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Auszeit vom arbeitsreichen Alltag

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Der Landfrauenchor unter Leitung von Anja Warislohner begeisterte beim Landfrauentag mit stimmungsvollem Liedgut und erhielt viel Applaus. (Fotos: Maria Horn)
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Ein Dankeschön an den scheidenden Landrat Georg Grabner übermittelten Kreisbäuerin Maria Krammer (l.) und Kreisvorstandsmitglied Christa Brandner.

Teisendorf – Der Landfrauentag Berchtesgadener Land ist für die Bäuerinnen im Landkreis jedes Jahr ein ganz besonderer Termin. »Dieser Tag bietet uns eine kleine Auszeit im Arbeitsalltag und wir genießen das gemeinschaftliche Miteinander mit einem abwechslungsreichen Programm«, erklärt Kreisbäuerin Maria Krammer. Heuer wurde der Landfrauentag an einem Samstag veranstaltet, um auch jenen Bäuerinnen die Möglichkeit zur Teilnahme zu bieten, die berufstätig sind. So war dann auch der große Saal im Teisendorfer »Poststall« nahezu voll besetzt mit Bäuerinnen aus dem gesamten Landkreis.


Viel Mühe hatte sich das Vorbereitungsteam mit der Dekoration und dem Aufbau eines Basars gemacht, sodass bereits das äußere Ambiente eine einladende Atmosphäre verströmte. Die Landfrauen stellen ihren Tag auch immer unter einen sozialen Aspekt. So kamen die Spenden aus der Kollekte heuer dem »Bäuerlichen Hilfsdienst« zugute und der Erlös aus dem Basar und der Tombola fließt an die Katholische Dorfhelferinnen- und Betriebshelferstation Berchtesgadener Land.

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Mit einem festlichen Gottesdienst in der Teisendorfer Pfarrkirche St. Andreas wurde der Landfrauentag eröffnet. Dekan Dr. Thomas Frauenlob war kurzfristig für den erkrankten Ortspfarrer eingesprungen und feierte mit den Bäuerinnen die Messe. Nachhaltig wirkten seine Worte der Predigt, sodass auch später im Saal noch darüber gesprochen wurde.

Nahezu voll besetzt waren die Tischreihen im Festsaal des »Poststalls«, als sich die Teilnehmerinnen zum anschließenden Tagesprogramm trafen. Eine lange Liste an Ehrengästen konnte Kreisbäuerin Maria Krammer nach dem Mittagessen begrüßen. Durch die Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik, von Ämtern und Institutionen wurde die Wertschätzung der Bäuerinnen deutlich herausgestellt.

Maria Krammer ging in ihrer Betrachtung kurz auf die 75-jährige Geschichte des Bayerischen Bauernverbandes ein, dessen Jubiläum heuer gefeiert wird. Sie zitierte dazu auszugsweise aus der Satzung »Unsere Arbeit kann nicht gedeihen, wenn wir nicht Vertrauen schaffen.« Die Kreisbäuerin erklärte, es gehe um das Vertrauen der Verbraucher, aber auch zu sich selbst. »Wir müssen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu dem haben, was wir jeden Tag leisten. Wir erzeugen gesunde Lebensmittel, tragen Verantwortung für Land, Boden und Tiere. Wir gestalten die Region mit und pflegen die Heimat. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Öffentlichkeitsarbeit.« Aktionen wie ein Verbraucherfrühstück, die Präsentation bei Veranstaltungen oder die Besuche in Kindergärten nannte Maria Krammer hier als Beispiele. »Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen, diskutieren und ihnen erklären, was wir machen und warum wir das tun, wenn es uns noch länger geben soll. Öffentlichkeitsarbeit ist notwendig, aber auch anstrengend. Deshalb ist der Landfrauentag genau richtig, um einmal von den Alltagsproblemen Abstand nehmen zu können.« Krammer war es ein Anliegen, auch Worte des Dankes an jene Frauen zu richten, die sich in vielfältiger Form das ganze Jahr über in die Landfrauenarbeit einbringen. Den alljährlichen Stand am Christkindlmarkt bei der Lebenshilfe in Piding nannte sie dazu als Paradebeispiel.

