Erneut unsichere Saison für Faschingsfreunde: »Irgendwas machen wir am Faschingssonntag«

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Mit der Faschings-Uniform über dem Arm auf Abruf bereit: Rita Kapferer hofft, am Faschingssonntag einen Zug auf die Beine stellen zu können, und bittet um Beiträge.

Teisendorf – Bereits 1881 war der erste Faschingszug in Teisendorf. 2021 wäre das 140-jährige Bestehen des nah und fern bekannten, beliebten Gaudiwurms gewesen – Fehlanzeige wegen Corona. Trotz Absage der Jahresversammlung am 11.11. lassen sich die Faschingsgesellschaft Sing-Sang Teisendorf und seine Präsidentin Rita Kapferer, im »Hauptberuf« Krankenschwester, nicht unterkriegen. »Wir versuchen, am Faschingssonntag 2022 was auf die Beine zu stellen.« Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt ermutigte sie Fußgruppen und Musikkapellen, kreativ zu werden. 


Wie lange gibt es die Faschingsgesellschaft Sing-Sang, und in welchen Ämtern hast Du Dich engagiert?

Der Sing-Sang-Verein wurde 1990 gegründet. Ich war 19 Jahre als Gardetrainerin aktiv und habe sie auch 1996 gegründet. Die Kindergarde habe ich 1998 gegründet und bis jetzt geleitet.

 

Warum wurde die Jahresversammlung abgesagt?

Für die Versammlung galt 3G plus. Es haben einige Leute abgesagt; sie waren nicht bereit, 60 Euro für den PCR-Test zu zahlen, um an der Jahresversammlung teilzunehmen. Es soll aber jedes Mitglied die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Wir haben uns gesagt: Wir verschieben das einfach, wenn es wieder leichter ist, wahrscheinlich auf Januar. Das ist kein Problem, es sind keine Neuwahlen. Das Team, der Elferrat, steht ja. Es weiß jeder, was er zu tun hat. Wenn ich sage: »Es geht los«, dann legen wir los.

 

Wie hast Du dann den Beginn der »fünften Jahreszeit« heuer gefeiert?

Ich habe mit meinem Mann die Faschingsuniform angezogen, Orden umgehängt, mich geschminkt, laute Musik aufgelegt, wir haben mit Sekt auf den Faschingsbeginn angestoßen und das Foto in Facebook gestellt. Dann war es auch wieder gut.

 

Die letzte Saison war das erste Jahr ganz ohne Fasching. Wie hast Du das erlebt?

Das war eine ganz harte Zeit. Am Faschingssonntag haben wir dann unseren Kappiwagen mit der Musikanlage aufgebaut. Ich bin hinten gesessen, vorne mein Fahrer, und wir sind von 13.30 bis 16.30 Uhr ganz langsam durch die ganze Gemeinde gefahren, nach Rückstetten, Mehring, Freidling, Neukirchen, Ufering, überall hin. Es war Valentinstag, ein strahlend schöner Tag. Wir hatten lustige Masken auf und haben die Musik richtig schön laut aufgedreht. Die Frauen haben Schokoherzen bekommen, die Männer Schnap-serl und für die Kinder hatten wir packerlweise Gummibärli dabei. Die Leute haben sich so gefreut, die Kinder sind rausgelaufen. Ich hab' so viele Rückmeldungen bekommen. Danach haben wir unser Kappi vom Auto wieder runter gebaut und so getan, als wär nie was gewesen. Es war mir saukalt, obwohl ich eingepackelt war wie ein Eskimo, weil ich das Fenster ja immer offen hatte, damit ich die Guttis rauswerfen konnte.

 

Hat man im Markt ansonsten gemerkt, dass Faschingssonntag ist?

Ja, einige Faschingsnarrische sind tatsächlich am Marktplatz gestanden und haben gewartet, dass was passiert.

 

Und wie sieht es heuer mit den Faschingsvorbereitungen aus?

Ich habe den Faschingszug mal bei der Gemeinde angemeldet und vorher mit einigen aus dem Elferrat ein persönliches Gespräch geführt. Es ist wichtig, dass wir als Gremium gemeinsam entscheiden. Das Resultat war: Es gibt keine Kindergarde und keine Garde. Wir hatten im Sommer gar nicht mit dem Training begonnen, weil jeder das Gefühl hatte, die Zahlen steigen bald wieder. Wir konzentrieren uns auf den Faschingszug am 27. Februar. Wie die Veran-staltung aussehen kann, da gibt es schon Ideen. Die müssen noch mit der Gemeinde und den Gremien besprochen werden, auch wegen eventueller Auflagen. Dann versuchen wir, was auf die Beine zu stellen. Dafür brauchen wir auch die Ordnungskräfte – Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz –, da findet das Gespräch meistens relativ zeitnah im Januar statt.

 

Sollen sich interessierte Gruppen aus der Bevölkerung also schon was für den Zug ausdenken?

Ja, wir appellieren jetzt schon an die Musikkapellen, an eventuelle Fußgruppen natürlich auch an andere Faschingsvereine, etwas vorzubereiten, wenn sie eine Idee haben. Wir versuchen wirklich, das durchzuziehen. Auch die Traunsteiner und Waginger Faschingsgesellschaften wollen einen Faschingszug machen. Egal wie die Rahmenbedingungen sind: Wir machen was. Und wenn ich mit dem Leiterwagerl alleine die Faschingszugstrecke ablaufe – irgendwas machen wir. Wir hoffen natürlich, dass ein paar mehr Leute daran teilnehmen können. Des waar schee....

 

Was fehlt, wenn es keinen Fasching in Teisendorf gibt?

Für mich persönlich fehlt einiges: Ich bin gern unter Leuten, feiere gern zusammen mit anderen Leuten. Der Fasching ist dazu da, dass man mal den Alltag vergisst und in eine andere Rolle schlüpft. Nach dem Faschingszug verkleide ich mich auch, zum Beispiel als Hexe oder als wunderschöner Pirat. Laute Musik hören, tanzen, Spaß haben. Ob Jung oder Alt: Jeder liebt es, einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Wir sind auch sehr stolz auf unseren Faschingszug, dass die Leute von nah und fern kommen, um dabei zu sein. Das macht auch diese Glücksgefühle, diesen Eustress (positiven Stress). Wenn alles gut läuft, es keine Verletzten gibt, wenn man sieht, dass die anderen Leute auch glücklich sind: Das macht einen selber glücklich. Der Gemeinde und dem Bürgermeister ist es auch wichtig, dass diese Veranstaltung stattfindet. Darüber sind wir glücklich.«

Veronika Mergenthal

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