Zwischen Amtshilfe und Auslandseinsätzen

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Brigadegeneral Maik Keller (l.) und Oberst Michael Felten stellten sich den Fragen. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgadener Land – 122 Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 sind aktuell im Einsatz. Beim jüngsten Anschlag in Mali hatten sie Glück, kein Soldat aus Bischofswiesen wurde verletzt. Die 13 verletzten Soldaten sind inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung. Das stimmt Brigadegeneral Maik Keller positiv. Er hatte kürzlich zu einem Pressegespräch in das Offizierskasino nach Bad Reichenhall eingeladen, um über die aktuelle Situation zu berichten.


»Auch hier half die gute Vorbereitung und Ausbildung, um Schlimmeres zu verhindern, von der Erstversorgung bis hin zum Abtransport mit einem Rettungshubschrauber und zum Lazarett. Wir werten den Vorfall intensiv aus und arbeiten weiter an der Verbesserung unserer Schutzmaßnahmen«, so der General.

Das Jahr 2021 war auch für die Truppe von Corona geprägt. 2 000 Soldaten leisteten Amtshilfe in Behörden, bei Impfzentren, in Alteneinrichtungen und bei der Kontaktnachverfolgung. Dreißig von ihnen sind in Unterfranken immer noch im Einsatz. »Amtshilfe ist an sich nichts Neues, ob es bei Schneekatastrophen oder bei Hochwasser ist, wir helfen, wenn man uns braucht«, so Maik Keller. Gleichzeitig hofft er, dass die deutlich gewordenen Defizite im zivilen Bereich aufgearbeitet werden. Die Zusammenarbeit mit den Landratsämtern in Bad Reichenhall und Traunstein bezeichnete er als gut.

Der General hat die Brigade im April 2020 übernommen – die Pandemie stellte ihn also von Anfang an vor Herausforderungen. Hygienekonzepte mussten auch innerhalb der Truppe entwickelt werden, um eine starke Ausbreitung von Anfang an zu verhindern. »Wir haben vermehrt mit festen Gruppen gearbeitet, sodass der Personenkreis immer überschaubar war«, sagte Maik Keller. Doch könne man innerhalb der Bundeswehr nicht auf Homeoffice umstellen, das sei keine Option für Soldaten. »So kann man nicht führen und ausbilden.« Für die Individualausbildung mussten kreative Lösungen gefunden werden, um die aufgetretenen Defizite wegen des Ausfalls von Lehrgängen aufzuarbeiten.

»Kämpfen« als Beruf

Der Brigadegeneral bezeichnet »den Kampf als Kern des Berufes«. Der Fokus liege auf der Landes- und Bündnisverteidigung. Es gelte dafür auszubilden, an der Waffe, dem Fahrzeug und den Menschen. Nur so könne man gut vorbereitet in einen Auslandseinsatz gehen. Ganz in diesem Sinne stünde auch die groß angelegte Brigadegefechtsübung »Berglöwe« im Herbst, die letztes Jahr ausfallen musste. Sie werde sich auf die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein beschränken.

»Wir müssen diese sehr realistische Übung durchführen, sonst gehen zu viele Dinge verloren, auch Führungsprozesse, mit der Vorgabe von Zielen und die Bereitstellung von Ressourcen im Sinne der Auftragstaktik«, so der General. Das wichtigste sei der Zusammenhalt in der Truppe und das gegenseitige Vertrauen, das habe sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte bewährt, auch in der Amtshilfe. Für die Auslandseinsätze müssen sich zudem alle Soldaten und Soldatinnen impfen lassen, auch gegen Covid-19.

Vor dem Einsatz geht es dann noch zwei Wochen in Quarantäne, um ganz auf Nummer sicher zu gehen. Auf dem Plan steht neben der UN-Mission Minusma eine EU-Trainingsmission in Mali, wenn sich die politischen Verhältnisse stabilisiert haben. Zudem setze der Abzug aus Afghanistan Kräfte frei und Aufgaben würden neu verteilt, etwa für eine EU-Battlegroup, die bis 2025 realisiert werden soll und aktuell die EFP (Enhanced Forward Presence) in Litauen, die aber nicht die Gebirgsjäger, sondern andere Brigaden der Division betrifft. Maik Keller bezeichnete es als eine Aufgabe der Streitkräfte, der Politik Optionen bereit zu stellen. Dazu gehören gut ausgebildete und einsatzbereite Kräfte.

Üben auf der Reiteralm

Als wesentlich für die Ausbildung der Gebirgsjäger ist der kleine Truppenübungsplatz auf der Reiteralm, der von der Bundeswehr als militärischer Sicherheitsbereich hochgestuft wurde. Auf diesem hochalpinen Gelände werden wöchentlich Übungen durchgeführt. Gleichwohl sei man bedacht, die Wanderwege für die Öffentlichkeit frei zu halten. In den nächsten Wochen sollen am Einstieg beim Dolomitwerk in Oberjettenberg und an der Seilbahntalstation, wo der Einstieg zum Steig über den Schrecksattel erfolgt, Informationstafeln aufgestellt werden. Ebenso am Wachterl in der Ramsau. Zudem seien auf den Webseiten der betroffenen Gemeinden jeweils aktuelle Hinweise zu Sperrungen zu finden.

General Maik Keller hofft auf normalere Zeiten ohne die Einschränkungen der Corona-Pandemie. Es sei für die Soldaten wie für die Bevölkerung wichtig, öffentliche Feierlichkeiten wie Gelöbnisse, Rückkehrerappelle und Verabschiedungen in den Einsatz durchzuführen. Das gibt Kraft und Motivation und stärkt den Austausch mit und in der Region. Man hofft auch die weithin bekannte Stallweihnacht mit einem entsprechenden Hygienekonzept wieder durchführen zu können.

Gerd Spranger

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