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Staatsanwaltschaft stellt zwei Ermittlungsverfahren ein

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Für Schlagzeilen hatte im Frühjahr letzten Jahres der Fund mehrerer toter Hirschkälber im Königsseebereich gesorgt. Zwei Ermittlungsverfahren nach entsprechenden Anzeigen wegen jagdrechtswidriger Erlegung des Muttertiers stellte die Staatsanwaltschaft Traunstein jetzt ein. (Foto: Wildes Bayern e.V.)

Berchtesgaden/TS – Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat jetzt zwei Ermittlungsverfahren wegen der vermeintlich rechtswidrigen Erlegung von Rot- und Gamswild im Nationalpark Berchtesgaden mangels Tatnachweis eingestellt. Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Strafanzeige des Vereins Wildes Bayern vom 29. Mai letzten Jahres zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern. Die Ermittlungen gegen Nationalparkchef Dr. Roland Baier wegen möglicher Strafvereitelung im Amt dauern allerdings noch an, wie die Staatsanwaltschaft gestern mitteilte.


Der Verein Wildes Bayern mit ihrer Vorsitzenden Dr. Christine Miller hatte nach der Entdeckung von acht toten Hirschkälbern im Bereich Königssee/Obersee im April letzten Jahres geschlussfolgert, dass der Tod der Kälber nur durch die jagdrechtswidrige Erlegung des Muttertiers zu erklären sei. In einer Vernehmung hatte Dr. Christine Miller von einem weiteren Fall im Dezember 2018 berichtet, in dem ein Rotwildmuttertier ohne Kalb abgeschossen worden sein soll. Auch hatte die Vereinsvorsitzende von Auffälligkeiten bei der Gamswildbejagung berichtet. Insbesondere soll im Juni 2018 eine Gamsgeiß während der Schonzeit erlegt und anschließend als Gamsbock deklariert worden sein.

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Die Staatsanwaltschaft Traunstein führte daraufhin nach eigenen Angaben umfangreiche Ermittlungen zur Überprüfung der Jagdpraxis im Nationalpark Berchtesgaden. In diesem Zusammenhang wurden Zeugen vernommen sowie Wildeingangsbücher und Abschusslisten ausgewertet. »Letztlich konnte in keinem Bereich der Tatnachweis für eine Straftat mit der hohen im Strafrecht erforderlichen Sicherheit geführt werden«, fasst die Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung zusammen.

Die Staatsanwaltschaft geht dann ins Detail: »Hinsichtlich der Bejagung des Rotwilds konnte nicht nachgewiesen werden, dass das Muttertier der verendeten Rotwildkälber oder einzelner von ihnen erlegt wurde. Zwar wurde im 18. Dezember 2018 ein Muttertier ohne Kalb erlegt, es konnte jedoch nicht geklärt werden, ob dieses im Abschusszeitpunkt noch führend war. Zum einen wurde nur Tage zuvor im Dezember 2018 ein Kalb ohne Muttertier erlegt, zum anderen war aufgrund des großen zeitlichen Abstands zum Auffinden der verendeten Kälber im April 2019 ein Zusammenhang zu diesen nicht sicher herzustellen. Bezüglich einer weiteren Jagd am 21. Dezember 2018 konnte nicht bewiesen werden, dass ein Muttertier ohne Kalb geschossen wurde.«

Auch die Erlegung einer Gamsgeiß während der Schonzeit im Juni 2018 könne aufgrund der sich widersprechenden Angaben der Zeugen und des Jägers nicht sicher bewiesen werden, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Der Jäger habe erklärt, dass es sich bei dem erlegten Tier entsprechend der schriftlichen Erfassung um einen Gamsbock gehandelt habe. »Eine weitere Aufklärung des Sachverhalts war nicht möglich. Insbesondere stand das erlegte Tier nicht für eine Untersuchung zur Verfügung«, so die Staatsanwaltschaft.

Noch nicht entschieden ist über die Parallel laufende Anzeige gegen Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. Dem wirft der Verein Wildes Bayern mögliche Strafvereitelung im Amt vor. »Die Ermittlungen dauern noch an«, betont die Staatsanwaltschaft.

In der Nationalparkverwaltung hat man stets sämtliche Vorwürfe des Vereins mit aller Schärfe zurückgewiesen. »Die haltlosen Anschuldigungen des Vereins Wildes Bayern wie Abschuss führender Muttertiere, Vernichtung von Beweismitteln und Strafvereitelung im Amt bis hin zu Rücktrittsforderungen an den Nationalparkleiter entbehren jeglicher Grundlage«, hatte die Behörde bereits vor Monaten mitgeteilt. Auch der Ökologische Jagdverein Bayern hatte die Nationalparkverwaltung bereits im Sommer letzten Jahres entlastet. Ulli Kastner

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