Bunte Vielfalt auf dem ehemaligen Löschweiher

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Ein buntes Treiben herrscht auf dem Weiher. Bei der Auswahl der Archebewohner wird darauf geachtet, dass sich die verschiedenen Arten untereinander verstehen. (Foto: Koch)

Teisendorf – Einst nur ein trister Löschweiher, auf den sich ab und an eine Stockente verirrte, herrscht dort heute ein buntes Treiben auf der Arche des Rassegeflügel- und Vogelzuchtvereins Freilassing – Teisendorf und Umgebung. Tauben, Enten und Fasane leben in der rund 100 Quadratmeter großen Voliere in Unterstetten. Dabei sind sie teils seltene Vertreter ihrer Art – ein einzigartiges Projekt in Bayern.


Auf dem Gelände des Vereinsheims liegt der ehemalige Löschweiher, der versandet und renovierungsbedürftig war. So entstand die Idee, ihn in ein Refugium für seltene Vogelarten umzuwandeln, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

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Dank der Unterstützung mit Sach- und Geldspenden der Gemeinde Teisendorf sowie vieler Firmen und Privatpersonen erfolgte im April 2017 der Spatenstich. Am 5. August wurde die Arche dann eingeweiht – nach 1150 Arbeitsstunden.

Waldturteltauben sind nicht heimisch geworden

Die ersten Bewohner waren Moorenten, Waldturteltauben und zwei Pärchen Feldlerchen. Vereinsmitglieder kümmerten sich im Wechsel um die Tiere, darunter Manfred Klöpffer aus Petting. Die Waldturteltauben sind nicht mehr da. »Es sind Waldbewohner, die vor allem in lichten Buchenwäldern leben«, sagt Klöpffer. »Sie haben sich nie richtig eingelebt, deswegen haben wir sie herausgenommen.«

Mittlerweile ist es in der Voliere wesentlich bunter: Fasane, Rebhühner, Braut-, Baikal-, Mandarin- und Rotschulterenten sowie Höckerglanzgänse schwimmen umher. Manche mögen zwar in der Region oder gar in Europa eher selten sein, bedroht sind sie in ihrer Wildform aber nicht – teils noch nicht oder auch nicht mehr, wie die aus Afrika stammende Höckerglanzgans. Die Gefahr, dass dadurch das Konzept einer Vogelarche für bedrohte Tiere verwässert werden könnte, sieht Klöpffer nicht. »Unser Hauptziel bleibt, seltene Tierarten zu erhalten. Mit den Farbtupfern können wir die Aufmerksamkeit auf geschützte Arten lenken.«

Einfach fünf bis zehn Minuten ruhig warten, rät Klöpffer Vogelbeobachtern. »Die Tiere zeigen sich oft nicht gleich, verlieren aber schnell ihre Scheu.« Leise sein, hektische Bewegungen vermeiden und vor allem nicht ans Gitter klopfen sollten alle, die die Tiere erleben wollen. Während gerade noch die Enten umher schwammen, sitzen sie wenig später mit den Schnäbeln unter den Flügeln am Ufer in der Sonne. Die Rebhühner haben ihren Aussichtsposten auf dem Dach verlassen und huschen auf der kleinen Steinmauer am Zaun entlang. Plötzlich hebt einer der Fasane ab und flattert über den kleinen Weiher zur Futterstelle, wo die Profis vom Verein die richtige Nahrung bereitstellen. »Füttern verboten« heißt es hingegen für die Besucher.

Feldlerchen haben 20 Junge großgezogen

Ein reiner »Schaukasten« soll die Arche nicht sein, sondern ein echter Lebensraum. Die Feldlerchen haben schon rund 20 Junge großgezogen. Heuer schwammen die Küken der Mandarinenten umher. Die Rebhühner sind erst in ein bis zwei Jahren alt genug für Nachwuchs.

Neben der Gestaltung der Voliere mit Platz zum Brüten, Gräsern und Büschen als Versteck- und Ruheorte oder Sitzmöglichkeiten für die Tauben sei auch das richtige Futter wichtig und natürlich die Pflege der Tiere. Im Verein gibt es zum Glück genug erfahrene Experten, die auch darauf achten, dass nur Arten ausgewählt werden, die sich untereinander verstehen.

Manchen kann man ihr Nest noch so schön gestalten, mit dem Nachwuchs klappt es trotzdem nicht. So wartet der Verein noch immer auf Küken der seltenen Moorenten. »Wir finden noch raus, woran es liegt. Ich tippe aber, dass dieses Pärchen einfach nicht harmoniert. Die Natur und auch die Liebe haben ihre eigenen Regeln«, lacht Klöpffer.

Anderen Bewohnern fehlt schlicht die Partnerin. Die drei Fasane – ein roter und ein gelber Gold- sowie ein Amherstfasan – leben in einer reinen Männer-WG. »Wir haben nur männliche Tiere, weil sonst: Mordio«, so Klöpffer. So lange kein Weibchen dabei sei, lebten die Junggesellen friedlich zusammen. »Aber wehe, eine Henne kommt ins Spiel – dann werden die geselligen Exoten zu rauflustigen Kampfhähnen«, sagt er.

Ganz auf weibliche Gesellschaft müssen sie aber nicht verzichten. Im Winter dürfen sie zu den Weibchen in den Stall, ebenso wie alle anderen Arche-Bewohner. »Engagierte Mitglieder, die auch solche Arten halten, nehmen sie zur Überwinterung auf.« Trotz ihrer exotischen Herkunft, etwa aus den Regenwäldern Chinas, kommen auch die Exoten gut mit dem Winter klar. »Durch teils jahrhundertelange Züchtung, sind sie bei uns akklimatisiert«, so Klöpffer.

Teich wird ausgepumpt und gereinigt

Sind die Bewohner ausgezogen, wird der Teich ausgepumpt und gereinigt, werden gärtnerische Arbeiten verrichtet und die Voliere winterfest gemacht. Im Frühjahr, wenn es keinen Frost mehr gibt und der Weiher nicht mehr zufriert, kehren die Tiere zurück.

Zur Arche gehört auch eine Infotafel, die aktualisiert werden soll. Von Anfang an war das Ziel, Führungen anzubieten. Zuerst aber galt es, dass die Vegetation anwächst. So fraßen die Enten etwa gleich das junge Schilf weg. Und auch nicht alle Tiere passten wie erhofft in die Arche. Vorerst machte Corona dem Vorhaben ein Ende. Nun hoffen die Mitglieder aufs neue Jahr. pk

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