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Köhlerliesl Theresa Zollhauser und Bräu Christian Wieninger schoben die Lunte ein und entzündeten dann den Kohlenmeiler. (Foto: Konnert)

Der Meiler brennt wieder – Bräu Christian Wieninger und Köhlerliesl Theresa entzündeten Kohlenmeiler in Neukirchen

Teisendorf – Es hat eine Weile gedauert, bis aus dem oberen Kranz des Kohlenmeilers auf dem Gelände des Köhlervereins in Neukirchen weißer Rauch aufgestiegen ist. Bräu Christian Wieninger und Köhlerliesl Theresa Zollhauser hatten die brennende Lunte, ein an einer etwa 4,5 Meter langen Holzstange befestigtes Büschel getrockneter Fichtenzweige, durch einen freigelassenen Kanal in die Mitte des Meilers geschoben und dann gespannt gewartet, ob sich der Meiler entzündet.


Mit den ersten Rauchfahnen löste sich die Spannung, denn nun gab es Gewissheit: Der Meiler brennt, das langsame Verkohlen von innen beginnt. Nach etwa zwei Stunden wurde auch die Öffnung, durch die der Stab eingeführt wurde, verschlossen.

Vor dem Anzünden segnete Pfarrer Martin Klein in einer Andacht den Meiler, damit das Werk gut gelinge. Unter den Klängen der Alphornbläser von Ruhpolding zog eine stattliche Schar von Gläubigen mit dem Pfarrer zum Kohlenmeiler. Mit dabei waren Bräu Christian Wieninger, das Köhlerliesl Theresa Zollhauser, Ehrenvorstand Martin Mayer, der ehemalige Vorstand Alois Prechtl, Vorstände weiterer Vereine aus Neukirchen und viele Zuschauer. Stephanie Enzinger, Vorsitzende des Köhlervereins hatte alle an der Köhlerhütte empfangen. Im Anschluss wurde Zollhauser, die den Verein in diesem Jahr zum dritten Mal als Köhlerliesl repräsentiert, die offizielle Schärpe umgelegt.

Er freue sich immer, wenn die Segnung eines neuen Kohlenmeilers in Neukirchen anstehe, so Pfarrer Klein, denn das sei etwas ganz Besonderes. In seiner Predigt ging er auf einen Heiligen ein, der selbst Köhler war, wie es sein Name auch zeigt: St. Alexander Carbonarius, zu deutsch Alexander der Köhler. Er war Bischof des antiken Bistums Comana in Pontus, heute ein Trümmerfeld beim Dorf Gümenek in der Türkei.

Alexander war nicht nur Kohlenbrenner, sondern auch Philosoph und lebte, um dem Weltlichen zu entfliehen, in der Einsamkeit. Obwohl er von vornehmer Herkunft war, hatte er allem entsagt, um Jesus in Armut und Demut ähnlich zu werden. Als man sich auf keinen Kandidaten als Bischof für das Bistum einigen konnte, wurde Alexander, der immer zerlumpt und schmutzig daherkam, zuerst spotteshalber vorgeschlagen. Gregor Traumaturgos, Bischof der Alten Kirche von Neocäsarea, nahm den Vorschlag ernst und weihte den tugendhaften Alexander zum Bischof. Alexander erwies sich dieser Aufgabe gewachsen und starb zuletzt sogar den Märtyrertod. Er soll verbrannt worden sein.

Nach einem kurzen Gebet segnete Pfarrer Klein den Meiler mit Weihwasser und Weihrauch. Während er den Meiler umrundete, trug Köhlerliesl Theresa das Weihwasser, die Alphornbläser spielten eine traditionelle Weise. Mit einem Vater Unser für alle verstorbenen Mitglieder des Vereins und dem Segen endete die Andacht.

Neben dem großen Meiler hatten die Köhler noch einen kleinen Meiler aufgerichtet, der von zwei Buben gekonnt angezündet und später auch verschlossen und abgedichtet wurde. Die »Nachwuchsköhler« stellten sich sehr geschickt an, sehr zur Freude der Alten, die sich um die Zukunft des Vereins wenig Sorgen machen müssen.

Unter den Klängen der Musikkapelle Neukirchen und der »D' Rauschberger Musi« wurde dann an der Köhlerhütte noch lange gefeiert. Der Köhlerverein sorgte für Bewirtung und auch das erste Brot wurde von Alois Prechtl im historischen Brotbackofen gebacken.

Trotz allen Feierns werden die Neukirchner Köhler den Meiler in den nächsten eineinhalb Wochen Tag und Nacht nicht aus den Augen lassen. Für die Nacht haben sie ganz in der Nähe einen Rindenkobel errichtet mit einer Schlafstätte aus Heu, wie es ihre Vorfahren auch hatten. Dort werden sie »wochtn«, also auf den Meiler aufpassen, ihn befeuchten, Löcher stechen, Löcher schließen und achtgeben, dass alles seine Ordnung hat. Wer den Meiler am häufigsten überwacht hat, wird beim Köhlerfest am 14. August zum »Wochtakönig« ernannt.

Bis dahin warten auf die Besucher noch zwei gesellige Wochen mit Wettbewerben wie Hufeisenwerfen oder Taubenschießen, kulinarischen Genüssen, wie frisch gebackenem Brot aus dem historischen Brotbackofen oder frisch zubereiteten Dampfnudeln, Kräuterwanderungen und viel Musik beim Musi-Hoagart oder beim Köhlerfest. Wenn Petrus dann noch für die richtige Wetterlage sorgt, wie er das beim Anzünden getan hat, kann nichts mehr schief gehen.

kon

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