Weihnachtsschießen heuer nur mit Erlaubnisschein

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Ein gewaltiger Knall: Das Schießen findet dieses Jahr nur allein vor dem Haus statt. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Wer keine sprengstoffrechtliche Erlaubnis in Form eines Ausweises hat, darf dem Brauch des Weihnachtsschießens mit Böllern in diesem Jahr nicht nachgehen. Bei Verstößen seien Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren möglich. Das teilte das Landratsamt am Montagmittag auf Nachfrage mit. In einem von Landratsamt und Bürgermeistern vergangene Woche verabschiedeten Schriftstück war darauf hingewiesen worden, dass das Schießen zuhause zwar erfolgen könne, allerdings nur mit schwammiger Erklärung.


Darin heißt es, dass die Einhaltung aller »rechtlichen Voraussetzungen« gewahrt werden müsse – ohne aber darauf näher einzugehen. Als rechtliche Voraussetzung müsse in diesem Jahr der Infektionsschutz genannt werden, teilte das Landratsamt mit. Nach der elften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ist das Verlassen der Wohnung »nur mit triftigem Grund erlaubt«. Dies bedeutet, dass »ein Schießen am Stand oder im öffentlichen Raum nach der Verordnung des Freistaats nicht stattfinden darf«. Weiter müsse bezüglich des Schießens von zuhause aus beachtet werden, »dass aus immissionsschutzrechtlichen Gründen nicht in Wohngebieten geschossen werden darf und der jeweilige Böllerschütze über eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis verfügt«.

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Über eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis verfügen pro Verein maximal zwei bis drei Aktive. Insgesamt gibt es 17 Weihnachtsschützenvereine. Weil in den Vorjahren immer gemeinsam am Stand geschossen wurde, reichte es aus, wenn einer der Schützen jenen Erlaubnisschein vorweisen konnte. Da beim Schießen nun jeder auf sich gestellt ist, ist die rechtliche Grundlage aber eine andere. Aus dem Landratsamt heißt es: »Wenn eine Person nicht über die sprengstoffrechtliche Erlaubnis verfügt, ist das Schießen zuhause nicht erlaubt.« Folglich wäre der Brauch dieses Jahr offiziell nicht durchführbar. Von den aktiven 3 300 Weihnachtsschützen dürften nur jene ihre Böller bedienen, die einen Erlaubnisschein vorweisen können. Das sind nach Aussage der Vereinigten Weihnachtsschützen rund 50 Personen.

Wegen des heftigen Widerstands der Weihnachtsschützen, der bei Ortsbürgermeistern und Landratsamt aufschlug, hatte man sich zu einer allgemein gehaltenen Verordnung durchgerungen, die viel Spielraum offen lässt. Jeder Schütze müsse alle Vorgaben beachten, die aus dem Sprengstoff- und Immissionsschutzrecht hervorgehen, heißt es. »Ob diese Voraussetzungen vorliegen, steht in der Verantwortung eines jeden Einzelnen«, darauf verweist das offiziell ausgegebene Statement. »Außerdem muss das Schießpulver ordnungsgemäß verwahrt und danach wieder zurückgegeben werden«, teilt zudem das Landratsamt mit. Auf Nachfrage wird man bei der Behörde deutlich. Wer ohne Erlaubnisschein schießt, missachtet das Gesetz: »Bei Verstößen kann es zu einer Anzeige und strafrechtlichen Konsequenzen kommen. Das Sprengstoffgesetz sieht in Paragraf 40 den strafbaren Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vor. Hier wird ein Rahmen von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vorgegeben«, so die Behörde.

Kilian Pfeiffer

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