Wird ein Verbund mit Traunstein den ÖPNV aus der Krise führen?

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Der Kreisausschuss beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit Grundlagen zu einem Verkehrsverbund der Landkreise Traunstein und Berchtesgaden. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgadener Land – Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verzeichnet nach Angaben des Branchenverbandes VDV bei den Fahrgästen bis zu 80 Prozent Rückgänge. Dennoch arbeitet der Landkreis Berchtesgadener Land weiter an einer Grundlagenstudie für einen Verkehrsverbund mit dem Landkreis Traunstein, der der Kreisausschuss im Sommer 2020 zustimmte. Über den aktuellen Stand zum Projekt wurde der Kreisausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität in der jüngsten Sitzung informiert. Die Ergebnisse der Studie werden erst frühestens in 30 Monaten präsentiert.


Landrat Bernhard Kern betonte, dass man über die Pandemie hinaus denken müsse. Es werde auch wieder »ein danach, eine neue Normalität« geben. Der Landkreis sei darum gefordert, die richtigen Weichen zu stellen. Johann Wick, Verkehrsmanager des Landratsamtes, informierte den Ausschuss über eine angestrebte Grundlagenstudie.

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»Sie ist zwingende Voraussetzung für eine dauerhafte Förderungen eines Verkehrsverbundes durch den Freistaat«, so Wick. Für die Studie habe es jetzt eine europaweite Ausschreibung gegeben und man hofft, im Juli den Auftrag vergeben zu können.

Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes des Landkreises soll in einem weiteren Schritt auch mit Salzburg ein gemeinsamer, grenzüberschreitender Verkehrsverbund angestrebt werden. Die Grundlagenstudie für einen gemeinsamen Tarif- und Verkehrsverbund mit dem Landkreis Traunstein fördert der Freistaat Bayern zu 90 Prozent, die verbleibenden Kosten teilen sich die beiden Landkreise. Bis zur Vorlage der Studie wurde ein Zeitfenster von 30 Monaten eingeräumt. Der zunächst angedachte Zeitraum von 18 Monaten wurde verlängert. »Begründet wird es,« so Verkehrsmanager Johann Wick, »mit dem Risiko der Datenerhebung bei einer anhaltenden Pandemie«.

Kreisrat Roman Niederberger (SPD) bekundete sein Verständnis für die lange Dauer zum Erstellen der Grundlagenstudie. Es sei ihm klar, »dass man hier juristisches Neuland betrete, die Ausgestaltung wasserdicht sein müsse und man ein extrem dickes Brett zu bohren hat. Gründlichkeit geht darum vor Schnelligkeit. Nach Corona müssen wir mit attraktiven Angeboten neue Kunden und Stammgäste gleichermaßen wieder gewinnen«. Franz Eder (Grüne), räumte zwar ein, dass die Prüfung und Vorbereitung Zeit brauche. »Aber ein Zeitraum von deutlich über zwei Jahren erschließt sich mir nicht.« Ebenso zeigte sich Bürgermeister und Kreisrat Hannes Rasp (CSU) überrascht von einem 30-monatigen Zeitfenster für eine Grundlagenstudie. »Dauert es dann nochmals zwei bis drei Jahre, bis wir endlich zu einem Ergebnis kommen?«, fragte er nach.

Landrat Bernhard Kern versicherte, »die Studie ist die Grundlage für die Umsetzung und es ist kein weiterer Zwischenschritt mehr nötig.« Kern informierte zudem über das weitere Vorgehen zum Nahverkehrsplan. In den nächsten Wochen folgt das Gespräch mit den Bürgermeistern und den Fraktionssprechern. Aktuell sind die beiden Hauptverbindungsachsen zwischen den Landkreisen Berchtesgaden und Traunstein die Schienenverbindungen von Freilassing nach Traunstein und Tittmoning.

Hinzu kommen die Linienbusverbindungen von Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf nach Traunstein, von Freilassing und Laufen nach Waging sowie von Laufen nach Tittmoning. »Zudem verkehrt im Sommerhalbjahr noch ein Linienbus von Reit im Winkl über Bad Reichenhall nach Salzburg«, informiert das Landratsamt. Zu einer Verbesserung solle künftig das gemeinsame Verkehrs- und Tarifangebot beitragen. Dies gelte auch in Richtung Salzburg. »Es bestehen zahlreiche Verkehrsbeziehungen im ÖPNV zwischen dem Berchtesgadener Land und dem Bundesland Salzburg, die im weiteren Schritt im angestrebten grenzüberschreitenden Verkehrsverbund mit Salzburg integriert werden sollen.« Gerd Spranger

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