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Zeit für Veränderung – Bernhard Kern kandidiert für das Amt des Landrats

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Berchtesgadener Land: Bernhard Kern kandidiert für das Amt des Landrats
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Bernhard Kern schätzt die verschiedenen Strukturen im Landkreis. Als Landrat will er sich auch für grenzüberschreitende Projekte einsetzen. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Wenn am 15. März die Wahllokale öffnen, sind die Bürger nicht nur dazu aufgerufen, einen Bürgermeister für ihre Gemeinde zu wählen, sondern auch einen neuen Landrat für das Berchtesgadener Land. Das Amt von Georg Grabner will Bernhard Kern (CSU) übernehmen. Der »Anzeiger« hat mit dem 51-Jährigen über neue Herausforderungen gesprochen.


»Das ist schon irgendwie verrückt, was ich mache«, sagt Bernhard Kern. Seit 2014 ist Kern der 1. Bürgermeister der Gemeinde Saaldorf-Surheim. Nun will er Landrat werden, dazu muss er sein Bürgermeisteramt nach der Kommunalwahl abgeben. »Ich hätte nicht gedacht, dass mal jemand auf mich zukommt und fragt, ob ich kandidieren will.«

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Bautechniker

Kern ist in Freilassing geboren, später zog seine Familie nach Saaldorf. Er lernte Bauzeichner, während der Grundwehrzeit ließ er sich zum Techniker ausbilden. Später wird er privater Sachverständiger im Bereich Wasserwirtschaft und Bautechniker im Hochbau.

Durch seine Anstellung in einem Ingenieurbüro in Traunstein ist er in den 90er-Jahren für viele Aufträge in den neuen Bundesländern unterwegs gewesen. Der Abstand zur Heimat half Kern, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Später wurde er Gesellschafter im Ingenieurbüro. In dieser Zeit arbeitete Kern hauptsächlich mit Kommunen zusammen. Er erfüllte deren Aufträge, lernte die andere Seite kennen. Kern war immer daran interessiert, was in der Gemeinde und im Landkreis passiert. Zwölf Jahre lang engagierte er sich als Gemeinderat, im Bau- und Umweltausschuss und im Verkehrsausschuss.

Er lernte die Behörden und Fachstellen kennen, baute sich ein Netzwerk auf. »Ich habe gute Verbindungen in alle Bereiche«, sagt Kern. Er will damit nicht prahlen, es sei vielmehr ein Vorteil, der der Kommune etwas bringe.

Als Kern 2013/2014 angefragt wurde, ob er als Bürgermeister kandidieren wolle, sagte er zu. Mit 44 Jahren wollte er ein neues Kapitel aufschlagen.

»Ich habe 2014 alle meine Anteile verkauft«, sagt er. »Mein Sohn war damals zu klein, deswegen habe ich unter den Menschen, die mich unterstützt haben, Käufer gesucht.« Die Gesellschafteranteile gingen schließlich auf drei Büromitglieder über. »Wenn man es drauf anlegt, findet man immer Menschen, die mehr zahlen.« Aber so werde das Ingenieurbüro auch in seinem Sinne weitergeführt.

In seine Rolle als Bürgermeister ist Kern hineingewachsen. Er fühlt sich wohl, wohnt nur einen Steinwurf entfernt vom Rathaus. Nun will er sich erneut verändern, sein gemachtes Nest verlassen. Er sagt, dass er sich eingerichtet hat, dass es in der Gemeinde läuft, es gäbe nichts, das ihn besonders belaste. Dennoch überlegte Bernhard Kern lange. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht. Am Ende überwog das Interesse am Landkreis. »Es ist das Große und Ganze, dass mich fasziniert.« Mit an diesem Prozess beteiligt waren auch immer Bernhard Kerns Ehefrau Andrea und sein Sohn.

Als Landrat würde Kern zunächst Strukturen verändern. »Zusammen mit dem Personal ist da noch einiges möglich.« Als Dreh- und Angelpunkt sieht Kern die Baubehörde, dort möchte er ansetzen. Auch die Personalfrage sei noch nicht geklärt. In den 15 Kommunen des Landkreises möchte er hingegen den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. »Wir brauchen eine grundlastfähige Infrastruktur«, sagt Kern. Auch das Thema »Wohnen« möchte er aufgreifen. Potenzial sieht er vor allem in der Wohnraumverdichtung. So könnte Altbestand sinnvoll genutzt werden. »Man darf aber nicht nur an junge Familien denken, sondern muss auch die Senioren miteinbeziehen.« »Kommunikation ist der Schlüssel. Ich saß schon oft stundenlang mit Eigentümern und einem Vertreter des Denkmalschutzes zusammen. Am Ende haben wir immer eine Lösung gefunden«, sagt Kern.

Eine gute Entwicklung habe hingegen der Tourismus im südlichen Landkreis genommen. Auch mit der Arbeit von Peter Nagel war Kern zufrieden. »Ich bedauere, wie es gelaufen ist«, sagt Kern. Die Entscheidung, die Franz Rasp als Vorsitzender der TRBK zu treffen hatte, sei aber sicher nicht leicht gewesen. Kern will nicht an Vergangenem hängen bleiben, es gehe darum, mit der BGLT zusammenzuarbeiten. Neben diesen Aspekten sollen auch die Klimaschutzziele nicht zu kurz kommen. Die Umweltbelange müssten vollständig eingehalten werden. »Gar nix tun ist zu wenig.« Kleine Schritte könnten hingegen ein Anfang sein. So müsse über Photovoltaik-Anlagen und Wasserkraftwerke nachgedacht werden. Auf Augenhöhe will Kern auch den Bauern begegnen. »Auch ihre Anliegen müssen Gehör finden. Schließlich hängen Existenzen davon ab.«

Skifahren am Tag der Entscheidung

Bernhard Kern kann in sein altes Unternehmen nicht zurückkehren. Wird er am 15. März nicht als Landrat gewählt, muss er auf Plan B zurückgreifen. »Ich habe zwar noch keine Aktivbewerbungen geschrieben, aber ich würde zurück in die freie Wirtschaft gehen.« Bis dahin bleibt er Bürgermeister von Saaldorf-Surheim. »Ich mache jetzt nichts anders. Fällt eine Wahlkampfveranstaltung auf eine Gemeinderatssitzung, hat die Sitzung Vorrang.«

Den entscheidenden Tag will er dann auf der Skipiste verbringen. »Mit ganz viel Luft um mich herum«, sagt Kern lächelnd. Am Abend wird er im Landratsamt Bad Reichenhall auf die Wahlergebnisse warten.

Lena Klein

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