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Tourismus am Ende?

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DEHOGA-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann hat Forderungen an die Politik. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgadener Land – Zahlt der Staat, ist alles gut? Zu dieser Frage äußert sich der Kreisvorsitzende des DEHOGA-Bayern, Johannes Hofmann.


Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen vom Staat pauschal 75 Prozent ihres im November 2019 gemachten Umsatzes erhalten. Der Lockdown light soll damit in der Gastronomie und Hotellerie abgefedert werden, um so Betriebsschließungen zu vermeiden.

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»Das klingt zunächst sehr großzügig und hilft den Betrieben, das Schlimmste zu verhindern«, so Hofmann. Doch er bewertet den gesamtwirtschaftlichen Schaden als sehr hoch. »Die ganze Zulieferkette, vom Bäcker bis hin zu den Zulieferbetrieben wie Brauereien und der Lebensmittelhandel bleiben auf der Strecke.

Was ist mit unserem Personal und vor allem den Auszubildenden? Auch sie sind von dem Lockdown betroffen. Wie sollen wir verhindern, dass gute Mitarbeiter, die mit reduziertem Gehalt (Kurzarbeit) und Teilzeitbeschäftigung sowie Jobverlust rechnen müssen, der Branche den Rücken kehren oder in weniger betroffene Regionen zum Arbeiten abwandern?«

Und auch ein Zweites treibt den DEHOGA-Vorsitzenden um. »Im Sommer kamen viele Gäste, die sonst im Ausland ihren Urlaub verbringen, in das Berchtesgadener Land und waren begeistert«, weiß er aus vielen Gespräche mit seinen Kollegen. »Im Oktober mussten sie aufgrund der Verfügung des Landratsamtes über Nacht abreisen.

Der positive Effekt, den wir nach dem ersten Lockdown für unsere Region verzeichnen konnten, wird so wieder leichtfertig auf's Spiel gesetzt. Dazu kommt die Angst«, so Hofmann, »dass es im Dezember nicht besser wird, das gesamte Weihnachtsgeschäft wegbricht. Die vielen für die Branche so wichtigen Weihnachtsfeiern der Betriebe haben wir bereits absagen müssen.«

Die Verunsicherung der Branche sei bei Gastgebern wie bei potenziellen Gästen riesig. So habe der überstürzte Lockdown im Landkreis eine hohe Stornierungswelle ausgelöst. »Der Staat wird die Schließung der Betriebe auf Dauer nicht verhindern können. Wir brauchen ein tragfähiges Konzept für den Tourismus, bis hin zu den Freizeiteinrichtungen. Kein Gast wird anreisen, wenn die gesamte Infrastruktur, von den Bergbahnen, über die Schifffahrten bis hin zu den Museen, Bädern und Thermen geschlossen bleibt«, fordert Johannes Hofmann.

Ausschlaggebend für die Zukunft werde es sein, »dem Tourismusgewerbe wieder bessere Bedingungen zur Erwirtschaftung von Profiten zu ermöglichen. Nur dann werden Betriebe auch ein gewisses unternehmerisches Risiko wagen. Das heißt Ausbildungsplätze schaffen und in die Betriebe investieren, was wiederum dem Fiskus ein Vorteil sein wird«, bekräftigt der DEHOGA-Kreisvorsitzende. So habe etwa das Hotelgewerbe beim reduzierten Steuersatz auf Übernachtungen wieder den nötigen Raum für Investitionen gewonnen.

Für Johannes Hofmann gehe die Rechnung nur bei einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive auf. Es würden alle gewinnen, die Gastronomie und Hotellerie, die Urlauber, der Einzelhandel und das Handwerk. Letztlich profitiere der Staat selbst durch höhere Steuereinnahmen. »Das ganze personalintensive ortsgebundene Gewerbe braucht diesen reduzierten Steuersatz anhand der fürchterlichen jetzigen Situation dringend«, so Hofmann. Die Motivation, die Unternehmen überhaupt weiterzuführen, sei schwindend.

Sein Appell an die Politik: »Der Tourismus in Bayern funktioniert ohne bayerische Gastronomie nicht. Mittelstand und Handel gehen Hand in Hand mit dem Tourismus. Was der Politik der Mittelstand wert ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Anscheinend wurde vergessen, wer das stabile Rückgrat der Finanz- und Wirtschaftskrise war. Politiker aller Couleur, denkt darüber nach.«

Gerd Spranger

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