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Stichwahl zwischen Kern und Wimmer: Neuer Landrat steht erst in zwei Wochen fest

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Berchtesgadener Land: Landrats-Stichwahl zwischen Bernhard Kern (CSU) und Dr. Bartl Wimmer (Grüne)
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Wer der neue Landrat des Berchtesgadener Landes wird, entscheidet sich in einer Stichwahl zwischen dem Saaldorf-Surheimer Bernhard Kern (r.) und dem Berchtesgadener Dr. Bartl Wimmer. Das wurde am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr bekannt. (Foto: Patrick Vietze)

Berchtesgadener Land – Die Wählerinnen und Wähler im Landkreis Berchtesgadener Land werden erst am 29. März endgültig über ihren neuen Landrat entscheiden. Bei den gestrigen Kommunalwahlen erreichte keiner der fünf Kandidaten die absolute Mehrheit. Die meisten Stimmen entfielen auf den 51-jährigen Saaldorf-Surheimer Bernhard Kern (CSU/41,94 Prozent) und den Berchtesgadener Dr. Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen/25,78 Prozent), die nun in einer Stichwahl gegeneinander antreten.


Überblick:

Der 59-jährige Wimmer hatte sich lange ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Michael Koller von den Freien Wählern geliefert. Der 43-jährige Berchtesgadener landete am Ende mit 22,83 Prozent (11.044 Stimmen) dann doch relativ knapp hinter Wimmer.

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Einen Paukenschlag gab es in der Marktgemeinde Marktschellenberg. Nach zehn Jahren im Amt wählten die Bürger den bisherigen Rathauschef Franz Halmich von den Freien Wählern deutlich ab. Neuer ehrenamtlicher Bürgermeister wird Michael Ernst von der neu gegründeten Bürgerliste, der aktuell noch Geschäftsleiter der Marktgemeinde Marktschellenberg ist. Die anderen Amtsinhaber im Talkessel setzten sich bereits gestern klar durch.

Die CSU-Dominanz der letzten Jahrzehnte gibt es auch im Landkreis Berchtesgadener Land nicht mehr. Hatte sich Georg Grabner bei den letzten beiden Kommunalwahlen noch stets klar mit 65,5 beziehungsweise 58,86 Prozent der Stimmen bereits im ersten Wahlgang durchgesetzt, so erreichte diesmal keiner der fünf Kandidaten die für eine Wahl nötige absolute Mehrheit. Historisch sind vor allem die im Berchtesgadener Land noch die da gewesenen 25,78 Prozent für einen Landratskandidaten der Grünen. Dr. Bartl Wimmer (12.471 Stimmen) zwingt damit Bernhard Kern (CSU/20.289 Stimmen) in die Stichwahl. Der 51-jährige Saaldorf-Surheimer holte mit 41,94 Prozent deutlich die meisten Stimmen. Michael Koller, Kandidat der Freien Wähler, kam auf 22,83 Prozent und verpasste damit nur ganz knapp die Stichwahl.

Berchtesgadener Land: Stichwahl zwischen Bernhard Kern (CSU) und Dr. Bartl Wimmer (Grüne)
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Wenig los war am Wahlsonntag im Landratsamt. (Foto: Patrick Vietze)

Lange Gesichter am Wahlabend dagegen bei Roman Niederberger von der SPD und bei AfD-Kandidat Wolfgang Koch. Die SPD stürzte mit ihrem Kandidaten Roman Niederberger dramatisch ab und landete mit 4,89 Prozent (2364 Stimmen) nur knapp vor Wolfgang Koch (4,56 Prozent/2204 Stimmen) von der AfD. Vor sechs Jahren hatte der damalige SPD-Kandidat Helmut Fürle noch fast 15 Prozent geholt. Ein wenig auf den Kopf gestellt wurde das Ergebnis in mehreren südlichen Gemeinden, wo traditionell die eigenen Kandidaten am stärksten abschnitten. Die Berchtesgadener Dr. Bartl Wimmer und Michael Koller erhielten beispielsweise in ihrer Heimatgemeinde stattliche 40,92 beziehungsweise 39,96 Prozent. Bernhard Kern setzten die Berchtesgadener dagegen mit 14,36 Prozent nur auf Platz drei. Das vorläufige amtliche Endergebnis stand gegen 22 Uhr fest, als mit Piding die letzte Landkreis-Gemeinde ihre Zahlen präsentierte.

Niederberger tritt als SPD-Kreisvorsitzender zurück

»Ich freue mich über die Rückendeckung der Wähler«, sagte Bernhard Kern, der genauso wie seine Mitbewerber im Landratsamt gespannt auf die aus den Gemeinden eingehenden Ergebnisse wartete. Für die nächsten beiden Wochen bis zur Stichwahl kündigte er einen »Schlussspurt im Wahlkampf« an. Allerdings will der CSU-Kandidat das Wahlkampfprogramm an die Corona-Krise anpassen, weshalb es am heutigen Montag interne Beratungen geben soll.

Dr. Bartl Wimmer hat nach eigenen Worten »das erklärte Ziel Stichwahl erreicht«. Bis zum 29. März will nun auch der Berchtesgadener »noch einmal richtig Gas geben«. Da aktuell keine Wahlveranstaltungen möglich sind, will er vor allem über die sozialen Medien die Wähler erreichen. Ein wenig enttäuscht klang dagegen gestern Michael Koller. Der war zwar insgesamt mit dem Ergebnis als drittstärkster Kandidat zufrieden. Dass er aber die Stichwahl denkbar knapp verpasst hatte, fand der Berchtesgadener schade.

