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Die »Hoch-Zeit« der Narren

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Fasching Faschingszug
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Foto: Pixabay/Symbolbild

Teisendorf – Wie so vieles fällt in diesem Jahr auch in Teisendorf der Fasching mit dem großen Umzug aus. Seit 1950 war dies erst zweimal der Fall: 1966, weil am Heiligen Abend 1965 der damalige Präsident der Teisendorfer Faschingsgesellschaft Heini Kraus unerwartet im Alter von nur 45 Jahren verstorben ist und 1991 während des Golfkriegs. Nun ist die Covid 19-Pandemie der Grund, dass die Narren zuhause bleiben und von den Erinnerungen an »Hoch-Zeiten« des Faschings in der Marktgemeinde zehren müssen.


Den Teisendorfer Fasching gibt es schon sehr lange. Bereits 1881 wurde laut Gemeindeprotokoll ein Faschingsumzug genehmigt. In den 1950er und 60er Jahren war Teisendorf eine Hochburg des Faschings. Von weit her, sogar aus der Landeshauptstadt München, kamen die Gäste. Alle, die diese Zeit als junge Leute oder Junggebliebene miterlebt haben, schwärmen von rauschenden Bällen und durchtanzten Nächten, von Prinzenpaaren, Männer- und Frauengarden, Kranzln, Faschingsumzügen und viel Gaudi. Die schwere Zeit mit Krieg, Flucht und Verlust war vorbei, man wollte schnell vergessen und wieder richtig feiern, egal ob Heimkehrer, Heimatvertriebene oder Daheimgebliebene.

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Fantasiereich, bunt, aktuell und originell

Ab 1950 fanden am Faschingsdienstag kleinere, aber sehr originelle Umzüge statt. Der erste große Umzug am Faschingssonntag war dann 1954. Schnappschüsse von damals zeigen Cäsar auf einem von Ochsen gezogenen Wagen, den Baye­rischen Löwen und Delia mit einer Schubkarre und eine Gruppe Germanen, nur mit Fellen spärlich bekleidet, zwei davon reiten auf Ochsen.

Große Verdienste um die Wiederbelebung des Teisendorfer Faschings nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Franz Korb, der erste Präsident der Teisendorfer Faschingsgesellschaft, der leider 1964 viel zu früh verstarb. Auch den Teisendorfer »Faschingsschlager« hat er komponiert – »mit Sing und Sang und Kling und Klang« heißt es dort. Die Teisendorfer Faschingsumzüge waren stets fantasiereich, bunt, aktuell und originell. 1963 zum Beispiel waren »30 Festwagen mit 252 Personen auf ihnen und 500 marschierendes Volk« dabei. Aber es ist unmöglich, aus der Vielzahl der Gruppen, die im Laufe der Jahre im Faschingszug mitgingen, welche hervorzuheben. Jeder für sich war etwas Besonderes. Dahinter steckte viel Arbeit und Vorbereitung, die oft schon im Sommer begann und wo Materialien aller Art – Stoffe, Gardinen, Müllsäcke, Plastik, Krepppapier, Leim, Draht, sogar leere Mülltonnen etc. – in schönste Kostüme umgewandelt wurden.

Die 1960er waren die große Zeit der Faschingsprinzenpaare in Teisendorf. Bereits 1955 hatte der Radfahrerverein Solidarität bei seinem Ball mit dem Geschwisterpaar Karl und Hannelore Schmelz ein Prinzenpaar präsentiert. Aber richtig los ging's dann erst 1960 mit einem Ball des Männerchors »Harmonie« zum Thema »Karneval am Rhein«. Dazu brauchte man, wie beim Rheinischen Karneval üblich, auch ein Prinzenpaar samt Garde. Irmgard Zebhauser und Horst Korb wurden es erstmals. Ab dann hatte Teisendorf jährlich, bis 1968 seine »Lieblichkeiten und Tollitäten«, die den ganzen Fasching über regierten. Um die Ausstattung der Garde hat sich stets Sepp Eisl gekümmert. Er hatte viele gute Ideen und hat viel für den Teisendorfer Fasching im Hintergrund geleistet.