Ein Präsent für den scheidenden Landrat

Den Reigen der Grußwortredner eröffnete »Hausherr«, Marktbürgermeister Thomas Gasser. Er richtete kurz den Blick auf die Probleme in der Landwirtschaft und das Unverständnis, das den Bauern häufig entgegengebracht wird. Anhand einer Geschichte verdeutlichte er die vielfältigen Ansprüche der bäuerlichen Arbeit und wandte sich an die Festgesellschaft: »Heut könnt ihr Körper und Geist auftanken und Abstand von den Herausforderungen auf euren Höfen nehmen.«

Landrat Georg Grabner kam auf die Ansprüche von Verbrauchern und Forderungen von Lebensmittelkonzernen zu sprechen, mit denen die Bauern heutzutage konfrontiert werden. »Vermehrten Umwelt- und Artenschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Regionalität, kurze Transportwege und Qualität haben halt ihren Preis. Wir müssen gegen den Billigwahn angehen, denn Essen ist ein Stück Kultur«, führte der Kreischef aus. »Die Heimat hätte ein anderes Gesicht ohne euch Landfrauen. Ihr seid Herz und Seele der Betriebe und der Heimat«, unterstrich Grabner. »Ihr dürft stolz sein – und wir sind stolz auf euch.« Grabner war heuer zum letzten Mal in seiner Funktion als Landrat zur Veranstaltung gekommen. Deshalb verabschiedete ihn Maria Krammer mit einem Präsent und herzlichen Dankesworten für die jahrelange gute Zusammenarbeit.

Kreisobmann Georg Baumgartner berichtete der Versammlung, dass heuer zum Aktionstag »Tag des offenen Hofes« ein ganz besonderes Programm geplant ist. »Es wird eine Radltour veranstaltet, im Rahmen der Rundfahrt können neun Höfe bei uns in der Gemeinde besichtigt werden. Die Besucher erhalten einen Einblick in die Vielfalt der Landwirtschaft in Teisendorf«, sagte Baumgartner. In den aktuellen Ereignissen mit Sperrungen von Regionen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sieht der Kreisobmann eine Chance für die Regionalität. »Vielleicht wird den Politikern jetzt klar, was Nahrungsmittelsicherheit im eigenen Land bedeutet.«

Der Landfrauenchor in Aktion

Der Landfrauentag wurde auch heuer vom Landfrauenchor Berchtesgadener Land musikalisch gestaltet. Leiterin Anja Warislohner kann sich nicht nur über gesangliche Verstärkung und einen Mitgliederzuwachs freuen, sie hat auch ein sehr ansprechendes musikalisches Programm für den Festtag der Bäuerinnen vorbereitet und konnte dabei auf vielfältige Unterstützung zählen. Beim Gottesdienst wurde in Auszügen die »Quirinus-Messe« von Thomas Moka aufgeführt. Der gebürtige Ainringer hat dieses Werk geschaffen und war beim Landfrauentag selbst mit anwesend, um die Frauenstimmen auf der Harmonika zu begleiten. Später sorgte der Chor auch im Saal für Auflockerung des Nachmittagsprogramms.

Und wieder gab es eine akustische Überraschung. Zur Verabschiedung des Landrats hatten die Frauen eine Uraufführung vorbereitet. »So is bei uns im Berchtesgadener Land« ist eine stimmungsvolle Komposition, Sebastian Höglauer aus Anger hat die Melodie geschrieben, der Text stammt von Chormitglied Christine Hoferer aus Neukirchen. Mit diesem Lied und der Aufführung der »Quirinus-Messe« wird auch ein Beispiel dafür gegeben: Die Landfrauen Berchtesgadener Land setzen nicht nur bei der Erzeugung der Nahrungsmittel auf Regionalität, sondern sind auch musikalisch stark mit ihrer Heimat verwurzelt.

Qi Gong auf Bayerisch

Das Hauptreferat hielt beim Landfrauentag der Qi-Gong-Lehrer Karl Schwanner. »Das ganze Leben ist Selbstkultivierung«, stieg er in seinen Vortrag ein und definierte fünf Punkte als Basis für ein gesundes Leben. Ausgewogene Ernährung, gezielte Bewegung, das Gebet, die Meditation und die Faulheit nannte er dazu als Eckpunkte. »Schau auf diese Punkte, aber übertreibe es nicht«, so seine grundsätzliche Botschaft. Mit kabarettistischen Zügen nahm Karl Schwanner kein Blatt vor den Mund, er nannte die Dinge beim Namen und sparte nicht mit Kritik an den »Gesundheitsaposteln«, die nur Körner und Rohkost essen.

Nach dem Hauptreferat hieß es noch einmal kurz »Volle Konzentration«. Gitti Leitenbacher stellte in ihrer Funktion als erste Vorsitzende des erst kürzlich gegründeten Vereins »Die Bäuerinnen im Berchtesgadener Land« die Ausrichtung und die Ziele dieses Zusammenschlusses dar. Nach der Kaffeepause gab es mit Heini Abfalter aus Rossdorf und jungen Ziachmusikanten noch einem locker-entspannten Ausklang des Landfrauentages. Maria Horn

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