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Verlust von 2,13 Millionen Euro

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Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller verweist auf die angespannte Situation der Wälder in Deutschland. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgaden – Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten hat auf einer Pressekonferenz am Freitagvormittag über die aktuelle Situation in den Wäldern Deutschlands informiert. Der Verwaltungsbereich erstreckt sich in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein auf 28 400 Hektar, die Hälfte davon ist Schutzwald. Dieses Jahr hatte er jedoch auch die Situation der Wälder in ganz Deutschland im Blick, was durch die Dürrejahre 2018 und 2019 begründet ist.


»Wir verzeichnen bei uns zwar durchgängig eine Klimaerwärmung von knapp zwei Grad, doch das verkraften die Wälder. Nicht aber große Dürren, die vor allem in Nordbayern und Mitteldeutschland zu massiven Schäden, vor allem der starken Ausbreitung des Borkenkäfers führten. Bei uns war die Lage hingegen stabil, wir hatten in den Alpen wassergesättigte Böden«, so Müller.

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Massive Schäden

Kopfzerbrechen bereiteten die wegen der Gesamtsituation in Deutschland stark gesunkenen Holzpreise. »Die massiven Schäden der Schneekatastrophe im Januar 2019 arbeiteten wir mit viel Aufwand und hohen Kosten bis in den Herbst 2020 hinein auf. Einen großen Teil der unter der Schneelast gebrochenen und gesplitterten Bäume konnte nur noch zu Hackschnitzel verarbeitet werden«, sagte Müller. »Der erzielte Preis dafür lag deutlich unter dem Aufwand, der nötig war, um dem Borkenkäfer seinen Brutraum zu entziehen.« Für das Sägeholz waren die Preise ebenfalls niedrig. Allerdings, schränkt der Forstbetriebsleiter ein, wurden durch langfristige Verträge noch 70 Euro je Festmeter erzielt. Manche Private mussten für 25 Euro je Festmeter verkaufen, bei stabilen Märkten liegt der Preis bei 100 Euro.

Das führte für das Geschäftsjahr 2020 beim Forstbetrieb Berchtesgaden zu einem Verlust von 2,13 Millionen Euro. Bis auf eine Ausnahme (2018) erzielte das Unternehmen die letzten acht Jahre immer Gewinne. »Unter dem Strich aber«, so Dr. Daniel Müller, »haben wir in den letzten neun Jahren einen jährlichen Gewinn von 0,56 Millionen Euro erwirtschaftet«.

Man täte den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) aber Unrecht, reduzierte man sie auf ihre reine Wirtschaftlichkeit. »Die BaySF so wertvoll wie nie!« wählte Müller als Motto für die Bilanzpressekonferenz 2020. Die Beseitigung der Schäden in den Wäldern war alternativlos. Bei der Holzausbeutung werde man sich die nächsten Jahre bewusst zurückhalten. »Mit 103 400 Kubikmetern Ausbeute werden wir deutlich unter dem natürlichen Holzzuwachs von 158 000 Kubikmeter im Jahr liegen«, führt er aus. Der Wald müsse sich wieder erholen, leistungsfähig bleiben und seine Schutzfunktion erhalten. Eine Basis dafür sei der Bestand an Tannen.

Überwiegend Fichten

»Ihr Anteil sollte bei 30 Prozent liegen, tatsächlich macht er je Region aber nur zwischen drei und sieben Prozent aus. Vor allem Tannen im mittleren Alter fehlen meistens komplett.« Mut mache die aktuelle Entwicklung. Die Zahl der Jungtannen bis zu fünf Metern Höhe ist von 5,2 Millionen auf 12,9 Millionen gestiegen. 540 000 Tannen wurden die letzten 14 Jahre für insgesamt zwei Millionen Euro gepflanzt und ihr Anteil am Gesamtbestand ist von fünf auf sieben Prozent gestiegen.

Mit 51 Prozent bleibt die Fichte der dominierende Baum im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein. Mit 20 Prozent ist die Buche ebenfalls stark vertreten. Zwischen sechs und acht Prozent entfallen auf Kiefer, Tanne und Lärche. Ein Nischenbaum ist die Zirbe und auch die Eibe. Für sie werden Geodaten erhoben und an einem eigenen Pflanzprogramm gearbeitet. Für die Douglasie sieht Dr. Müller vor allem im Alpenraum keine Zukunft, wenn in ausgewählten Lagen auch einige gepflanzt werden. Ebenso werde die Libanonzeder vereinzelt gesetzt. Als besondere ökologische und gesellschaftliche Leistung der Staatsforsten nannte Dr. Daniel Müller die Adlerfütterung im Lattengebirge. Die Umstellung auf bleifreie Munition zum Schutz von Adler, Gänse- und Bartgeier ist zum 1. Januar abgeschlossen. Das sei wichtig, da der Nationalpark 2021 die Auswilderung von Bartgeiern betreiben will. »Wir unterstützen das, sammeln bereits jetzt Futter in Säcken von zwei bis fünf Kilo und frieren sie bis zur Ausbringung ein«, so Müller.

Erfreuliche Projekte

Für ein verstärktes Monitoring des Gamswildes arbeiten die Bayerischen Staatsforsten eng mit den Jagdbehörden und dem Bayerischen Jagdverband zusammen. »Wir hatten dabei wissenschaftliche Unterstützung von einem Schweizer Biologen und wollen sicherstellen, dass der Bestand an Gämsen in der Region gehalten wird.« Leuchtturmprojekte waren 2020 die Eröffnung eines Moosobservatoriums im Ainringer Moos. »Viele seltene Vögel sind zu beobachten, denn das Moor dient auch als Rastplatz für Zugvögel«, so Müller. Ebenso erfreulich sei die Freigabe der Weißbachschlucht. »In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schneizlreuth wurden viele Bauwerke erneuert und der Weg ertüchtigt.« Besonders freute sich der Forstbetriebsleiter über die Auszeichnung als »UN-Dekade Biologische Vielfalt für den Biodiversitäts Hotspot Gaßalm« an den Ausläufern des Staufens. »Wir haben hier einen engagierten Förster, der das Moor und die Feuchtwiesen über Jahrzehnte gepflegt und so eine große Pflanzenvielfalt erhalten hat. Ohne diese Arbeit wäre die Wiese verbuscht und die Vielfalt verschwunden,« führte Dr. Müller aus. Ebenso ging er auf den Jagderfolg am Forstbetrieb Berchtesgaden ein. Der Bericht dazu folgt in einer der nächsten Ausgaben. Gerd Spranger

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