Zukunft für alte Obstsorten: Erste Bäume für Erhaltungsgarten veredelt

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Starteten mit der Veredelung von fünf Mehrsortenbäumen ein Projekt zum Erhalt alter Obstsorten (von links): Kreisgartenfachberater Sepp Stein, Andreas Buchwinkler, Anton Kern, Vorstand Landschaftspflegeverband, Georg Loferer, Sortenkundler im Projekt Apfel.Birne.Berge, Andreas Lexhaller, Vorstand des Kreisverbands der Obst- und gartenbauvereine BGL sowie Landrat Bernhard Kern. Foto: Landratsamt Berchtesgadener Land
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Kreisgartenfachberater Sepp Stein demonstriert Landrat Bernhard Kern (links) das Vorgehen beim Veredeln der Obstbäume. Foto: Landratsamt Berchtesgadener Land

Berchtesgadener Land – Mit der Veredelung von fünf Mehrsortenbäumen ist am vergangenen Freitag im Berchtesgadener Land der Startschuss für die Errichtung von Erhaltungsgärten für alte Obstsorten gefallen.


Im Rahmen des Projekts „Apfel.Birne.Berge – alte Obstsorten im Alpenvorland“ wurden seit 2015 in sechs Landkreisen über 300 vom Aussterben bedrohte Apfel- und Birnensorten gefunden. Im Berchtesgadener Land ist der Trägerverein Biosphärenregion BGL e. V. Projektpartner und ko-finanziert das vom Bayerischen Naturschutzfonds getragene Gesamtprojekt. Ziel ist es nun, diesen vergessenen Sorten eine Zukunft zu geben. Sie sollen in Erhaltungsgärten aufgepflanzt, der breiten Bevölkerung präsentiert und nach einer Bewertung der Fruchtqualität, Fruchtverarbeitung und Wuchs durch Veredelung wieder in den lokalen Streuobstwiesen verbreitet werden.

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Die ersten Sorten sind vergangenes Jahr von einer Obstbaumschule veredelt worden, sodass die ersten Bäume im Herbst 2022 gepflanzt werden können. Schwieriger als eine geeignete Baumschule zu beauftragen, ist allerdings die Suche nach einer Fläche, auf der die Bäume gepflanzt und gepflegt werden. Im Herbst 2019 traf sich Kreisgartenfachberater Sepp Stein mit Andreas Buchwinkler auf einer Wiese, die dieser mit Legehühner in mobilen Ställen bewirtschaftet. Da Buchwinkler für seine Hühner Schutz vor Greifvögeln und Stein einen Platz für 100 Birnen und 100 Apfelbäume braucht, waren sich die beiden schnell einig, dass die knapp zwei Hektar eine gute Option zur Errichtung des Erhaltungsgarten sind.

Das Besondere an dem Standort: Die Hühner übernehmen nicht nur die Mahd, ohne die Bäume zu beschädigen, sie vertilgen auch die Larven von Schadinsekten und düngen zugleich die Bäume. Stein sieht die Kombination „Hühnerobst“ als „eine Form der Landwirtschaft der Zukunft, bei der man durch eine Doppelnutzung der Fläche Synergien nutzt“.

Bei der Planung, Mittelakquise und Realisierung des Sortenerhaltungsgartens erfolgt mit wertvoller Unterstützung durch den Landschaftspflegeverband Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Vorstand Anton Kern freut sich „auf eine einzigartige Genressource, die wir bei unserer Arbeit zur Förderung der Streuobstwiesen nutzen werden“.

Ein weiterer wichtiger Partner für das Projekt ist der Kreisverband Gartenbau und Landschaftspflege Berchtesgadener Land, der bei der geplanten Pflanzung der 100 Hochstämme und 100 Spindelbäume sowie bei deren Pflege seine tatkräftige Unterstützung angekündigt hat. Vorstand Andreas Lexhaller sieht in dem Projekt die „große Chance, durch den Erhaltungsgarten das Interesse an Streuobst und insbesondere an Lokalsorten bei der Bevölkerung zu wecken“.

Mit dem Startschuss des Erhaltungsgarten in Haberland wird vom Kreisverband ein Arbeitskreis Pomologie (Obstkunde) ins Leben gerufen. Diese Gruppe bildetet sich in Sachen Obstsortenkunde- und Pflege fort und steht für alle Interessierten offen.

Die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion plant Projekte zur nachhaltigen Entwicklung mit Kindern und Erwachsenen, sobald die Bäume größer sind und die Fläche als Streuobstwiese erkennbar ist.

Neben den 2022 und 2023 zu pflanzenden 100 Hochstämmen und 100 Spindelbäumen wurden bereits im vergangenen Herbst drei Apfelbäume und zwei Birnbäume auf der „Hühnerwiese“ gepflanzt. Bernhard Kern, Vorstand des Trägervereins Biosphärenregion BGL, Georg Loferer, Sortenkundler im Projekt Apfel.Birne.Berge, Toni Kern, Andreas Lexhaller, und Sepp Stein haben diese nun veredelt. In den kommenden Jahren werden weitere Veredelungskurse stattfinden, sodass jedes Jahr eine weitere Sorte auf die fünf Mehrsortenbäume aufgepfropft wird. Auf die Apfelbäume wurden unter anderem die Sorten „Danziger Kant“, „Roter Boskoop“ und „Topaz“ und auf die Birnbäume „Herzogen Elsa“, „großer Katzenkopf“ und „Gute Luise“ aufgepfropft. Diese alten und neueren Standardsorten dienen dann neben den Unbekannten als Vergleichsfrüchte.

fb/red

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