500, heute sind es 550. Darunter sind 196 große und größere Unternehmen, die mehr als 1000 Tonnen Getreide im Jahr vermahlen. Diese Konzentration habe für die Versorgung nicht nur Vorteile, ist Strohmaier überzeugt. Man müsse nur an die langen Transportwege oder die Auswirkungen eines eventuellen Betriebsausfalls bei einem Großbetrieb, der im Bundesdurchschnitt 400.000 Menschen versorgt, denken. Da sei man dann froh, wenn es vor Ort oder in der näheren Umgebung noch eine Mühle oder einen Mühlenladen mit einem großen Angebot und persönlicher Beratung für den Verbraucher gibt.

In Teisendorf gibt es gleich zwei Mühlenläden mit einem reichen Sortiment an Mehl, Bio-Getreide, Backzutaten, Müslis, Nudelsorten, Eiern und vielem mehr. Die beiden Betriebe, zu denen diese Läden gehören, haben unterschiedliche Betriebskonzepte und -strukturen, setzen aber beide auf nachhaltige Familientradition, Regionalität, Qualität und Kundenfreundlichkeit.

Die Surmühle ist seit 1812 im Familienbesitz der Familie Strohmaier, die Familientradition bis 1500 zurück verfolgbar. Ursprünglich war der Betrieb eine reine Mühle. Als zweites Standbein gab es noch ein Sägewerk, das aber in den 70er Jahren aufgegeben wurde. Als Ersatz entschied sich der Betrieb mit dem Futtermittelhandel anzufangen, der sich inzwischen sogar zum Kerngeschäft entwickelt hat. 1980 wurde der Mühlenladen, vor drei Jahren eine Dinkelschälanlage eingebaut, die heute für verschiedene Bioproduzenten im Lohnauftrag arbeitet. Die Betriebsdiversifizierung und die Ausrichtung auf Naturkostlebensmittel im Laden hätten sich gelohnt, sagt Philipp Strohmaier. Der Verkaufsladen sei das Aushängeschild des Betriebs und werde nicht nur in Zeiten wie diesen gut nachgefragt.

Die Maier-Mühle befindet sich seit 1729 in achter Generation im Besitz der Familie Mühlbacher, im letzten Jahr feierte man das 250-jährige Bestehen. »Die neunte Generation wächst gerade heran«, meint der selbst noch junge Chef Mathias Mühlbacher lächelnd, als das Babyfon anspringt. Hier wird das Getreide noch selbst gemahlen, der Roggen für das Roggenmehl sogar selbst angebaut. Das Wasserrad des Mühlbachs treibt die Mühle wie anno dazumal an. »Es klappert die Mühle am rauschenden Bach« gilt nach wie vor.

Schon 1430 muss das so gewesen sein, als im ältesten Güterverzeichnis der Pfarrei Teisendorf am »Kalsbach« eine Mühle erwähnt wurde. Mathias Mühlbacher mahlt nur für den freien Verkauf an private Kunden in seinem Mühlenladen und beliefert noch einige Gaststätten, aber keine Bäckereien.

»Wir sind mit unserem Kundenstamm zufrieden«, so der Mühlen- und Ladenbesitzer. Wenn die derzeitige Krise zu einem Umdenken auf das Ursprüngliche und zu mehr Regionalität führen würde und damit auch zu einer gesteigerten Nachfrage im eigenen Laden, würde das ihn – und zukünftige Generationen – sehr freuen. kon

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