Kein Prinzenpaar von 1968 bis 1993

Doch 1968 war's dann erstmal vorbei mit den Tollitäten und Lieblichkeiten. Das Interregnum sollte bis 1993 dauern, als Teisendorf (endlich) wieder seine närrischen Hoheiten bekam.

Zum Teisendorfer Fasching gehörten auch schöne Bälle und lustige Kranzl. Legendär waren vor allem die »Harmoniebälle« , für die vor allem Franz Korb, Sepp Eisl, Karl Kapferer, Heinrich Kraus »Ideengeber« waren. Die Bälle hatten ein bestimmtes Thema, dem man sich dann mit Leidenschaft widmete und das die Faschingsnarren für kurze Zeit in eine Traumwelt versetzte. Eine Teisendorferin, die diese Zeit als Kind bei ihrer Oma in der Neuen Post miterlebt hat, erzählte von einem »Manöverball«, bei dem man die K.u.K.-Zeit aufleben ließ. Sie durfte im Verborgenen zusehen und erinnert sich noch heute an die prachtvollen Roben der Damen und die glänzenden Uniformen der Herren. Bereits ab dem Vormittag standen uniformierte Posten vor dem Gasthaus Schiller zur Wache, später begrüßten sie die eintreffenden Gäste formvollendet. Als es dann im nächsten Jahr »Im Märchenland« hieß, bevölkerten Elfen, Zwerge, Hexen, Burgfräulein und Ritter den Saal. Auch nach »Paris« hat der Harmonieverein eingeladen – und es stimmte einfach alles – Kleidung, tolle Deko, gute Stimmung und »mon amour«. Beim Turnerball gab es Thementänze wie der Zigeunertanz, die Twistparty und immer auch schöne sportliche Darbietungen. Der Ball der Heimatvertriebenen war Treffpunkt vieler, die versuchten, Gemeinschaft und neue Heimat zu finden. Und dann gab es noch den Kolpingball, Rot-Kreuz-Ball, Jugendball, das Frauenbundkranzl am Rosenmontag – es war ständig was los. Die Kranzl wurden meist von den kleineren Wirten in Eichham, Weildorf und Mehring für die Landbevölkerung organisiert. Bei einem Frauen- und Dirndlkranzl war immer Damenwahl.

Der Fasching wurde begraben

Kurz bevor die närrischen Tage endgültig vorbei waren, wurde der Fasching begraben. Ein Brauch, der verloren gegangen ist. In einem der Wirtshäuser hat man am Faschingsdienstag einen Freiwilligen in ein trogähnliches Gefäß gelegt und die letzten Tropfen Bier aus den Gläsern über ihn geschüttet. Ein Zeremonienmeister hat das Ganze unter dem Gelächter der nicht mehr ganz nüchternen Teilnehmer begleitet. Am Aschermittwoch war's dann aber wirklich vorbei mit Lustig – sollte man meinen. Aber nein: es gab auch noch das Geldbeutelwaschen, Fisch- und Spezialitätenessen beim Rainerwirt und, und... Richtig traurig wurden die Teisendorfer nicht! Selbst mit Asche auf dem Haupt.

Aus der »Hoch-Zeit« des Teisendorfer Fasching in den 1960er Jahren hatte erstmal nur der Teisendorfer Faschingszug dank Ludwig Schiller, Hans Schmelz, Hermann Strohhammer, Herbert Aschauer und Anderl Riedl überlebt. 1978 nahmen dann Andreas Riedl, unterstützt vom unermüdlichen Georg Krammer, das Heft in die Hand. Gemeinsam mit den schon lang Aktiven und zum Elferrat gehörenden Hermann Niedermaier, Dieter Klein, Georg Grabner, Andreas Jakisch, Mani Reiter, Hans Haberlander, Hans Schmelz und dem leider viel zu früh verstorbenen »Gerimandi« Stockmeier gelang es ihnen, den Teisendorfer Fasching langsam neu aufblühen zu lassen. 1990 wurde dann der Sing-Sang-Faschingsverein gegründet, der seit dann für das närrische Vergnügen in der Marktgemeinde sorgt. Jetzt hoffen die Teisendorfer Narren, dass der Ausfall in diesem Jahr schnell vergessen sein wird und im nächsten Jahr der Fasching wieder gebührend gefeiert werden kann.

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