Tourismus im Talkessel – Besucher strömen an den Königssee

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Die vielen Teststationen sollen Urlaubern einen möglichst unkomplizierten Aufenthalt ermöglichen.

Berchtesgadener Land – Die Touristen sind zurück, die Hotels voll. Einzig und allein die Maskenträger erinnern daran, dass noch immer Corona herrscht. Auf der Seestraße am Königssee wimmelte es am Sonntag vor Menschen. Eine lange Schlange hatte sich an der Seelände gebildet. Alle wollten mit den Elektrobooten über den sieben Kilometer langen See setzen. Doch beim Einkaufen hielten sich die Leute noch zurück.


Brechend voll war der Großraumparkplatz Königssee am Sonntagmittag. Seitdem die Unterkünfte wieder geöffnet haben, die Bayerische Seenschifffahrt wieder fährt und die Jennerbahn Besucher auf den Schönauer Hausberg befördert, ist das Leben in den Berchtesgadener Talkessel zurückgekehrt. Die Touristiker freut es: »Wir haben etliche Anfragen für die kommenden Wochen«, sagte eine Touristinfo-Mitarbeiterin.

Kaffee im Freien

Die Sitzgelegenheiten vor den Cafés im Zentrum des Marktes von Berchtesgaden waren rar, sobald die Sonne durch den wolkenverhangenen Himmel blinzelte. Über Wochen und Monate hatten die Berchtesgadener Unternehmer montags immer protestiert, gefordert, die Geschäfte wieder öffnen zu dürfen. Nun dürfen sie. Wobei noch etwas Zurückhaltung herrscht beim Shopping-Erlebnis. »Die Leute kaufen zwar wieder, aber nicht alle trauen sich in den Laden«, sagte eine Modefachverkäuferin am Samstag.

Möglich ist der Einkauf im Berchtesgadener Land, das deutschlandweit am längsten im Lockdown war, nur wegen der unzähligen Teststationen, die von jetzt auf gleich wie Pilze aus dem Boden schossen. Allein am Königssee wird an drei Orten getestet, in Berchtesgaden sind es noch ein paar mehr. Lange Schlangen bildeten sich vor jedem Testcenter. Mehr als 30 Leute warteten am Sonntag auf den Test im Funtensee Kaser am Königssee. Das Stäbchen für die Nase ist zum Beispiel auch die Eintrittskarte für die Jennerbahnfahrt.

Eis am See

In einigen Läden tummelten sich Maskenträger, kauften Spazierstöcke und Königssee-Kappen. Im Biergarten mit Blick auf das Gewässer saßen die Gäste, bestellten Käsespätzle und Eisbecher. »Wir sind nicht unzufrieden«, sagte eine kurz angebundene Servicefachkraft auf dem Weg für Biernachschub.

Die Königssee-Schifffahrt hat mehrere Elektroboote im Einsatz. Am Steg hatte sich eine lange Menschenschlange gebildet. Alle warteten darauf, die PS-starken und bis zu 120 Personen fassenden Schiffe zu betreten. Die Umstellung bei der Bayerischen Seenschifffahrt auf einen Online-Ticketservice funktionierte reibungslos. Für das Königssee-Echo und die Zwiebeltürme auf der Halbinsel St. Bartholomä schienen Besucher bereit zu sein, auch mal länger warten zu müssen.

Auf den Jenner trieb es am Sonntag deutlich weniger Besucher als zum See. Eine weitere Attraktion im Berchtesgadener Talkessel, das Salzbergwerk, bleibt sogar erst mal geschlossen. Rund 350.000 Gäste pro Jahr fahren normalerweise in die Stollen ein. »Der Schutz unserer Gäste hat höchste Priorität«, heißt es von offizieller Seite. Man werde die gesetzlichen Vorgaben genau bewerten, die Inzidenzzahlen beobachten und »gewissenhaft überlegen«, wann wieder ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann.

Kilian Pfeiffer

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