»Wir können und wir wollen da sein«: Netzwerk Hospiz e.V. unterstützt auch Schwerkranke in Zeiten der Corona-Pandemie

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Es gibt definitiv Angenehmeres«, räumt Palliativmediziner Dr. Holger Wegner vom SAPV-Team ein, als seine Kollegin Christine Matheis das Teststäbchen tief in seine Nase schiebt. (Foto: Netzwerk Hospiz e.V.)

Berchtesgadener Land – In den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein begleitet das Netzwerk Hospiz e.V. schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase – auch in Zeiten von Corona. »Wir machen keinen Unterschied, ob ein Patient Corona hat oder nicht. Unsere Aufgabe ist der Erhalt der Lebensqualität durch eine professionelle medizinische, pflegerische und psychosoziale Begleitung am Lebensende«, erzählt Palliative Care-Fachkraft Sandra Maisch vom SAPV-Team im Netzwerk Hospiz e.V.


Das Netzwerk Hospiz bietet zwei ambulante Versorgungsformen am Lebensende eines Patienten an. Die AAPV (allgemeine ambulante Palliativ-Versorgung) ergänzt mit ihrem Fachwissen das bereits bestehende Versorgungsnetzwerk aus Angehörigen, Hausärzten und Pflegediensten. Die versorgten Patienten leben zuhause oder im Pflegeheim und befinden sich in einer »palliativen Lebenssituation«. Palliative Versorgung greift da, wenn zum Beispiel wegen Krebserkrankung weder Chemotherapie noch Bestrahlung noch ein anderer Therapieansatz Aussicht auf Heilung bietet. Somit verändert sich das Therapieziel: Anstelle von Heilung mit kurativer Behandlung tritt der Erhalt der Lebensqualität durch palliative Maßnahmen. Wo immer die Lebensqualität durch den Krankheitsverlauf gravierend eingeschränkt ist, unterstützt dann die SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung) mit einem multiprofessionellen Team aus Palliativmedizinern, Palliative Care-Pflegefachkräften, Sozialarbeitern und Seelsorgern.

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In diesem anspruchsvollen letzten Lebensabschnitt hat das Netzwerk Hospiz im Jahr 2020 bereits 568 Patienten betreut. Aktuell sind es in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein 100, manche davon sind an Corona erkrankt. »Wir begleiten jeden Menschen, der unsere Hilfe braucht, unabhängig von der Erkrankung«, erklärt Uta Sommer-Lihotzky, Pflegedienstleitung der SAPV.

»Um optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, werden alle Mitarbeiter wöchentlich auf Covid-19 getestet. Wir haben vieles umgestellt, tragen bei Hausbesuchen geeigneten Schutz, arbeiten häufig im Homeoffice und führen unsere Teamsitzungen als Videokonferenzen durch.«

Das Netzwerk Hospiz e.V. sei allerdings, so der ärztliche Leiter Dr. Robert Kühnbach, leider immer noch bei vielen nicht bekannt. Dabei sei ein Sterben zuhause auch mit Covid-19 möglich. »Wichtig für unseren Einsatz dabei ist natürlich die Diagnose«, gibt Kühnbach zu bedenken. Voraussetzung ist eine unheilbare Erkrankung mit tödlichem Verlauf – die Kontaktaufnahme mit dem Netzwerk erfolgt meist in Absprache mit dem behandelnden Arzt. »Nicht jeder Covid-19-Patient hat demnach Anspruch auf Leistung der AAPV und SAPV. Aber schwerst kranke und sterbende Covid-19-Patienten, die sich bewusst für ein Verbleib zuhause oder im Pflegeheim entschieden haben, können selbstverständlich, bei entsprechender Schwere der Beschwerden durch die AAPV oder SAPV begleitet werden.«

Das Team hat auch schon mal den Fall erlebt, dass sich ein schwerkranker, positiv getesteter Patient auf eigenen Wunsch aus dem Krankenhaus wieder zurückverlegen ließ. Indem seine Entscheidung vom Krankenhaus unterstützt begleitet wurde, durfte er wunschgemäß in seinem vertrauten Umfeld versterben.

Uta Sommer-Lihotzky sagt dazu. » Wir können und wir wollen auch weiterhin schwerkranke und sterbende Menschen im häuslichen Umfeld und in Pflegeeinrichtungen betreuen. Die rechtlichen Bestimmungen geben uns die Möglichkeit dazu, indem sie für die palliative Lebenssituation und die Begleitung Sterbender explizit eine Ausnahme von den Kontaktbeschränkungen formuliert haben.«

Weitere Informationen sind unter www.netzwerk-hospiz.de oder unter Telefon 0861/9096120 erhältlich.

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