Einen niedergeschlagenen Eindruck machte Roman Niederberger im Landratsamt, wo er das Endergebnis nach klarer Tendenz gar nicht mehr abwartete. Er kündigte in Anbetracht des »katastrophalen Ergebnisses« seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des SPD-Kreisvorsitzenden an. Das schlechte Abschneiden führte er in erster Linie auf einen »falschen Wahlkampf« zurück. Einigermaßen gefasst nahm dagegen AfD-Kandidat Wolfgang Koch sein niedriges einstelliges Ergebnis zur Kenntnis. Allerdings hatte er schon »mit ein paar mehr Stimmen« gerechnet. Parteiinterne Probleme hätten aber den Wahlkampf »schwerst beeinträchtigt«.

Bitterer Dämpfer für Franz Halmich

In der Marktgemeinde Marktschellenberg sorgten die Wähler für die einzige Wahlüberraschung im Berchtesgadener Talkessel. Sie entzogen Bürgermeister Franz Halmich von den Freien Wählern nach zehnjähriger Amtszeit das Mandat und hievten stattdessen gleich im ersten Wahlgang Michael Ernst von der Bürgerliste auf den Chefsessel im Rathaus. Halmich fuhr mit 22,62 Prozent ein niederschmetterndes Ergebnis ein, während Ernst mit 59,36 Prozent die absolute Mehrheit mühelos erreichte. Und das trotz eines weiteren Kandidaten von der CSU. Wolfgang Lochner kam aber über 18,02 Prozent nicht hinaus.

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Franz Halmich.

Michael Ernst, bisheriger Geschäftsleiter der Marktgemeinde, hatte für den Fall seiner Wahl bereits angekündigt, dass er sein Geschäftsleiteramt im Rathaus aufgeben und stattdessen neben seiner Bürgermeistertätigkeit noch in Teilzeit als Gemeindebeschäftigter arbeiten werde.

In den anderen vier Talkesselgemeinden blieben die Überraschungen aus, überall setzten sich die Amtsinhaber mehr oder weniger deutlich durch. Marktbürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden wurde zwar mit 57,08 Prozent gleich im ersten Wahlgang deutlich bestätigt. Doch der Amtsinhaber, der nun seine dritte Amtszeit in Angriff nimmt, hatte mit Josef Wenig von den Freien Wählern einen starken Gegenkandidaten, der mit 32,27 Prozent einen Achtungserfolg schaffte. Immerhin hatte Rasp hatte vor sechs Jahren noch 65,71 Prozent geholt. Abgeschlagen landete Andrea Grundner von den Grünen mit 10,65 Prozent auf Platz 3.

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Josef Wenig, Bürgermeister Franz Rasp und Andrea Grundner.

Ein klares Ergebnis auch in Bischofswiesen: Amtsinhaber Thomas Weber (CSU) erhielt mit 66,91 Prozent der Stimmen eine deutliche Bestätigung seiner Arbeit und kann mit Selbstvertrauen seine zweite Amtsperiode angehen. Seine Gegenkandidaten ließ der 54-Jährige, wie schon bei seiner Erstkandidatur vor sechs Jahren, deutlich hinter sich. Michael Sturm von den Grünen, der sich erstmals um den Chefsessel im Rathaus bewarb, kam auf 17,69 Prozent, Josef Angerer von der SPD holte 15,40 Prozent.

»Durchmarsch« für Rasp und Gschoßmann

Auch die Gemeinde Schönau am Königssee bleibt, zumindest was den Rathauschef betrifft, fest in CSU-Hand. Mit 81,87 Prozent erhielt Bürgermeister Hannes Rasp erneut den Wählerauftrag für eine zweite Amtszeit. Als Rasp vor sechs Jahren die Nachfolge von Bürgermeister Stefan Kurz antrat, musste er sich gegen den damaligen FW-Kandidaten Richard Lenz noch mit 58,85 Prozent zufrieden geben. Diesmal hieß die Mitbewerberin Sabine Kruis von den Grünen. Die 59-Jährige erhielt nur 18,03 Prozent der Stimmen.

Am wenigsten spannend war die Auszählung erneut in der Gemeinde Ramsau. Wie vor sechs Jahren hatte Bürgermeister Herbert Gschoßmann (CSU) keinen Gegenkandidaten. So verwundert es nicht, dass der 61-Jährige mit 86,34 Prozent der Stimmen bereits seine dritte Amtsperiode antreten darf. Die beginnt, wie auch bei allen anderen Mandatsträgern, am 1. Mai. Die anderen 13,66 Prozent der Ramsauer Wähler hatten auf dem Stimmzettel einen anderen Namen eingefügt. Das ist möglich, wenn ein Kandidat in einer Gemeinde keinen Mitbewerber hat.

Die Wahlbeteiligung im Landkreis lag bei 57,09 Prozent. Von den 85.623 Wahlberechtigten gaben 48.883 Wähler ihre Stimmen ab, von denen 48.372 gültig waren.

Ulli Kastner

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