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Suizide im Landkreis am höchsten

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Die Suizid-Werte für den Landkreis Berchtesgadener Land sind veraltet. Der aktuellste Fünf-Jahres-Mittelwert liegt für die Jahre 2012 bis 2016 vor. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Das Berchtesgadener Land liegt bei den Suizidsterbefällen bayernweit auf Platz eins. Das vergangene Corona-Jahr wird dabei nicht betrachtet. Das teilte das Landratsamt Berchtesgadener Land auf Nachfrage mit. Das letzte Mal war im Gesundheitsbericht aus dem Jahr 2018 über die landkreisweiten Suizidfälle berichtet worden.


Im Gesundheitsbericht waren für den Landkreis verschiedene Gesundheitsindikatoren dargestellt worden, unter anderem der Indikator Suizidsterbefälle. Die Indikatoren stammen aus dem bayerischen Gesundheitsatlas des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Für die Suizidsterbefälle wird in der Gesundheitsberichterstattung ein Fünf-Jahres-Mittelwert gebildet, um Zufallsschwankungen auf kommunaler Ebene wegen geringer Fallzahlen auszugleichen.

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Seit Veröffentlichung des Gesundheitsberichts vor knapp drei Jahren ist im bayerischen Gesundheitsatlas als aktuellster Wert der Fünf-Jahres-Mittelwert für die Jahre 2012 bis 2016 dargestellt, wie das Landratsamt mitteilt. Der Gesundheitsbericht 2018 hatte sich ausschließlich auf den Landkreis und die Jahre 2011 bis 2015 bezogen. Der Fünf-Jahres-Mittelwert für die Jahre 2012 bis 2016 liegt für das Berchtesgadener Land aktuell bei 21,2 Gestorbenen »infolge vorsätzlicher Selbstschädigung je 100 000 Einwohner«, so die Pressesprecherin des Landratsamtes.

Im Vergleich zu den vorherigen Werten lasse sich ein »leichter Anstieg« verzeichnen. Das Berchtesgadener Land zählt aktuell rund 105 000 Einwohner. Der Wert für den Landkreis liegt dabei deutlich über dem bayerischen Durchschnittswert von 13,8. Im Gegensatz zu den vorherigen Mittelwerten steht der Landkreis mit dem aktuellen Wert von 21,2 bayernweit an erster Stelle. Aktuellere Zahlen lägen nicht vor, so die Behördensprecherin.

Im Gesundheitsreport des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird erläutert, dass als Haupteinflussfaktor für die regionale Verteilung der hohen Suizidraten in Bayern der Anteil der älteren Bevölkerung gesehen werde. Denn im Altersverlauf nimmt die Suizidrate zu. Zusammenhänge mit sozioökonomischen Merkmalen der Regionen seien nur schwach ausgeprägt. Ein etwas erhöhtes Suizidrisiko gebe es in Regionen mit hoher Arbeitslosenquote und in Regionen mit einem hohen Anteil ambulanter Patienten mit affektiven Störungen. Insbesondere beim Anteil der älteren Bevölkerung und beim Anteil ambulanter Patienten liegen die Werte im Berchtesgadener Land über den bayerischen Durchschnittswerten, was einen möglichen Zusammenhang erklären könnte, heißt es aus dem Landratsamt.

Laut Experten haben Personen mit psychischen Erkrankungen ein allgemein erhöhtes Suizidrisiko sowie Menschen in sozialer Isolation. Im Landkreis gibt es mehrere Spezialeinrichtungen, in denen Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt werden. Im Gesundheitsreport wird erläutert, es sei davon auszugehen, »dass die Mehrzahl der Suizide auf eine psychische Erkrankung oder eine akute psychische Krisensituation« zurückzuführen sei. Daher spiele die Früherkennung von psychischen Störungen sowie die Vermittlung von qualifizierten Hilfen eine wichtige Rolle.

Die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen wie etwa Kontaktbeschränkungen stellen für viele Menschen eine psychische Belastung dar. Suizidzahlen für das vergangene Corona-Jahr liegen offiziell noch keine vor. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat in der Vergangenheit mehrfach auf die Kampagne »Bitte stör mich« zum Thema Psychische Gesundheit aufmerksam gemacht (www.bitte-stoer-mich.de), die sich unter anderem an Personen richtet, die Menschen kennen, die sich in depressiven Situationen befinden. Innerhalb der Kampagne wird dazu aufgerufen, diese nicht alleine zu lassen, sondern regelmäßig mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

Mit dem Angebot des Krisendienstes Psychiatrie steht Bürgern zudem eine Soforthilfe bei seelischen Krisen und psychiatrischen Notfällen jeder Art zur Verfügung. Der Krisendienst ist rund um die Uhr unter Telefon 0180/6553000 erreichbar. Kilian Pfeiffer

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